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München - Nach schier endloser Leidenszeit feiert Catherine Bellis bei den Australian Open ihr GS-Comeback. Das Mega-Talent hat Fehldiagnosen und Horror-Operationen hinter sich.

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Der 10. November 2019 wird für die als Wunderkind gehandelte Catherine "Cici" Bellis immer ein ganz besonders in Erinnerung bleiben.

Bei einem Challengerturnier in Houston feierte die US-Amerikanerin nach einer schier endlosen Leidenszeit von 599 Tagen ihr Comeback auf der Tennistour. Anfang 2020 folgte in Auckland ihr erstes Turnier auf WTA-Tour-Ebene und in Hobart kurz darauf ihr erster Sieg auf der WTA-Tour seit März 2018.

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An den Australian Open (täglich im LIVETICKER bei SPORT1) darf die 20-Jährige nun dank ihres Protected Ranking teilnehmen. Für Bellis der letzte Schritt zurück nach einer unglaublichen Odyssee voller Verletzungen und Rückschläge.

Bellis gilt als zukünftige Nummer 1

Rückblick: Bellis galt bereits in jungen Jahren als riesiges Tennis-Talent.

Als 15-Jährige schaltete sie Dominika Cibulkova bei den US Open aus. 2017 erreichte Bellis bei den French Open die Runde der letzten 32 und katapultierte sich in der Weltrangliste bis auf Platz 35 - viele Experten sehen in ihre eine zukünftige Nummer 1.

Ermutigt von den Resultaten entschied sich Bellis dazu, auf ihr Stipendium in Stanford zu verzichten und damit nicht die in den USA durchaus übliche College-Karriere einzuschlagen. Bellis steigt direkt auf die Profitour ein - ein fataler Fehler, wie sich später herausstellt.

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Bellis muss mit Schmerzmitteln spielen

Denn der Körper von Bellis, die körperlich noch nicht aufgereift ist, hält der hohen Belastung auf der WTA-Tour nicht stand.

Zu Beginn des Jahres 2017 verspürte Bellis plötzlich bei einem Turnier in Mexiko große Schmerzen im Arm. "Meine Arme haben ungefähr vier Tage lang wehgetan. Jeder hat es als normale Sehnenentzündung diagnostiziert", verrät sie Jahre später im Podcast von TENNIS.com.

Da die Ärzte das wahre Problem jedoch nicht erkennen, spielte Bellis die Sand- und Rasensaison mit Schmerzmitteln. Zwar setzte Bellis die Medikamente zum Saisonende wieder ab, aber Besserung trat dadurch nicht ein.

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In Dubai "knackt der Ellbogen"

Im Gegenteil: In Dubai spürte sie im Februar plötzlich ein "Knacken im Ellbogen". Die niederschmetterndes Diagnose lautete: drei Risse im Handgelenk aufgrund eines zu langen Knochens. In einer Operation sollten die Risse entfernt werden, um Bellis ein schmerzfreies Spiel zu ermöglichen.

Doch statt der erhofften Erleichterung hat Bellis weiterhin große Probleme. Die Lösung: Eine zweite Operation, um die Schmerzen zu lindern. Als auch das diese nicht half, wurde ihr ein dritter - äußerst schmerzhafter - Eingriff als Lösung vorgeschlagen.

Bellis hatte endgültig genug und überlegte, ihre Tennis-Karriere zu beenden. Doch ihre Liebe zum Tennis ist stärker und so entschied sie sich dazu, sich doch noch einmal unter das Messer zu legen: "Sie haben meinen Knochen erst halbiert, dann gekürzt und eine Platte eingefügt."

Bellis geht doch aufs College

Da sie nach diesem Eingriff wieder für eine lange Zeit kein Tennis spielen konnte, ging sie doch noch aufs College. "Es war gut, das nebenbei zu haben", sagte Bellis auf die Zeit an der Indiana University East zurückblickend.

Schließlich folgte im März 2019 sogar noch eine vierte Operation, bei der die eingesetzte Platte wieder herausgenommen wurde, da sie Schmerzen verursachte und den Arm wieder anschwellen ließ.

"Nach jeder OP dachte ich, dass ich wieder gesund werden könnte. Ich ging also in die Reha, danach auf den Tennisplatz und hatte dann wieder einen Rückschlag", schilderte Bellis ihre Gefühlslage im Gespräch mit der WTA.

Arzt bremst Comeback-Träume zunächst aus

Einen Monat, bevor sie am 10. November 2019 auf die Tour zurückkehrte, folgte schließlich ein weiterer Nackenschlag. Ein Arzt sagte ihr, dass sie nie wieder professionelles Tennis spielen werde.

Doch auch davon ließ sich "Stehaufmännchen" Bellis nicht unterkriegen. "Ich machte ein MRT und ging zu drei unterschiedlichen Ärzten, die mir alle sagten, dass ich in Ordnung bin."

Als sie schließlich von medizinischer Seite Grünes Licht erhielt, wollte sie unbedingt noch im vergangenen Kalenderjahr ein Turnier spielen. "Bei einem Turnier dabei zu sein und versuchen ein komplettes Spiel zu absolvieren war das Hauptziel."

Bellis kehrt stark zurück

Diese Hürde erfüllte Bellis in Houston mühelos, erst im Viertelfinale scheiterte sie an der späteren Siegerin Kirsten Flipkens. Mit einem Ausrufezeichen war das einstige Wunderkind auf die Tour zurückgekehrt.

"Ich bin jetzt eine total andere Person, es ist so viel geschehen in den letzten Jahren und ich habe eine frische und neue Perspektive aufs Tennis. Ich genieße jede Sekunde", sagte Bellis.

Das wird sie nun auch bei den Australian Open zeigen wollen, wenn sie in ihrem ersten Match am Dienstag auf die Deutsche Tatjana Maria trifft.