Angelique Kerber kommt nach dem Wimbledon-Sieg nach Stuttgart. Dort spricht sie auf einer Pressekonferenz über ihren Erfolg, ihre Ziele und Vergleiche mit Graf.

Angelique Kerber will nach ihrem Triumph im Rasen-Mekka von Wimbledon künftig bewusster über mögliche Turnierteilnahmen entscheiden und den Fokus dabei auf die großen Events legen.

"In einem Finale zu stehen, gegen die besten Spieler der Welt auf der großen Bühne, das sind die Momente, für die man aufsteht und trainiert", sagte die 30-Jährige am Dienstag bei ihrer Rückkehr nach Deutschland in Stuttgart.

Dabei nimmt die dreifache Grand-Slam-Siegerin auch in Kauf, nicht mehr an die Spitze der Weltrangliste zurückzukehren. "Daran denke ich nicht so sehr. Ich habe dieses schöne Gefühl schon einmal erlebt und brauche es morgen oder übermorgen nicht unbedingt wieder", sagte Kerber, die am 6. August beim Turnier in Cincinnati wieder zum Schläger greifen will. 

Der Erfolg im Wimbledon-Finale über Serena Williams, durch den sich Kerber "ihren großen Traum erfüllt" hatte und "nun sagen kann, dass meine Karriere komplett ist", soll nach Ansicht der Kielerin auch andere Menschen inspirieren.

"Ich hoffe, dass der Titel in Deutschland einen Hype auslösen wird. Tennis wurde durch Steffi (Graf, d. Red) und Boris (Becker, d. Red) groß, fiel danach aber leider in ein kleines Loch", sagte Kerber: "Ich hoffe, dass Tennis nun wieder etwas mehr im Fokus steht."

Die Pressekonferenz zum Nachlesen:

+++ Kerber über ihre Chancen in Paris +++

"Es ist auf alle Fälle kein unrealistisches Ziel. Ich habe dieses Jahr gezeigt, dass ich mit Freude auch auf Sand spielen kann. Ich war im Viertelfinale und hätte es fast gewonnen (gegen die spätere Siegerin Simona Halep knapp verloren, Anm. d. Red.). Aber ich habe drei Titel bei drei verschiedenen Grand Slams - und vielleicht kommt Paris ja noch dazu."

+++ Kerber über ihre weitere Turnierplanung +++

"Das nächste Turnier ist Montreal. Dann kommt noch Cincinnati, bevor ich bei den US Open in New York aufschlagen werden."

+++ Kerber über ein mögliches Loch +++

"Es ist auf jeden Fall so, dass ich die nächsten Partien nicht alle gewinnen werde. Das habe ich 2017 erlebt. Ich weiß, dass wieder eine Niederlage kommen wird. Auf und Abs gehören zum Tennis dazu. Aber dieser Wimbledon-Titel hat mich komplett gemacht. Ich habe alles erreicht, was ich wollte. Zwar fehlt noch Paris, aber daran denke ich jetzt nicht. Mal schauen, was mit dem Sand und mir noch passiert."

+++ Kerber über die Unterbringung der Trophäe +++

"Die kommt auf alle Falle zu mir. Sie wird im Wohnzimmer einen schönen Platz bekommen, denk ich. Sie wird auf alle Fälle in die Mitte kommen. Das ist die Schale, die ich mir immer erträumt habe."

+++ Kerber über Gratulationen +++

"Ich habe noch nicht alles geschafft, mir anzuhören. Viel wurde mir auch auf Social Media gratuliert. Viele Kolleginnen haben mir gratuliert, auch Ex-Spielerinnen. Auch die beiden gratulierten, die ich wahrscheinlich nennen soll (handelt sich vermutlich um Kerbers gute Freundin Ana Ivanovic und deren Ehemann Bastian Schweinsteiger, Anm. d. Red.)."

+++ Kerber über ihr Outfit beim Champions Dinner +++

"Das rote Kleid habe ich zwei, drei Stunden lang ausgesucht. Das war für mich sehr wichtig, ein elegantes Kleid zu haben. Es sollte zu mir passen. Das Kleid ist bei mir geblieben. Zu meinen Großeltern: Die haben mich schön empfangen am Flughafen. Wir haben nur was Kleines gegessen. Den versprochenen Grillabend gibt es dann heute. Das habe ich mir gewünscht bei dem schönen Wetter. "

+++ Kerber verspricht Rückkehr nach Stuttgart +++

Obwohl Kerber deutlich weniger Turniere in Zukunft spielen will, verspricht sie, auch nächstes Jahr beim Porsche Tennis Grand Prix in Stuttgart aufzuschlagen.

+++ Kerber über Vergleiche mit Graf +++

"Nach jedem Grand Slam wurde ich gefragt: 'Ok, du bist die nächste nach Steffi.' Es ist für mich eine riesengroße Ehre, denn was Steffi erreicht hat, wird in der Geschichte vielleicht niemand mehr erreichen. Was ich erreicht habe, werde ich wohl erst realisieren, nachdem ich meine Karriere beendet habe."

+++ Kerber über ihren Ex-Coach Torben Beltz +++

"Er hat mich von Anfang an verstanden. Er wusste, wie ich ticke. Er hat von Anfang an das Gespür für mich gehabt. Es war eine schöne Zeit damals."

+++ Kerber über das Ziel erneut Nummer 1 zu werden +++

"Natürlich wäre es schön. Ich werde auch viel tun, um gut zu sein, und dieses Ziel zu erreichen. Aber ich denke jetzt nicht mehr so in Ranglistenpunkten. Ich habe dieses Gefühl schon erlebt, es ist schön. Aber es ist nicht so, dass ich dies unbedingt noch einmal erleben muss."

+++ Kerber über einen möglichen Tennis-Hype +++

"Ich hoffe, dass der Titel einen Hype in Deutschland auslösen wird. Tennis ist ein ganz besonderer Sport - auch durch Steffi und Boris. Ich hoffe, dass Tennis durch diesen Sieg wieder etwas mehr in den Fokus rückt."

+++ Kerber über ihre nächsten Ziele +++

"Ich habe auch 2016 nach dem Jahr, wo ich alles erreicht habe, etwas gebraucht, um die Motivation wiederzufinden. Ich habe jetzt gemerkt, es geht nicht um Ranglistenpunkte. Es geht um diesen Moment, auf dem Center Court zu stehen. Ich habe mir vorgenommen, mich in Zukunft auf die großen Turniere, die Grand Slams, zu fokussieren."

+++ Kerber über Veränderungen nach 2017 +++

"Die größte Stellschraube war ich selber. Dass ich selber meine Motivation wieder gefunden habe. Dieser Wimbledon-Sieg war mein Ziel. Ich war wie auf einer Mission in diesen zwei Wochen. Ich habe nicht nach links oder rechts geschaut. Jetzt brauche ich einige Tage, um mich zu erholen."

+++ Kerber über das Besondere des Triumphs +++

"Es ist etwas ganz Besonderes. Ich habe immer davon geträumt, Wimbledon zu gewinnen. Ich bin froh, dass es mein dritter Grand-Slam-Sieg ist und nicht der erste. Ich weiß jetzt, was auf mich zukommt und wie ich damit umgehen muss. Ich kann es jetzt mehr genießen."

+++ Kerber über eine Pause nach Wimbledon +++

"Wir handeln noch. Wir werden erst in den nächsten Tage entscheiden, wie lange ich frei nehme. Es wird auf jeden Fall länger, als ich vor zwei Wochen noch geplant hatte. Ich werde mir auf alle Fälle einige Zeit freinehmen, das brauche ich jetzt auch."

+++ Kerber über die Tage seit dem Sieg +++

"So viel ist noch nicht vergangen. Ich habe so viel erlebt in den letzten Tagen. Der Tanz mit Djokovic war natürlich ganz besonders (lacht). So langsam realisiere ich, dass ich Wimbledon-Siegerin bin. Ich brauche noch etwas Zeit. Aber langsam nehme ich wahr, dass ich mir meinen Traum erfüllen konnte. Die letzten Tage waren sehr lang, viel schlafen konnte ich nicht."

+++ Auszeit bei ihren Großeltern +++

Am Montag flog sie nach Polen zu ihren Großeltern, wo die 30-Jährige ihren Hauptwohnsitz hat.

+++ Kerber mit wilder Feier in London +++

Nach ihrem Sieg im Finale gegen Serena Williams hatte Kerber am Samstag in London ausgiebig gefeiert, am Sonntag stand der traditionelle Besuch des Champions Dinners an.