Rafael Nadal (l.) und Novak Djokovic (r.) können im French-Open-Finale Tennis-Geschichte schreiben
Rafael Nadal (l.) und Novak Djokovic (r.) können im French-Open-Finale Tennis-Geschichte schreiben © Getty Images
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München - Das French-Open-Duell zwischen Rafael Nadal und Novak Djokovic ist mehr als nur ein Finale. In Abwesenheit von Federer hat es große Auswirkungen auf die GOAT-Debatte.

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Die French Open haben eines eindeutig gezeigt: Roger Federer kann seinen Grand-Slam-Rekord nur selbst retten.

Denn die ehemalige Next Gen um Alexander Zverev, Stefanos Tsitsipas und Andrey Rublev ist immer noch nicht so weit, um seine Konkurrenten um den Thron - Rafael Nadal und Novak Djokovic - von weiteren Grand-Slam-Erfolgen konstant abhalten zu können.

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Bei den US Open gewann mit Dominic Thiem zwar endlich einmal ein neuer Name. Doch auch wenn der Österreicher aktuell die größte Gefahr für Nadal und Djokovic darstellt - ohne die Disqualifikation von Hartplatz-Dominator Djokovic wäre der Titel wohl nach Serbien gegangen.

Tennis-Klassiker: Djokovic versus Nadal

Denn kaum kommt Djokovic ohne Ausraster durch und Nadal ist ebenfalls wieder dabei, kommt es im Finale der French Open zum 56. Duell zwischen den beiden. Der Serbe führt dabei mit 29:26, auf Sand wendet sich das Blatt jedoch zugunsten von Sandplatzkönig Nadal (17:7).

Vor den French Open haben Federer (20 Titel), Nadal (19) und Djokovic (17) zusammen 56 Grand-Slam-Titel gewonnen. Eine unfassbare Zahl. Auch Legenden wie Pete Sampras (14), Björn Borg und Rod Laver (je 11) oder auch Andre Agassi, Jimmy Connors und Ivan Lendl (je 8) kamen nicht annähernd an die Dominanz des Trios heran.

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Daher ist klar, dass Federer, Nadal und Djokovic in den wohl letzten Jahren ihrer Karriere unter sich ausmachen werden, wer als größte Legende des Sports in die Geschichte eingehen wird.

Federer spürt Nadal und Djokovic im Nacken

Noch hat der Schweizer die Nase vorn. Doch während Federer nach einer Knieoperation aktuell nur zuschauen kann, werden Nadal und Djokovic im für viele Experten bedeutsamsten Grand-Slam-Endspiel der vergangenen Jahre um den Titel kämpfen.

Nadal kann im Finale dabei nicht nur seine unglaubliche Titel-Anzahl in Paris auf 13 hochzuschrauben, sondern auch Federers unglaubliche Marke einstellen. 

Der Spanier misst dem Rennen aber keine zu große Bedeutung bei. "Natürlich würde ich es super finden, mit den meisten Grand-Slam-Titeln aufzuhören, aber es ist nichts, von dem ich besessen bin. Und wenn Roger oder Novak vor mir ist, dann geht das Leben auch weiter", sagte der 34-Jährige bereits Anfang des Jahres.

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Djokovic heiß auf Grand-Slam-Rekord

Ganz anders stellt sich die Situation bei Djokovic dar. Der Weltranglistenerste, der während der Corona-Pandemie viele Sympathien bei neutralen Tennis-Fans mit einigen merkwürdigen Aussagen und Aktionen verspielte, will diesen Rekord unbedingt - und gibt das auch offen zu.

"Zu versuchen, die historische Nummer eins zu werden, ist ein großes Ziel", sagte Djokovic: "Ich glaube, dass ich die meisten Slams gewinnen und den Rekord für die längste Nummer eins brechen kann."

Damit liegt Djokovic wohl richtig. Auf Hartplatz ist der 33-Jährige der beste Spieler der Welt und mit den Australian Open sowie den US Open hat er jährlich zwei große Chancen, seine Titelsammlung auszubauen. In Wimbledon ist er inzwischen vor Federer Topfavorit und auf Sand neben Thiem die größte Gefahr für Nadal.

Dass der 39-jährige Federer außerhalb von Wimbledon noch einen Grand Slam gewinnt, ist eher unwahrscheinlich. Auch Nadal wird auf Hartplatz wohl nur triumphieren, wenn ein anderer Spieler Djokovic aus dem Weg räumt - oder der Serbe das wie bei den diesjährigen US Open selbst übernimmt.

Djokovic adelt Nadal vor Finale

Dementsprechend groß ist die Bedeutung des French-Open-Endspiels für die Frage nach dem besten Spieler aller Zeiten. Falls Djokovic siegt, ist es nicht unwahrscheinlich, dass er bereits 2021 mit Federer gleichzieht oder ihn sogar überholen wird.

Doch Djokovic ist sich bewusst, wie schwer die Aufgabe am Sonntag werden wird. Er sieht es als "größte Herausforderung im Sport" an, Nadal bei den French Open zu schlagen. "Ist das nicht offensichtlich? Ich glaube, kein anderer Spieler hat irgendein Turnier so oft gewonnen wie er hier", sagte Djokovic.

Unter normalen Umständen bei warmen Bedingungen im Juni würde Nadal deshalb auch als Favorit ins das Endspiel gehen. Doch die nass-kalten äußeren Bedingungen im Oktober mit den ungewöhnlich schweren Bällen berauben Nadal seiner größten Stärke auf Sand: sein Topspin entfaltet kaum Wirkung.

Trotzdem gab Nadal auf dem Weg ins Finale nicht einen Satz ab, wenngleich er seine Leistungen nicht überbewerten wollte und auch nach dem Halbfinale selbstkritisch sagte: "Am Sonntag muss ich mich deutlich steigern".

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Nadal peilt 100. Sieg bei French Open an

Gelingt das, könnte Nadal seinen 100. Sieg bei den French Open feiern. Nur Federer schaffte dies bei den Australian Open (102 Siege) und in Wimbledon (101) - eine ebenfalls sensationelle Leistung, wenngleich er dafür ein paar Teilnahmen mehr brauchte.

Mindestens genauso viel steht aber für Djokovic auf dem Spiel, der Nadal und Federer im Grand-Slam-Rennen unbedingt überholen will. Zudem hätte er bei einem Sieg jeden Grand Slam mindestens zweimal gewonnen - das hat in der Open Era bisher noch kein Spieler geschafft.

Djokovic selbst hatte auf dem Weg ins Finale etwas mehr Mühe als Nadal. Vor allem im Viertelfinal-Duell gegen Pablo Carreno Busta, gegen den er nach bei den US Open disqualifiziert wurde, wirkte er eine gute Stunde lang von der Rolle und konnte froh sein, dass der Spanier dies nur mit dem Gewinn eines Satzes bestrafte.

Der Serbe verspürte laut eigener Aussage Schmerzen im Nacken und an der Schulter, die aber im Laufe der Partie von selbst zurückgingen.

Carreno Busta lästert über Djokovic

Carreno Busta sagte dazu: "Jedes Mal, wenn das Spiel kompliziert wird, bittet er um medizinische Hilfe. Er macht das schon lange. Ich wusste, was bei den US Open passieren würde, was hier passieren würde und was weiterhin passieren wird."

Sein Ex-Coach und heutiger Eurosport-Experte Boris Becker vermutete dagegen mentale Gründe für die Schmerzen bei Djokovic, da er durch Carreno Busta an seinen Linienrichter-Abschuss bei den US Open erinnert wurde. 

Fakt ist: Im Halbfinale war von Schmerzen bei Djokovic wenig zu sehen. Zwar leistete er sich nach einem Matchball im 3. Satz einige Unkonzentriertheiten und musste gegen einen stark spielenden Tsitsipas sogar in den fünften Satz gehen. Dort zeigte er aber dann wieder seine Klasse.

Djokovic ist sich bewusst, dass er sich ähnliche Aussetzer gegen Nadal nicht leisten darf. Als einziger aktiver Spieler kennt er zumindest das Gefühl, Nadal bei den French Open zu schlagen. Djokovic gelang dies 2015 im Viertelfinale, sein einziger Sieg bei sieben Duellen mit Nadal in Paris.

Für ihn ist klar, ihm Duell der Giganten geht es diesmal nicht nur um eine Trophäe und eine Siegprämie von 1,6 Millionen Euro, sondern auch um ein großes Stück Tennis-Geschichte.