München - Alexander Zverev verpflichtet Ivan Lendl als Trainer. Wie kann die Tennnis-Legende dem Deutschen helfen? Welche Gefahren bestehen in der Zusammenarbeit?

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Es war ein Paukenschlag am Dienstagabend: Alexander Zverev verpflichtet Ivan Lendl als neuen Coach. Deutschlands bester Tennisspieler holt sich einen der erfolgreichsten Spieler aller Zeiten an seine Seite.

Bei Instagram begrüßte der 21-Jährige seinen neuen Coach mit den Worten "Willkommen im Team".

Dass Zverev Lendl als neuen Trainer verpflichten würde, war nicht unbedingt abzusehen.

Noch im April hatte der Hamburger vor dem Masters-Turnier in Monte Carlo gesagt, dass er mit seinem Vater einen der besten Trainer auf der Tour habe. "Ich bin sehr glücklich mit der Situation in meinem Team. Momentan schaue ich nicht auf neue Coaches", so der 21-Jährige damals.

An dieser Sichtweise hat sich nun ganz offensichtlich etwas geändert, womöglich auch wegen des Drittrunden-Aus in Wimbledon.

Rolle von Lendl noch unklar

Welche Rolle genau der 58-jährige Lendl im Team einnehmen wird, ist bisher noch nicht bekannt. Denn auf dem Bild der Verkündung ist auch Papa Zverev zu sehen, der sich weiterhin gemeinsam mit Fitnesstrainer Jez Green um Alex kümmern wird. Es ist davon auszugehen, dass Lendl speziell für die Grand Slams sowie ausgewählte Top-Turniere als Coach fungieren wird.

Bereits früher ließ sich Zverev vom Tschechen den einen oder anderen Tipp geben. Lendl kennt die Familie Zverev sehr gut, das Verhältnis – auch zum Vater -  gilt als exzellent. Beide dürften in der Zusammenarbeit miteinander keine Problem haben.

Zusammenarbeit mit Ferrero scheiterte

Aktuell ist der 21-Jährige die Nummer vier der Welt und Deutschlands unumstrittene Nummer eins. Diverse ATP-Turniere hat Zverev bereits gewonnen, nur bei den Grand Slams enttäuschte Zverev immer wieder.

Lendl soll nun helfen, das Ziel eines Grand-Slam-Erfolgs endlich zu erreichen. Ähnliche Pläne hatte der Deutsche bereits mit Juan Carlos Ferrero. Die Zusammenarbeit mit dem Spanier dauerte aber nicht allzu lange an, Unstimmigkeiten beendeten sie nach nur wenigen Monaten.

Lendl verlangt Disziplin

Streitereien oder Undiszipliniertheiten wird sich Zverev mit Lendl nicht erlauben können. Im Training mit Ferrero soll Zverev beispielsweise häufig zu spät gekommen sein.

Die Zusammenarbeit zwischen Juan Carlos Ferrero (l.) und Alexander Zverev scheiterte
Die Zusammenarbeit zwischen Juan Carlos Ferrero (l.) und Alexander Zverev scheiterte © Getty Images

Der mehrfache Grand-Slam-Sieger duldet keine Unprofessionalität und lässt keine Spielchen zu. Wenn Zverev nicht mitzieht, könnte der einstige Rivale von Boris Becker schnell das Handtuch werfen.

Davon ist aber nicht auszugehen. Vor Lendl hat der junge Deutsche unheimlichen Respekt. Der neue "Supercoach" ist – im Gegensatz zu Ferrero – eine Tennis-Legende. Er stand 270 Wochen lang an der Spitze der Tennis-Welt. Auf wen sollte Zverev hören, wenn nicht auf ihn?

Denn sollte auch Zverevs Arbeit mit Lendl scheitern und sich dementsprechend keine größeren Erfolge einstellen, ließe sich langsam die Frage stellen, ob Zverev wirklich das Zeug hat, den allerletzten Schritt zu machen.

Becker als Trainer kein Thema

Als möglicher neuer Trainer war auch immer wieder Boris Becker im Gespräch. Über diesen habe er aber "noch kein einziges Mal nachgedacht", sagte Zverev im März.

Als "Head of Men's Tennis" beim Deutschen Tennis Bund ist Becker ohnehin bereits beschäftigt, dazu ist er als TV-Experte im Einsatz. Dass es stattdessen nun einer seiner einstigen Widersacher wurde, ist dennoch bemerkenswert.

Vor seinem Engagement bei Zverev hatte Lendl Andy Murray trainiert. An dessen Seite bewies Lendl bereits seine Qualitäten als Trainer. Er coachte den Briten zu zwei Wimbledon-Siegen, Triumphen bei den US Open und machte ihn zur Nummer eins der Welt. Gleiches soll nun auch mit Zverev gelingen.

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Zverev muss aktiver agieren

Dabei steht Lendl vor mehreren Herausforderungen. Noch lässt sich Zverev nach einem gewonnen Satz häufig in seine Komfortzone zurückdrängen. Der deutsche Tennis-Star steht dann weit hinter der Grundlinie und agiert zu passiv.

Ähnlich ging es seinerzeit auch Andy Murray. Auch der Brite agierte oft zu zögerlich. Unter Lendl griff Murray früher an und nahm das Spiel aktiv in die Hand. Für Zverev muss ein weniger schnörkelloses Spiel ebenfalls das Ziel sein.

Mentale Stärke ist wichtig

Doch nicht nur spielerisch, auch mental hat der Deutsche Verbesserungsbedarf. Emotionale Ausbrüche wird er wohl auch in Zukunft noch haben, die konnte Lendl auch Andy Murray nicht ganz austreiben. Dennoch darf Zverev in den wichtigen Spielen nicht zu negativ werden und sich nicht von seiner Stimmung leiten lassen. Genau an dieser Stelle muss der Tscheche ansetzen.

Bei den am Montag beginnenden US Open wird das neue Gespann bereits zusammen an den Start gehen. Für einen Lendl-Effekt ist es aber wohl noch zu früh.