Aegon Championships - Day Five
Aegon Championships - Day Five © Getty Images
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Boris Becker wehrt sich gegen das Bankrott-Urteil: Er bestreitet, zahlungsunfähig zu sein, beschwert sich über die Darstellung seines Falls - und die Richterin.

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Boris Becker hat erstmals öffentlich über seinen vermeintlichen Bankrott gesprochen.

"Ich bin weder zahlungsunfähig noch pleite", sagte der dreimalige Wimbledon-Sieger im Interview mit der Süddeutschen Zeitung: "Ich komme allen meinen Verpflichtungen gegenüber meinen Mitarbeitern und sonstigen monatlichen Ausgaben nach."  

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Zuvor war Becker von einem englischen Gericht für bankrott erklärt worden. Die zuständige Stelle hatte es als erwiesen angesehen, dass er einen "substanziellen Betrag" eines Millionen-Darlehens der Londoner Privatbank Arbuthnot Latham, nicht zurückgezahlt habe. 

Probleme in Deutschland

Ein Urteil, an dem sich der 49-Jährige extrem stört: " Einerseits ist mein Fall komplexer, als er dargestellt wurde. Andererseits ist er im Wirtschaftsleben nicht ungewöhnlich. Solche Streitfälle kommen vor." Es gehe um eine einzelne Forderung eines einzelnen Gläubigers.

Bei der Darstellung des Sachverhalts in der Öffentlichkeit bemängelte er "fehlende Verhältnismäßigkeit." 

"Ich hatte schon immer eine kritische Auseinandersetzung mit Deutschland. Ich schätze dieses Land, da komme ich her. Aber: Ich hatte schon immer so ein Gefühl, missverstanden zu werden." Aufgrund des einstiges Hypes um seine Person "müsste ich doch, um die Kritiker zufriedenzustellen, Milliardär werden".   Er würde sich denn auch "als Europäer bezeichnen, mit deutschen Pass. Ich entdecke viele deutsche Qualitäten in mir, sobald ich im Ausland bin. Und wenn ich in Deutschland bin, spüre ich die internationalen Einflüsse".

Antrag vor Gericht unnötig?

Zahlen wollte er nicht benennen er stellte jedoch klar: "Es geht, wie wir meinen, um viel zu hohe Zinsen, die ich für mein Darlehen bezahlen muss." Er bestreite die Höhe der Zinsen und halte diese sogar für rechtswidrig. Es sei bis heute nicht einmal ganz klar, "wie hoch die ausstehende Summe ist und wie sie sich zusammensetzt." 

Das Geldinstitut hätte den Antrag bei Gericht aufgrund von Angeboten seitens Beckers Anwälten zu Gesprächen über einen Aufschub von zuletzt einem Monat und die weitere Abwicklung des Geschäfts nicht stellen brauchen, und die Richterin hätte ihre Entscheidung in Unkenntnis seiner tatsächlichen Vermögensverhältnisse gefällt, klagte Becker.

Becker von Richterin verärgert

Sorgen müsse man sich aber nicht um ihn machen: "Das Problem werde ich lösen. Mein Vermögen reicht aus, um Forderungen dieser Größenordnung zu erfüllen. Die Schuld ist abgesichert durch eine Immobilie, die einen deutlich höheren Wert hat als die Schuld. Ich habe diesen Kampf aufgenommen, und ich werde den letzten Ball spielen."

Entgegen sämtlicher Medienberichte in der jüngeren Vergangenheit führt Becker nach eigenen Angaben ein zufriedenes Leben: "Ich bin mit meiner Ehefrau weiterhin glücklich verheiratet. Mir ist bewusst, dass ich unglaublich viel Glück hatte bisher und hoffentlich weiter habe. Und dass ich laut hinausschreien könnte, wie gut es mir geht. Nur würde mir das im Moment keiner glauben."

Kritisch äußert sich Becker zu der Richterin, die ihn für bankrott erklärt hatte: "Ich empfinde es als unangemessen, dass eine Frau, die mich nicht persönlich kennt, die nicht mit mir gesprochen hat, die nicht weiß, wie ich lebe, so einen Satz gesagt haben soll", sagte Becker. 

Christine Derrett hatte im Rahmen des Prozess gesagt, dass Becker den Eindruck eines Mannes abgebe, der den Kopf in den Sand stecke.