Tennys Sandgren schied im Viertelfinale der Australian Open gegen den Südkoreaner Hyeon Chung aus
Tennys Sandgren schied im Viertelfinale der Australian Open gegen den Südkoreaner Hyeon Chung aus © Getty Images

Überraschungsmann Tennys Sandgren sympathisiert in den sozialen Medien mit rechtsradikalen US-Politikern und gerät deswegen ins Kreuzfeuer der Kritik.

Auf dem Court sorgte Tennys Sandgren seit Beginn der Australian Open für ausschließlich positive Schlagzeilen.

Der US-Amerikaner erreichte nach Siegen über die Superstars Stanislas Wawrinka und Dominic Thiem sensationell das Viertelfinale des ersten Grand Slam Turniers des Jahres, wo er gegen den ebenfalls überraschenden Südkoreaner Hyoen Chung verlor.

Mit dem sportlichen Erfolg wuchs selbstverständlich auch das mediale Interesse am 26-jährigen US-Amerikaner mit dem kuriosen Vornamen, der mehr mit seinen schwedischen Wurzeln als mit seiner bevorzugten Sportart zu tun hat.

Allerdings musste Sandgren zuletzt nicht nur Fragen nach seinem Namen oder seinem Erfolgsgeheimnis ("Ich versuche so viel zu schlafen, wie es irgendwie geht") beantworten. Auch seine vermeintliche politische Gesinnung ist inzwischen zum Thema geworden.

Mehr als 2000 Tweets gelöscht

Auf Twitter folgt der streng gläubige Christ nämlich zahlreichen umstrittenen politischen Figuren vom rechten Flügel, kommentiert und teilt regelmäßig deren Beiträge.

Oder besser: Er folgte diesen Kanälen. Denn nach zahlreichen kritischen Nachfragen löschte Sandgren mittlerweile all seine Tweets der vergangenen fünf Jahre.

Am Mittwoch wehrte sich Sandgren nach der Niederlage gegen Chung vehement gegen die Vorwürfe und kritisierte die Medienvertreter. 

"Mit einer Handvoll Follower und einigen Likes auf Twitter ist mein Schicksal in Ihren Köpfen besiegelt. Ihr wollt lieber Propaganda-Maschinen, anstatt Informationen aus unterschiedlichen Blickwinkeln und Perspektiven zu erforschen. Ihr entmenschlicht mit Stift und Papier und hetzt Nachbar gegen Nachbar auf. Wenn ihr das macht, merkt ihr bald, wie ihr die Hölle beschleunigt, die ihr nicht wollt und die wir alle vermeiden wollen", las Sandgren ein zuvor verfasstes Statement bei einer Pressekonferenz vor.

"Um einen starken Artikel zu schreiben oder um eine aufmerksamkeitsheischende Berichterstattung zu leisten, würden Sie vor wenigen Sachen zurückschrecken, um mich zu dem Mann zu machen, den Sie krampfhaft in mir sehen wollen. Ich bin der festen Überzeugung, dass die Tugend jedes Einzelnen, unabhängig von Geschlecht, Rasse, Religion oder sexueller Orientierung, den höchsten Stellenwert haben muss. "

Zuvor hatte der Sensations-Viertelfinalist noch betont, dass mit seinen Twitter-Abos keinerlei Sympathien einhergehen würden: "Wem ich auf Twitter folge, spielt überhaupt keine Rolle. Zu denken, ich würde glauben, was diese Person glaubt, ist verrückt und lächerlich."

Sandgren weist Nähe zurück

Sandgren bezeichnete sich selbst als politisch konservativ und betonte, er wolle sich alle Sichtweisen anhören. Das gehöre für ihn zur Meinungsfreiheit dazu.

Auf die Frage, ob er die ultra-konservativen Alt-Right-Bewegung unterstütze, antwortete der 26-Jährige klar: "Das tue ich nicht. Ich finde einige der Inhalte interessant. Als guter Christ unterstütze ich aber solche Dinge nicht. Ich unterstütze Christus und folge ihm."

Dennoch schien ihm die Verbindung zu Personen wie Nicholas Fuentes, einem jungen Nationalisten, der zum Beispiel die Meinung vertritt, Multikulti in den USA sei "wie Krebs", nun wohl zu brenzlig.

Noch am 15. Januar, also zu Beginn der Australian Open, retweete Sandgren einen Beitrag von Fuentes. Dieser wiederum teilte nach Sandgrens Coup gegen Thiem einen Tweet, in dem dem besten US-Profi bei den Australian Open auf sehr spezielle Art und Weise gratuliert wurde: "Tennys Sandgren, der es ins Viertelfinale der Australian Open geschafft hat, ist ein großer Fan von Nicholas Fuentes und America First! Wir haben die besten Athleten, nicht wahr!"

Schwulenfeindlicher Tweet

Auch einige Meinungsäußerung von Sandgren selbst, der nie eine öffentliche Schule besuchte, sondern zusammen mit seinem Bruder von seiner Mutter zu Hause unterrichtet wurde, irritierten.

"Bin gestern Nacht in eine Schwulenbar gestolpert ... meine Augen bluten immer noch", schrieb er einmal auf Twitter.

2016 äußerte sich Sandgren auch zum sogenannten Pizzagate, einer Verschwörungstheorie, die Hillary Clinton während des Präsidentschaftswahlkampfes mit Menschenhandel und Kindesmissbrauch in Verbindung brachte. "Es ist krankhaft und die gesammelten Beweise sind zu viel, um sie zu ignorieren", twitterte Sandgren damals.

Vor dem größten Match seiner Karriere hat der Shootingstar nun all diese streitbaren Inhalte entfernt. Daran, dass auf Sandgrens Melbourne-Märchen dennoch schon jetzt ein Schatten liegt, dürfte das aber nichts mehr ändern.

Williams fordert Entschuldigung

Die langjährige Weltranglistenerste Serena Williams reagierte zunächst indirekt, aber vielsagend. Unmittelbar vor Beginn der TV-Übertragung des Viertelfinales zwischen Sandgren und Chung twitterte Williams: "Switched channel" (Habe umgeschaltet).

Später legte die 36-Jährige ebenfalls via Twitter nach: "Ich brauche keine Entschuldigung, aber es gibt eine Menge Leute, die eine verdienen." 

Sie könne nicht ihre Tochter ansehen und ihr sagen, dass sie sich zurückgelehnt und geschwiegen habe, schrieb Williams weiter: "Nein! Sie wird wissen, wie man für sich selbst und andere aufsteht - durch mein Beispiel."