Lance Armstrong vs. Jan Ullrich
Der Zweikampf zwischen Jan Ulrich (l.) und Lance Armstrong elektrisierte über Jahre die Radsport-Fans © Getty Images
Lesedauer: 7 Minuten

München - Auf dem Weg zu seinen sieben Tour-Siegen erweist sich Jan Ullrich als härtester Konkurrent von Lance Armstrong. Trotz vieler Schatten bleibt es ein Duell der Giganten.

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Lance Armstrong gegen Jan Ullrich – über Jahre hinweg elektrisierte dieser Zweikampf die Radsport-Welt.

Von 2000 bis 2005 wurde die Tour de France alljährlich zur großen Bühne für das Duell zwischen dem US-Amerikaner und seinem ewigen Kontrahenten aus Deutschland.

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SPORT1 blickt auf eine Rivalität, die Radsport-Geschichte schrieb.

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Dominator Armstrong, Herausforderer Ullrich

Sie waren die Gesichter einer Radsport-Epoche: Lance Armstrong, am 18. September 1971 im texanischen Plano geboren, und Jan Ullrich, der zwei Jahre jüngere Rostocker.

Auf der einen Seite der Dominator Armstrong, der von 1999 bis 2005 siebenmal in Folge die Tour de France, das prestigeträchtigste Radrennen der Welt, gewinnen konnte – und auf der anderen Seite der ewige Herausforderer Ullrich, Tour-Sieger 1997 und fünfmaliger Zweiter.

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Im Rückblick werden die Erfolge der beiden Radsport-Giganten durch ihre Dopingvergangenheit überschattet. Ullrich behielt zwar seinen Tour-de-France-Sieg, seine Erfolge nach dem 1. Mai 2005 wurden jedoch annulliert. Noch drastischer fiel die Strafe für Dopingsünder Armstrong aus: Er verlor alle gewonnenen Titel ab 1998, inklusive seiner sieben Triumphe bei der Tour.

Trotz des unbestrittenen, langjährigen Betrugs, den Beide zu verantworten haben, bleibt ihre erbitterte Rivalität aber ein Meilenstein der Radsport-Geschichte.

2000: Erstes Aufeinandertreffen bei der Tour

Zum ersten Duell der beiden Radsport-Giganten bei der Tour de France kam es erst im Jahr 2000 – und das, obwohl beide bereits einige Jahre zur Weltspitze gehörten. Ulrich hatte 1996 erstmals an der Frankreichrundfahrt teilgenommen, bevor er sie ein Jahr später gewinnen konnte. Armstrong feierte sein Tour-Debüt bereit 1993, aufgrund seiner Erkrankung an Hodenkrebs verpasste er die Rundfahrt jedoch in den Jahren 1996 bis einschließlich 1999.

Armstrong besiegte den Krebs und kehrte im Frühjahr 1998 in den Radsport zurück, im Jahr darauf feierte er seine Rückkehr bei der Tour de France und schloss diese sensationell als Sieger ab. Während die Medien Armstrong für das „Comeback des Jahrhunderts“ feierten, verhinderte ein Sturz kurz vor dem Tour-Start 1999 eine Teilnahme Ullrichs.

Im Sommer 2000 war es dann soweit: Armstrong und Ullrich trafen erstmals bei der Tour aufeinander. Obwohl er im Jahr zuvor gewonnen hatte, ging der Amerikaner nicht als Favorit in die Rundfahrt. Ullrich und auch dem italienischen Tour-Sieger von 1999 Marco Pantani wurden im Vorfeld bessere Chancen zugeschrieben – doch Armstrong widerlegte alle Experten und verteidigte seinen Titel. Bereits auf der zehnten Etappe entschied er das Duell mit Ullrich für sich, als er dem Deutschen bei der Bergankunft in Hautacam mehr als vier Minuten abnahm.

2001: „The Look and The Bluff“ 

Der 17. Juli 2001 sollte als der Tag in die Geschichte eingehen, an dem Lance Armstrong sein zweites Tour-Duell mit Jan Ullrich gewann und sich vorzeitig seinen dritten Triumph bei der Frankreichrundfahrt sicherte. 

Wieder war es die zehnte Etappe auf der Armstrong den Grundstein für den Gesamtsieg legte. Auf der schweren Bergetappe mit finalem Anstieg zum legendären Ankunftsort L’Alpe d’Huez überzeugte der Amerikaner jedoch nicht nur durch sein beeindruckendes Können auf dem Rad, sondern auch durch eine schauspielerische Meisterleistung, die als „The Look and The Bluff“ in die Geschichte einging.

Lance Armstrong
Lance Armstrong hängt Jan Ullrich 2001 in L'Alpe d'Huez ab © Getty Images

Nach dem Start der Etappe hielt sich Armstrong stets am Ende des Feldes auf und täuschte vor, müde zu sein. Sofort ließ Jan Ullrich seine Teamkameraden arbeiten. Das Tempo wurde erhöht, um den Dominator der Tour de France abzuhängen – doch es gelang nicht. Am abschließenden Anstieg zündete Armstrong den Turbo. Als er an Ullrich vorbeifuhr, blickte sich der Amerikaner um und schaute seinem Rivalen direkt in die Augen – wie um zu verdeutlichen, dass er nicht den Hauch einer Chance habe.

So kam es dann auch. Armstrong fuhr in L’Alpe d’Huez fast zwei Minuten vor Ullrich über die Ziellinie und holte zwei Wochen später seinen dritten Gesamtsieg bei der Tour de France. Der geschlagene Deutsche wurde zum vierten Mal nach 1996, 1998 und 2000 Zweiter der Gesamtwertung.

2003: Ullrich wartet nach Armstrong-Sturz

Trotz ihrer erbitterten Rivalität lieferten sich die beiden Radsport-Giganten nie einen unfairen Kampf. Bei der Tour de France 2003 sorgte Ullrich mit einer besonders fairen Aktion für Schlagzeilen und wurde von der Deutschen Olympischen Gesellschaft dafür sogar mit der Fair-Play-Plakette ausgezeichnet.

Das Gesamtklassement der Tour 2003 war unglaublich umkämpft. Ullrich lag vor der 15. Etappe lediglich 15 Sekunden hinter Armstrong, als sich die Möglichkeit ergab, den Führenden am Schlussanstieg zu distanzieren. Der Amerikaner stürzte, nachdem er zuvor einen Zuschauer am Straßenrand touchiert hatte – doch Ullrich hielt inne und ließ den Rivalen wieder zur Führungsgruppe aufschließen.

Eine faire Geste, die nicht mit dem Sieg belohnt wurde. Armstrong enteilte der Konkurrenz auf dem finalen Abschnitt der Etappe und kam 40 Sekunden vor Ullrich ins Ziel. Am Ende der Rundfahrt wurde der Deutsche mit 1:01 Minuten Rückstand erneut Zweiter.

2004 & 2005: Armstrong bleibt unschlagbar

Fünf Tour-Siege in Folge ließen Armstrong unbesiegbar erscheinen, doch nach dem knappen Resultat von 2003 waren sich die Radsport-Experten einig: Wenn ihn einer schlagen kann, dann Ullrich. Doch der Sturz des Dominators blieb aus.

2004 scheiterte Ullrich an einer Erkältung, die ihn während der ersten Rennwoche weit zurückwarfen. Bereits auf den ersten beiden Bergetappen in den Pyrenäen büßte er fünf Minuten auf Armstrong ein – die Chance auf den Gesamtsieg war dahin, Ullrich beendete die Tour als Vierter.

Die Tour de France 2005 war für Ullrich die letzte Gelegenheit, gegen Armstrong anzutreten, da dieser bereits vor Beginn der Tour seinen Rücktritt vom Radrennsport angekündigt hatte. Doch der ersehnte Traum, den Rivalen zu bezwingen blieb abermals unerfüllt. Bereits auf der ersten Etappe demütigte Armstrong seinen Konkurrenten, als er ihn beim nur 19 Kilometer langen Zeitfahren in Fromentine überholte – und dass, obwohl der Amerikaner eine Minute nach dem Deutschen gestartet war.

Ullrich konnte den Rückstand im Verlauf der Rundfahrt nicht mehr aufholen und belegte Rang drei im Gesamtklassement. Armstrong hingegen gewann auch das letzte Duell gegen den großen Rivalen und feierte seinen siebten Tour-Sieg in Folge.

Armstrong: "Habe eine besondere Beziehung zu Jan"

Einst lieferten sie sich auf dem Rad große Duelle, nun stehen sie in schweren Zeiten zueinander. Im Sommer 2018 sicherte Armstrong seinem einstigen Rivalen Unterstützung in dessen Lebenskrise zu. Ullrich wurde nach Alkoholexzessen, Skandalen und dem Tatvorwurf des versuchten Totschlags in eine Psychiatrie eingewiesen.

"Ich konnte mir die Gelegenheit nicht entgehen lassen, mit ihm ein paar Tage in Deutschland zu verbringen. Er braucht unsere Unterstützung. Schließt ihn in eure Gebete ein", schrieb Armstrong nach einem Besuch seines einstigen Kontrahenten bei Instagram.

Über seine erbitterte Rivalität mit Ullrich schrieb er: "Wie viele von euch wissen, habe ich eine besondere Beziehung zu Jan. Er war ein ganz spezieller Rivale. Er hat mich das Fürchten gelehrt, er hat mich motiviert und mich zu Höchstleistungen animiert - ein großartiger Radfahrer."