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München - Roger Federer muss nach einer Knie-OP lange pausieren. SPORT1 beantwortet Fragen rund um seine Verletzung, ein mögliches Karriereende und den Grand-Slam-Rekord.

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Roger Federer ist weltweit einer der schillerndsten und erfolgreichsten Sportler. 

Der Schweizer debütierte im Profi-Tennis im Jahr 2000 - seitdem gewann er 20 Grand-Slam-Turniere und insgesamt 103 Einzeltitel. Mit insgesamt 310 Wochen, davon die Rekordzahl von 237 Wochen in Serie, führte Federer die Weltrangliste bislang am längsten an. 

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Dass der "Maestro" auch im hohen Tennis-Alter von 38 Jahren noch konkurrenzfähig ist, stellte er jüngst mit dem Halbfinaleinzug bei den Australian Open eindrucksvoll unter Beweis.

Jetzt muss Federer nach einer Knie-Operation eine mehrmonatige Pause einlegen. Welche Auswirkungen hat die ungewollte Pause auf das Spiel des Superstars?

SPORT1 beantwortet die wichtigsten Fragen rund um seine Verletzung und den weiteren Verlauf seiner Karriere. 

Was ist passiert?

Wie der Superstar am Donnerstag in den Sozialen Medien mitteilte, musste er sich am Mittwoch eine Operation an seinem rechten Knie unterziehen.

In der Schweiz sorgte die Nachricht des Weltstars für Entsetzen. "Tennis-Schock", titelte beispielsweise das Boulevardblatt Blick.

Federer selbst nahm die Situation sachlicher auf. "Mein rechtes Knie hat mich eine kleine Weile gestört", schrieb Federer bei Twitter: "Nach dem Eingriff haben die Ärzte mir bestätigt, dass es die richtige Entscheidung war und sie sehr zuversichtlich sind, dass ich mich voll erhole." Er könne es nicht erwarten, wieder auf dem Platz zu stehen, schrieb er und fügte hoffnungsvoll hinzu: "Wir sehen uns auf Rasen."

Wie lange fällt Federer aus?

Das klingt hoffnungsfroh. Doch wie lange wird Federer ausfallen?

Klar ist: Mehrere Monate. Federer sagte die ATP-Turniere in Dubai (24. bis 29. Februar), Indian Wells (12. bis 22. März) und Miami (25. März bis 5. April) bereits ab. Dazu muss er auf einen Start bei den French Open in Paris (18. Mai bis 7. Juni) verzichten. Auf Sand hätte er neben den French Open vermutlich sowieso maximal bei einem weiteren Turnier aufgeschlagen.

Womöglich kann er bei guter Genesung schon vor dem Beginn der French Open wieder mit dem Training beginnen, aber Federer weiß, dass es für ihn auf dem ungeliebten Sand von Paris sehr schwer ist, den Titel zu gewinnen. Ohne perfekte Vorbereitung ist es unmöglich. Zu dominant ist Rafael Nadal auf seinem Lieblingsbelag. Und selbst wenn der Spanier ausscheiden sollte, wären Dominik Thiem und Novak Djokovic in Paris noch höher einzuschätzen als Federer.

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Nach seiner Operation wird Federer vor Wimbledon (29. Juni bis 12. Juli) kein unnötiges Risiko eingehen. Bei den deutschen Rasenturnieren in Stuttgart oder Halle/Westfalen könnte der Rekordsieger im Juni sein Comeback feiern, zuvor steht eine lange Phase der Erholung und Rehabilitation an. 

Nimmt Federers Verletzungsanfälligkeit zu?

Wie alle anderen Tennis-Profis auch musste Federer in seiner Kariere die ein oder andere Verletzungspause einlegen. Bis jetzt bereitet ihm meist der Rücken Probleme. In jungen Jahren musste er mit Rückenproblemen zwar das eine oder andere Turnier absagen, von langwierigen Verletzungen blieb er aber verschont. 

Ab 2013 häuften sich die Rückenprobleme - und damit auch seine Pausen. 2014 konnte er wegen eines blockierten Rückens nicht zum Finale der ATP-Finals gegen Djokovic antreten. 2016 spielte er unter starken Schmerzen in Wimbledon. Nach dem Halbfinal-Aus gegen Milos Raonic musste er sogar den Rest der Saison sausen lassen. Nach seiner ersten langen Verletzungspause feierte er 2017 mit dem Sieg bei den Australian Open ein triumphales Comeback. 

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Zuletzt hatte er bei den diesjährigen Australian Open mit Adduktorenproblemen zu kämpfen. In seiner Viertelfinalpartie gegen Außenseiter Tennys Sandgren musste er in die Katakomben, kehrte dann aber zurück und zog ins Halbfinalke ein, wo er Djokovic unterlag. 

Droht Federer das nahe Karriereende?

Jein! Nicht wenige spekulierten bereits, dass Federer nach dieser Saison aufhört.

2020 steht mit den Olympischen Spielen in Tokio ein Highlight an, das Federer noch einmal mitnehmen will.

Wie lange Federer noch spielen wird, ist aber unmöglich vorherzusagen. Viel wird davon abhängen, wie er zurückkommt. Ist er beschwerdefrei und hält er sich bei den Grand-Slam-Turnieren für konkurrenzfähig, ist es gut möglich, dass er noch das ein oder andere Jahr dranhängt. Denn freiwillig wird er Djokovic und Nadal das Feld nicht überlassen. Am Rande eines Charity-Events in Südafrika sagte er zuletzt, dass er "keine Pläne für den Ruhestand" habe. 

Wird Federer nie mehr auf Sand bzw. bei den French Open spielen?

Gut möglich. Das Rutschen auf Sandplätzen belastet die Kniegelenke stark. Federer hat bereits 2017 und 2018 aus freien Stücken auf die komplette Sandplatzsaison verzichtet, obwohl keine Verletzung vorlag. Da Federer in Paris immer besonders gefeiert wurde, ist es dem Schweizer aber zuzutrauen, dass er noch einmal dort antritt, um sich gebührend von seinen Fans zu verabschieden.

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Ist es sein letzter Eingriff, um einen letzten Angriff zu wagen?

Federer ist immer noch hungrig - er weiß aber auch, dass er einem Djokovic oder Nadal nicht gegenübertreten braucht, wenn er nicht hundertprozentig ist.

Dank seiner spielerischen Brillanz kann es auch im nicht topfiten Zustand gegen Gegner wie Tennys Sandgren oder John Millman reichen - dies zeigten nicht zuletzt die Australien Open 2020 – zu mehr aber nicht. Gegen Djokovic ging er in Melbourne anfangs viel Risiko und traf fast alles, dennoch reichte es nicht einmal für einen Satzgewinn. Federer wird daher versuchen, sein Knie komplett schmerzfrei zu bekommen. In der Pause kann sich auch sein restlicher Körper erholen, sodass er in Wimbledon ausgeruht antreten kann.

Gerät durch die Absage sein Grand-Slam-Rekord in Gefahr?

Nein - jedenfalls nicht nicht durch seine Absage der diesjährigen French Open. Der Rekord von 20 gewonnen Grand-Slam-Titeln ist so oder so in Gefahr, weil seine Rivalen Nadal (33 Jahre) und Djokovic (32 Jahre) deutlich jünger sind. Nadal kann bereits bei seinem Lieblingsturnier in Paris mit Federer gleichziehen. Will Federer den Rekord verteidigen, muss er in Wimbledon angreifen.

Gewinnt Federer noch einmal ein Grand-Slam-Turnier?

Das ist unmöglich vorherzusagen, eine echte Chance hat er aber nur in Wimbledon. Auf Hartplatz ist mindestens Djokovic zu stark, aber auch einige andere werden ihm alles abverlangen. Auf Sand kann er Nadal und sehr wahrscheinlich auch Thiem nicht bezwingen. In Wimbledon sind die Ballwechsel kürzer, das Spiel ist nicht ganz so physisch. Ein ausgeruhter Federer zählt daher dort zu den Topfavoriten – vorausgesetzt, er vergisst das Trauma vom 2019, als er bei eigenem Aufschlag zwei Matchbälle gegen Djokovic im Finale vergab.