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München - Benoit Paire ist vor allem für Eklats und markige Sprüche bekannt. Doch nun wirkt es so, als dränge Corona den demotivierten Franzosen in die Tennis-Rente.

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Natürlich ließen sich über Benoit Paire an dieser Stelle wieder einmal mächtig Negativzeilen produzieren, von wegen Tennis-Rüpel und so. (Alles Wichtige zum Tennis)

Schließlich gibt es über das für manchen Beobachter vielleicht größte Enfant terrible im Profi-Tennis ja auch Skandale und Eklats wie Sand am Meer, die man immer wieder recyceln könnte, käme Paire denn nur mit dem nächsten Aufreger ums Eck.

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Dabei poppten bei dem Franzosen in der Vergangenheit durchaus auch schon mal unterhaltsame bis leicht tragische Begebenheiten auf, erinnert sei nur an die vier (!) Doppelfehler in Folge beim ATP Cup im Melbourne Anfang des Jahres - das schlechteste Aufschlagspiel in der ATP-Historie. (Kalender der ATP-Saison 2021)

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Randnotizen, die häufig seltener im Gedächtnis bleiben im Vergleich zu den handfesteren Episoden, als da wären Partien voller Flüche, Beleidigungen und Schiedsrichter-Konfrontationen.

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Gepaart mit zertrümmerten Schlägern, Spuck-Attacken auf dem Platz und entsprechenden Sanktionen hinterher, Arroganz-Anfällen selbst gegenüber Balljungen - unvergessen auch Paires Verbannung aus dem Olympischen Dorf bei den Spielen 2014.

Paire wirkt wie vor dem Karriere-Rücktritt

Doch zurück zu einer anderen, eher sensitiven Seite des 1,96-Meter-Hünen mit dem Hipster-Bart. Denn trotz aller Rüpelei erscheint Paire dieser Tage insgeheim eher bemitleidenswert als verurteilungswürdig für Fehlverhalten. (HINTERGRUND: Paires Skandale: Auch Haas beleidigt)

Paire wirkt nämlich am Ende. Der größte Bad Boy auf der Tour neben dem Australier Nick Kyrgios hat offenbar fertig mit seiner Profession - derartig fertig, als dass es nicht wirklich verwunderte, erklärte der 31-Jährige demnächst seinen Tennis-Abschied.

"Ich verstehe das alles nicht mehr. Ich bin einfach nur müde, will nur noch nach Hause zu meiner Familie", sagt Paire nun überraschend leise, gezeichnet und abgespannt durch all die persönlichen Corona-Episoden. Diese hallen nicht nur körperlich nach wie er unlängst einräumte, sondern haben ihn auch erkennbar berufsmüde gemacht.

Kostet die Pandemie am Ende also Paire den vormaligen Traumjob? Einiges spräche dafür.

Schon zweimal positiv getestet

Im Vorjahr war bei dem Mann aus Avignon zunächst in der US-Open-Bubble eine Covid-19-Infektion nachgewiesen worden, tagelang musste er in Quarantäne bleiben.

Nervenaufreibend danach auch das Turnier am Hamburger Rothenbaum nach zwei positiven und einem negativen Test, wonach Paire zwar starten durfte, dann aber sein Erstrundenspiel wegen Erschöpfung aufgab. "Da schläfst du nicht mehr", jammerte Paire dazu im vergangenen Herbst.

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Und nun? Der Spieler, der sich sonst doch gerade auch über die sozialen Netzwerke als Provokateur gefällt, ist nun offenbar mehr denn je zermürbt und offenkundig bereit zur endgültigen Aufgabe.

Nachdem er kürzlich beim Sandplatzturnier in Monte Carlo - der erste Härtetest für die French Open in gut einem Monat - gegen den Australier Jordan Thompson einmal mehr vor leeren Rängen verlor, entfuhr es Paire: "Ganz ehrlich, dieses Match kümmert mich einen Scheiß. Wenn man auf einem Friedhof wie hier spielt, das ist einfach nicht mehr möglich."

Motivationsprobleme - und Gleichgültigkeit zum Geld 

Er klang wie ein Spieler, der demnächst auch die eigene Karriere zu Grabe tragen mag. "Tennis bringt mir keinen Nutzen, nichts Gutes mehr. Ich habe keinen Funken mehr", fügte Paire an.

Durch finanzielle Anreize lassen sich bei ihm die chronischen Motivationsprobleme wohl sowieso nicht überwinden. Tennis habe keine Priorität, erklärte der Weltranglisten-34. unlängst, "ich komme zum Turnier, verdiene etwas Geld und fahre zum nächsten." (ATP-Weltrangliste)

Nach seinem Aus beim Turnier in Santiago de Chile ätzte der Rechtshänder hinsichtlich der Preisgelder: "Wenn du ein ATP-250 gewinnst, bekommst du nur 30.000 US-Dollar. Nach meinen sofortigen Niederlagen erhalte ich 10.000 Dollar. Soll ich mich wie verrückt zerreißen, nur um etwas mehr zu verdienen?"

Nach seiner Erstrunden-Pleite in Buenos Aires wiederum twitterte Paire: "Am Ende lohnt es sich, schlecht zu sein". Dazu postete er einen Screenshot seines bislang erspielten Preisgelds von mehr als 8,5 Millionen Dollar.

Nächster Tiefschlag in Barcelona

Den nächsten sportlichen Tiefschlag musste Paire am Montag in Barcelona hinnehmen. Er verlor gegen die Nummer 138 der Welt, die erst als Lucky Loser ins Hauptfeld gerückt war.

Für Paire war es die siebte Pleite in Folge.

Dabei benahm er sich mit seinen Spuckattacken mal wieder wie ein Lama. Zumindest dieses Verhalten hat Paire noch nicht abgelegt.