Boris Becker sieht keinen Grund, wegen Corona Wimbledon so früh abzusagen
Boris Becker sieht keinen Grund, wegen Corona Wimbledon so früh abzusagen © Getty Images
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Nach dem ersten Schock rief die Wimbledon-Absage in der Tennisszene großes Verständnis hervor. Boris Becker hält diese Entscheidung aber für voreilig.

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Dort oben, auf der Terrasse seines Londoner "Home Office" mit herrlichem Blick auf die Themse, schien Boris Becker den Ernst der Lage eigentlich begriffen zu haben.

"Bleibt alle zu Hause", rief das Tennis-Idol dieser Tage seinen Hunderttausenden Followern auf Instagram zu, schließlich trifft die Corona-Pandemie das Königreich gerade mit voller Wucht. Auch Becker höre "viele Horrorgeschichten über das Virus" - doch dass das legendäre Rasenturnier von Wimbledon in Zeiten der Krise bereits abgesagt wurde, das geht ihm dann doch zu weit.

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"Ich hätte mir gewünscht, dass man noch vier Wochen mit der Entscheidung wartet", sagte der dreimalige Titelträger auf dem Heiligen Rasen bei Eurosport, nachdem der veranstaltende All England Lawn Tennis Club (AELTC) am Mittwoch das Aus für die 134. Ausgabe des Grand-Slam-Turniers im Sommer verkündet hatte. Jedoch könne Becker "nachvollziehen, dass man sich diesem Druck beugen muss".

Becker findet Absage übertrieben

Öffentlicher Druck dürfte bei den Veranstaltern aber eher zweitrangig gewesen sein, vielmehr hätten sie die Entscheidung "unter größter Rücksicht auf die öffentliche Gesundheit und das Wohlbefinden aller getroffen, die zusammenkommen, um Wimbledon zu verwirklichen".

Zwar erkennt auch Becker die "extreme" Gefahr, dadurch sei "die öffentliche Meinung im Moment sehr von Angst und Panik beherrscht" - dass er dies allerdings übertrieben findet, hatte er schon am Tag vor der Absage in einer fragwürdigen Twitter-Tirade kundgetan.

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"Das ganze Weltende-Szenario/Armageddon bringt nichts außer Angst!", schrieb der 52-Jährige und irritierte mit verqueren Vergleichen. So erinnerte er etwa an 25.000 Grippe-Tote im vergangenen Jahr in Deutschland ("Mögen sie in Frieden ruhen!") oder verwies auf die relativ geringen Infektionszahlen trotz weniger Einschränkungen des öffentlichen Lebens in Schweden.

Dass er damit seinen eigenen, nur eine Woche zuvor geäußerten Warnungen widersprach - egal. Die Kritik im Internet ließ nicht lange auf sich warten.

Becker: Schluss mit der Schwarzmalerei

Schließlich wird die Lage in Großbritannien immer ernster, das Coronavirus verbreitet sich verheerend rasch. Am Mittwoch wurden erstmals über 500 Todesfälle durch COVID-19 binnen 24 Stunden verzeichnet. Dass die notwendigen Aufbauarbeiten für das Wimbledonturnier Ende des Monats beginnen können, war vor diesem Hintergrund utopisch.

Es werden bereits sogar Befürchtungen laut, etwa von Australian-Open-Chef Craig Tiley, dass es in diesem Jahr überhaupt keinen Aufschlag mehr auf der Profitour geben wird. Doch auch das geht Becker gegen den Strich. "Wir sollten mit der Schwarzmalerei aufhören", schimpfte er bei Twitter, "natürlich wird dieses Jahr noch Tennis gespielt."

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In Wimbledon jedenfalls nicht. Dort betreten die Spieler erst wieder mit einem Jahr Verspätung vom 28. Juni bis 11. Juli 2021 den Rasen - im Gegensatz zu Becker traf die Absage bei anderen Stars der Szene nach anfänglichem Schock auf Verständnis.

"Momentan zählen andere Dinge, die wichtiger sind", sagte Angelique Kerber, die 2018 an der Church Road triumphiert hatte. Der zweimalige Champion Andy Murray stimmte ihr zu: "Die Gesundheit eines jeden ist definitiv das Wichtigste!" Und Titelverteidigerin Simona Halep meinte: "Wir machen gerade etwas durch, das größer als Tennis ist.