Alexander Zverev (r.) leistet sich beim ATP Cup diverse Ausraster
Alexander Zverev (r.) leistet sich beim ATP Cup diverse Ausraster © Getty Images
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München - Die hochtalentierte "NextGen" fällt erneut mit Wutausbrüchen auf. Zwar hat das Tennis wieder seine gewünschten Typen, doch die Titel räumt immer noch die alte Garde ab.

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Wie lange soll das eigentlich noch so weitergehen?

Diese Frage stellt sich, wenn man einen Blick auf die Vorkommnisse beim aktuell stattfindenden ATP Cup wirft.

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Einmal mehr fällt die angepriesene und groß vermarktete "NextGen" des Herrentennis statt mit Galavorstellungen mit Wutausbrüchen, Beschimpfungen und Trotzreaktionen auf, anstatt sich mit Titeln in die Geschichtsbücher einzutragen.

Die hochtalentierten Alexander Zverev, Stefanos Tsitsipas und Daniil Medvedev, ihres Zeichens die Aushängeschilder jener neuen Generation, liefern sich im australischen Perth zum wiederholten Male ein Wettrennen um die Goldene Himbeere der Tennis-Hollywood-Szene und verpassen erneut die Erfolgswelle.

Zverev, Tsitsipas und Medvedev mit Wutausbrüchen

Um die Ereignisse allein in dieser Woche einmal zusammenzufassen: Zverev war in seinem Match gegen den Australier Alex De Minaur über seine zahlreichen Doppelfehler derart erbost, dass er trotzig wie ein kleines Kind mehrmals seinen Schläger auf dem Boden schlug und obendrein seinen Vater verärgert anging.

Tsitsipas legte eine Schippe drauf: Nachdem er den ersten Satz gegen Nick Kyrgios verloren hatte, donnerte er seinen Schläger mit so viel Wut gegen seinen Stuhl, dass dieser beim Abprallen von der Lehne seinem Vater, der direkt daneben saß, einen Cut am Arm verpasste. Tsitsipas' Mutter stürmte daraufhin von der Tribüne, um ihrem Sohn eine ordentliche Standpauke zu halten.

Medvedev, der Dritte im Bunde, fühlte sich in seinem Match gegen Diego Schwartzmann unfair behandelt und begann deshalb eine längere Diskussion mit dem Schiedsrichter. Der Russe ließ es sich dabei auch nicht nehmen, zweimal mit seinem Schläger auf dessen Stuhl einzuschlagen.

Trio schon bei US Open ausgerastet

Zur Erinnerung: Erst bei den US Open im September war das Trio negativ aufgefallen. Zverev hatte in seinem verlorenen Viertelfinale das F-Wort über den Platz geschrien, Tsitsipas hatte bei seinem Erstrunden-Aus den Schiedsrichter als "Spinner" beschimpft, Medvedev hatte einem Balljungen das Handtuch aus der Hand geschlagen und sich mit dem Mittelfinger an die Stirn getippt.

Zwar kein Mitglied der NextGen, aber dennoch erwähnenswert: Pablo Cuevas wollte sein Match beim ATP Cup nach einer für ihn unberechtigten Verwarnung und anschließender Diskussion mit dem Unparteiischen abbrechen und war bereits auf dem Weg in die Kabine, als ihn sein Gegner Nikolos Basilashvili hinterhereilte, um ihn doch noch von der Spielfortsetzung zu überzeugen.

Typen ohne Titel

Vor einigen Jahren gab es noch ein paar Stimmen, die bemängelten, Roger Federer, Rafael Nadal und Novak Djokovic hätten zu wenig Ecken und Kanten, um echte Typen zu sein. Dies hat sich mittlerweile geändert, sie alle sind durch ihre zahlreichen Erfolge ganz ohne Skandale zu Legenden des Sports geworden.

Bei den Generationen davor um John McEnroe und Jimmy Connors sowie Marat Safin und Lleyton Hewitt war das Typen-Gen fest integriert. Allerdings brachten diese Spieler im Gegensatz zur NextGen auch Leistungen und erspielten sich Rang und Namen.

Der Ruf nach einer Wachablösung der "Big Three" (Federer, Nadal, Djokovic). Jetzt hat das Tennis zwar die gewünschten Typen - aber Titel räumt immer noch die alte Garde ab.

Kein Spieler aus der NextGen konnte bislang einen Grand Slam gewinnen. Stattdessen geht mit jeder weiteren sportlichen Enttäuschung die nächste Wutattacke einher.

Becker: NextGen fehlt Mentalität

Durch ihr hitzköpfiges Benehmen hat sich die NextGen schon jetzt ein denkbar schlechtes Image eingehandelt. Um nicht komplett zu einer verhassten Generation zu werden, muss sich etwas ändern.

Auch Federer und Djokovic waren in jungen Jahren Hitzköpfe. Mit zunehmendem Alter und etwas mehr Gelassenheit kamen schließlich die Erfolge.

Wie auch Tennis-Legende Boris Becker sagt: "Es gibt eine gewisse Mentalität, welche die jüngeren Spieler nicht und welche die großen Drei haben. Es geht nicht um die Vorhände, es geht nicht um die Fitness. Es ist die Denkweise und Einstellung, die den Unterschied zwischen Gewinnen und Verlieren macht."