Die Superstars im Tennis stehen in einem Machtkampf auf verschiedenen Seiten
Die Superstars im Tennis stehen in einem Machtkampf auf verschiedenen Seiten © SPORT1-Grafik: Getty Images/ Imago

München - Das Tennis erlebt eine goldene Ära. Doch ein Machtkampf zwischen ATP und Weltverband bedroht den Sport. Mittendrin die Topstars, die auf verschiedenen Seiten kämpfen.

von Stefan Schnürle

Unfassbare 51 Grand-Slam-Titel haben Roger Federer, Rafael Nadal und Novak Djokovic zusammen gewonnen, bereits jetzt liegen Federer, Nadal und Djokovic auf den Rängen 1, 2 und 3 im Ranking der Spieler mit den meisten Major-Turniersiegen aller Zeiten.

Doch über der goldenen Tennis-Ära hängen große Gewitterwolken. Denn zwischen dem Tennis-Weltverband ITF und der Herren-Profispielervereinigung ATP ist ein Machtkampf entbrannt, indem die großen Stars die Hauptrollen auf verschiedenen Seiten spielen.

So ist jeder der drei lebenden Tennis-Legenden das Gesicht eines anderen Teamevents, welche sich angesichts der immer lauter werdenden Beschwerden vieler Spieler über den zu umfangreichen Turnierkalender einen Kampf ums Überleben liefern werden.

Federer bringt Stein ins Rollen mit Laver Cup

Ins Rollen gebracht hat das Ganze Federer, der 2017 den Laver Cup 2017 mitbegründet hat. Obwohl es nur ein Show-Event war, bei dem europäische Spieler gegen Profis aus dem Rest der Welt antreten, kamen bis auf den verletzten Djokovic alle Stars der Szene - einem Federer sagt man eben nur ungern ab.

Das an den berühmten Ryder Cup im Golf angelehnte Event wurde zu einem großen Erfolg, auch wenn es dafür keine Weltranglistepunkte gab. Kein Tennis-Fan wollte sich entgehen lassen, wie aus den ewigen Rivalen Federer und Nadal plötzlich Verbündete wurden, die sich gegenseitig anfeuerten und sogar zusammen Doppel spielten.

Den Laver Cup zeichnete vor allem eins aus, was dem Davis Cup zuletzt abhandengekommen war: Starpower. Selbst das am Freitag beginnende Davis-Cup-Finale zwischen Frankreich und Kroatien (ab Fr. 14 Uhr LIVESCORES) weckt außerhalb der beiden Nationen wenig Interesse.

Zverev mag neuen Davis Cup nicht

Für die ITF war der erfolgreiche Laver Cup endgültig Anlass, um den traditionsreichen Davis Cup zu revolutionieren. Einige Zeit später stand fest: Im November 2019 wird erstmals ein Finalturnier für 18 Länder ausgetragen. 

Doch sowohl die Art der Revolution als auch der Termin lösten große Proteste aus. Deutschlands Topspieler Alexander Zverev sagte auf die Frage, warum er seine Teilnahme ausschließt: "Weil ich im November kein Tennis mehr spielen will. Ein zehntägiges Turnier Ende November anzusetzen ist verrückt."

Auch Federer ("Ich halte es für höchst unwahrscheinlich") und Djokovic (Ich denke, der Termin des Davis Cups ist richtig schlecht, speziell für die Spieler") kündigten an, nicht am neuen Davis Cup teilnehmen zu werden.

Nur ein Superstar fühlt sich dem Turnier wohl verpflichtet: Nadal. Dies liegt daran, dass das Gesicht der Investmentgruppe Kosmos, die hinter der Reform steckt, Gerard Pique ist. Er und Nadal kennen sich seit vielen Jahren, und laut Pique hat ihm sein Landsmann für 2019 bereits zugesagt.

Selbst Teilnahme von Nadal ist fraglich

Da ein Topstar aber zu wenig ist und Nadals Teilnahme aufgrund seiner häufigen Verletzungen am Jahresende sowieso fraglich ist, sucht die ITF bereits nach einem besseren Termin. Doch die ATP verspürt wenig Lust, einen Platz dafür freizuräumen.

Als Ausweichtermin bliebe nur Mitte September. Als Pique diesen Termin als Alternative nannte, folgte prompt Federers Antwort: "Es ist schon etwas komisch für uns Tennisspieler, einen Fußballer in unserer Welt zu haben. Er muss sehr vorsichtig sein, wie er alles erzählt."

Die ITF müsste also mit Federer und dem Laver Cup auf Konfrontationskurs gehen. Ein Kampf, den man wohl frühestens nach Federers Rücktritt gewinnen kann. Denn Jungstars wie Zverev werden sich kaum gegen ihr großes Idol stellen.

ATP fordert ITF zum Machtkampf heraus

Und es droht noch mehr Ärger, denn auch die ATP fordert die ITF quasi offen zum Machtkampf heraus. Ab Januar 2020 gibt es ein neues Teamevent, welches nur sechs Wochen nach dem Davis Cup stattfinden und in die Fußstapfen des zwischen 1978 bis 2012 ausgetragenen World Team Cups in Düsseldorf treten soll.

Bei dem zehntägigen Turnier in Australien spielen 24 Nationen um den Titel. Neben 15 Millionen Dollar Preisgeld gibt es auch bis zu 750 Weltranglistenpunkte zu ergattern – ein wichtiger Bonus, der dem Davis Cup fehlt.

Auch der Termin ist clever gewählt, da die Spieler dann noch frisch sind und sich für die Australian Open einspielen wollen. Dahinter steckt neben ATP-Chef Chris Kermode der Turnierdirektor der Australian Open, Craig Tiley. Dieser ist auch am Marketing des Laver Cups beteiligt.

Mit dem Hopman Cup wird dafür wohl ausgerechnet ein weiterer im Januar stattfindender Teamwettbewerb der ITF wegfallen. Bei dem bei vielen Spielern beliebten Hopman Cup vertreten ein Mann und eine Frau ihre Nation und spielen sogar zusammen Mixed.

Djokovic als Gesicht des ATP Cups

Als Gesicht des ATP Cups zeigte sich bei der Vorstellung ausgerechnet der Mann, der einen Tag zuvor noch über zu viele Turniere klagte: Djokovic. Der Serbe stellte dabei klar, dass ein Teamevent sich auf jeden Fall ändern muss: "In den nächsten zwei Jahren haben wir beide in einem ähnlichen Format in sechs Wochen. Das schadet dem Sport."

Djokovic spielte damit auf den Zweijahresvertrag des Davis Cups mit Madrid an und fügte als Präsident des Spielerrats hinzu, dass viele Spieler hinter dem neuen ATP Cup stehen. Es ist also klar, welches Event sich seiner Meinung nach anpassen muss, damit nicht beide zum Durchschnitt verkommen.

Aktuell scheint nur eines sicher zu sein: alle drei Events können auf Dauer in der jetzigen Form nicht überleben. Und während Federer und Djokovic als Gesichter für ihre Events stehen, hält sich Nadal zurück. Seine Teilnahme erscheint bei aller Loyalität gegenüber Pique am Unsichersten.

Es sieht daher so aus, als ob der traditionsreiche Davis Cup aktuell die schlechtesten Karten in der Hand hält.

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