© SPORT1-Grafik: Eugen Zimmermann/ Getty Images
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Rafael Nadal jagt bei den French Open "La Decima". Im SPORT1-Interview spricht sein Onkel und Trainer über Nadals Kindheit und wie Lügen ihn bei Laune hielten.

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Toni Nadal ist im Stress, sodass er kaum Zeit zum Trinken und Essen hat. Aber dafür zeigt sich der Trainer und Onkel von Tennisstar Rafael Nadal bei einem Medientermin des Kaffeerösters Lavazza im VIP-Zelt bei den French Open in Paris im Exklusivinterview mit SPORT1 in Plauderlaune.

In passablem Deutsch erklärt er seinen Sprachschatz: "Ich habe an der Universität Deutsch gelernt und hatte eine deutsche Freundin. Mit der habe ich zwar kein Deutsch geredet, aber mit ihren Freunden. Außerdem gibt es auf Mallorca viele Deutsche", erklärt Nadal, der auf der Balearen-Insel eine Tennis-Academy betreibt.

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Mit vier Jahren trainierte Rafael erstmals mit Toni. 27 Jahre später wird Schluss sein. Am Ende des Jahres legt er den Job als Trainer seines Neffen nieder. 14 Grand-Slam-Turniersiege, davon neun bei den French Open in Paris haben Toni und Rafael zusammen gefeiert.

Zehnter Titel winkt

Nun könnte der zehnte Erfolg in Paris hinzukommen, souverän pflügte Nadal bisher durch sein Lieblingsturnier. Zehn Erfolge in Paris, es wäre ein Rekord für die Ewigkeit.

Schon jetzt gehört Nadal zu den Legenden seines Sports. Doch bei allem Erfolg war Onkel Toni eins immer wichtig: "Rafael muss normal bleiben."

"Ich habe ihm immer erklärt, dass der beste Tennisspieler der Welt auch ein normaler Mensch ist. So wie der beste Arzt oder der beste Geschäftsmann." Bodenständigkeit ist für Nadal aber "keine Voraussetzung, um die Nummer 1 zu werden. Es gab hochnäsige Weltranglistenerste und bodenständige", sagte Nadal.

Mit Lügen zum Erfolg

Als Rafael noch ein kleiner Junge war, griff Toni zu eigenwilligen Maßnahmen, um ihn bei Laune zu halten: "Ich habe ihm gesagt, dass ich ein Magier bin. Das war ein Spaß, aber er hat es geglaubt."

Auch sonst zog Toni seinen Schützling in seinen Bann. "Ich habe ihm erzählt, dass ich die Tour de France sechs Mal gewonnen habe. Sechs Mal wegen Miguel Indurain, der nur fünf Mal gewann. Ich wollte immer der Beste sein. Außerdem habe ich Rafa erzählt, dass ich Fußballprofi beim AC Milan war. Milan deshalb, weil mein Bruder beim FC Barcelona gespielt hat. Und damals war Milan besser als Barca", erzählte er.

Bis Rafael neun oder zehn Jahre alt war, hat seine Flunkerei geklappt, dann flog es auf: "Rafa hat mich Fußball spielen sehen. Da habe ich schlecht gespielt und Rafael war traurig."

Rituale von Nadal stören Onkel

Heute hat Onkel Toni weniger Einfluss auf seinen Neffen. Vor allem bei den unzähligen Ritualen, die Nadal während des Matches pflegt.

Vor jedem Aufschlag berührt er Ohren, Nase, Schultern und Hose in einer bestimmten Reihenfolge, was bei Toni auf wenig Verständnis stößt: "Ich habe ihm gesagt, dass ich nicht verstehe, warum er das alles macht. Aber ich glaube, er macht das aus Nervosität."

Ob Rafael so lange spielt wie Roger Federer, der mit 36 Jahren noch auf der Tour aktiv ist, weiß der 56-Jährige nicht. Aber er hat eine Tendenz. "Ich glaube, dass Rafael so lange spielt, wie er zur Spitze gehört. Wenn er es irgendwann nicht mehr ist, hört er auf", glaubt Nadal.

Experten hatten prophezeit, dass Nadal seine Karriere früh beenden muss - zum Ärger von Onkel Toni: "Viele Leute haben gesagt, dass Rafael eine kurze Karriere hat. Er läuft viel und braucht viel Kraft. Aber nun macht er das schon seit 17 Jahren, 13 davon in den Top 8. Die Leute reden zu viel."