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Phil Taylor hat den Darts-Sport geprägt wie kein anderer. Selbst nach seine Karriere ist er der Inbegriff des modernen Darts. SPORT1 zeigt seine Karriere und Erfolge.

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Phil Taylor - Die lebende Legende

Geboren: 13. August 1960 in Stoke-on-Trent (England)
Familienstand: Geschieden, vier Kinder
Spitzname: The Power
Wurfhand: rechts
Einlaufmusik: "The Power" von Snap!

Phil Douglas Taylor - dieser Name steht nicht nur einfach für einen Darts-Spieler, der Name ist ein Synonym für den Darts-Sport selbst. Jeder, der sich ein bisschen für das Pfeilewerfen interessiert, wird eher früher als spät auf den Mann stoßen, der den Darts-Sports aus den Kneipen auf die großen Bühnen dieser Welt gebracht hat.

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Ganze 16 WM-Titel konnte er im Laufe seiner Karriere gewinnen. Dazu trug er sich in allen bedeutenden Major-Turnieren gleich mehrfach als Sieger ein und stellte zahlreiche Rekorde auf - unter anderem hat er die meisten 9-Darter im TV geworfen. Aber diese Erfolge allein sind nicht der einzige Grund für seine Bedeutung in der Darts-Szene.

Er war nicht nur ein überragender Sportler, sondern hatte auch den nötigen Weitblick, um Darts die Faszination zu verleihen, die die Fans heutzutage zu Tausenden in die Hallen treibt. Vor allem die Gründung der Professional Darts Corporation PDC, die er federführend mit 15 anderen Topspielern gründete, ist sein ewiges Vermächtnis.

1988: Eric Bristow erkennt Taylors Talent

Seine Berufung zum Darts wäre aber fast unbemerkt geblieben. Zwar spielte er als Kind schon Darts, jedoch als bloßen Zeitvertreib. Erst ein Umzug sollte zum Glücksfall für die Darts-Welt werden. Seine neue Heimstätte lag in der Nähe von "The Crafty Cockney". Dieser Pub gehörte niemand Geringeres als Eric Bristows.

In den 1980ern war er der uneingeschränkte Herrscher in der British Darts Organisation BDO und kürte sich von 1980 bis 1986 allein fünf Mal zum Weltmeister. Genau dieser Bristow, der in der Szene eigentlich eher als arrogant und unnahbar bekannt war, entdeckte in seinem Pub das Talent Taylors.

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Er bot ihm 10.000 Pfund als Sponsoring an - unter der Bedingung, dass er seinen Job als Metallarbeiter an den Nagel hänge und ihm das Geld von seinen Siegprämien zurückzahle. Der damals 28-jährige Taylor nahm das Angebot an und konzentrierte sich ab diesem Moment ausschließlich auf Darts - mit spärlichem Erfolg bei den ersten Turnieren.

1990: Erste Erfolge und der WM-Titel

Erst bei den Canadian Open 1988 sollte der Knoten platzen. Nach Erfolgen gegen Jake Hagel und Chris Johnson bezwang er im Finale auch Bob Anderson mit 5:1 und feierte so seinen ersten Karrieretitel. "The Power" hatte sich damit erstmals in den Fokus der Öffentlichkeit geworfen.

Aber die endgültige Geburtsstunde seiner einzigartigen Karriere ist die BDO-Weltmeisterschaft 1990. Der Außenseiter Taylor schlug völlig überraschend nacheinander Dennis Hickling, Ronnie Sharp und Cliff Lazarenko. Im Finale traf er dann ausgerechnet auf seinen Mentor Eric Bristow - und vernichtete ihn mit 6:1.

Phil Taylor reckt zum ersten Mal in seiner Karriere den WM-Pokal in die Höhe
Phil Taylor reckt zum ersten Mal in seiner Karriere den WM-Pokal in die Höhe © Getty Images

Taylor setzte sich zum ersten Mal auf den Thron der Darts-Welt und er war gekommen, um zu bleiben. Elf weitere Titel erwarf er sich in diesem Jahr. Der Höhepunkt war der Triumph beim World Masters 1990, mit dem er sich nach dem WM-Titel den zweiten Major-Titel des Jahres sicherte.

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1992: Der zweite WM-Titel und die Abkehr von der BDO

An diese Erfolge konnte er im Folgejahr nicht ganz anknüpfen. Bei der WM scheiterte er bereits im Viertelfinale an Dennis Priestley, der sich in der Folge als sein größter Widersache heraustellen sollte. Doch nur ein Jahr später holte er sich den Titel zurück und war damit endgültig einer der ganz großen Stars der Szene.

Allerdings war Taylor zu dieser Zeit schon unzufrieden mit der Entwicklung der BDO. Viele Sponsoren wendeten sich vom Darts ab und auch die TV-Präsenz wurde immer geringer. Am Ende wurde lediglich die WM noch im TV übertragen. Der Verband schien immer weniger daran interessiert zu sein, den Sport weiter zu etablieren.

Die Folge war die Abkehr von Taylor und anderen Topspielern - darunter alle noch aktiven Weltmeister - von der BDO und die Gründung eines eigenen Verbandes. Damit wurde der World Darts Council (WDC) zum Vorläufer der heutigen PDC und Phil Taylor einer ihrer Gründungsväter.

Die Rivalität mit Dennis Priestley

Die Anfangszeit des neuen Verbandes lebte von der Rivalität zwischen Priestley und Taylor, die dem Dartssport wieder mehr Popularität verlieh. Vor allem die erste PDC-WM 1994 wurde mit Spannung erwartet. Von der Dramaturgie hätte sie auch fast nicht besser geschrieben werden können. Natürlich trafen die beiden Stars im Finale aufeinander. Einziger Makel des Drehbuchs war lediglich das Ergebnis. Mit 1:6 musste sich "The Power" seinem Erzrivalen geschlagen geben.

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Danach gab es aber kein Halten mehr für Taylor. Im Folgejahr holte er sich den ersten PDC-WM-Titel und verteidigte diesen Titel bis 2002 sieben Mal. Vier Mal besiegte er dabei seinen Hauptkonkurrenten im Finale. Dazu wurde er auch noch Serienseiger beim World Matchplay und World Grand Prix, was seine Ausnahmestellung in der PDC endgültig zementierte.

2010: Taylor macht sich mit zwei 9-Dartern unsterblich

Unsterblich machte er sich aber ironischerweise nicht bei diesen Turnieren, sondern in der Premier League of Darts. 2010 gelang ihm im Finale der Premier League das schier Unmögliche. Gegen James Wade warf er gleich zweimal neun perfekte Pfeile und war damit der erste und bis heute einzige PDC-Profi, der zwei 9-Darter in einem Spiel warf - noch dazu in einem TV-Match.

Allerdings war dieser Höhepunkt auch der Anfang vom Ende seiner unumstößlichen Dominanz. Aus der BDO war bereits 2006 der Niederländer Raymond van Barneveld in die PDC gewechselt. Zusammen pushten sich die beiden Superstars nochmal zu Höchstleistungen. Das WM-Finale 2007, das "Barney" 7:6 für sich entscheiden konnte, gilt bis heute als das beste Darts-Match aller Zeiten.

Lewis, Anderson und van Gerwen rütteln an Taylors Thron

Doch auch diese Glanzleistungen konnten nicht darüber hinwegtäuschen, dass das Alter nicht spurlos an Taylor vorbeigezogen ist. Dazu drängten in Adrian Lewis, Gary Anderson und Michael van Gerwen junge Spieler in die Szene, die den Altmeister mit ihrem unbekümmerten Auftreten arg in Bedrängnis brachten.

Zwar erzielte er immer noch beachtliche Ergebnisse, aber die großen Erfolge blieben immer mehr aus. Endgültig sichtbar wurde der Generationenwechsel 2014, als er seinen ersten Platz in der Order of Merit verlor. Aufgrund dieser Entwicklung verkündete er 2016, dass die nächste Saison seine letzte sein werde.

2017: Das Abschiedsjahr und der fast perfekte Rücktritt

Beflügelt von dieser Gewissheit erlebte er nochmal ein wahres Märchen. Sein Lieblingsturnier, das World Matchplay, konnte er zum 16. Mal gewinnen. Auf dem Weg zu diesem Erfolg warf er mit Lewis, van Barneveld und van Gerwen seine ärgsten Rivalen aus dem Turnier. Dazu erreichte er bei jedem Turnier, außer dem World Series Event in Perth, mindestens das Halbfinale.

Der ganz große Abgang wurde ihm allerdings verwehrt. Bei der PDC WM 2018 erreichte er tatsächlich nochmal das Finale. Der Titel zum Abschied war ihm aber nicht mehr vergönnt. Im Finale musste er sich dem Newcomer Rob Cross geschlagen geben.

Ein erneuter WM-Triumph in seinem letzten Karrierespiel war Taylor nicht mehr gegönnt. Gegen Rob Cross (l.) verabschiedete er sich mit einer 2:7-Niederlage von der großen Bühne
Ein erneuter WM-Triumph in seinem letzten Karrierespiel war Taylor nicht mehr gegönnt. Gegen Rob Cross (l.) verabschiedete er sich mit einer 2:7-Niederlage von der großen Bühne © Getty Images

Vielleicht wäre dieser Abgang dann auch zu perfekt gewesen. Der Metallarbeiter aus Stoke-on-Trent verließ die Bühne trotzdem mit einem breiten Lächeln und ging lockeren Schrittes in den Darts-Olymp ein.

Karriereerfolge (Auswahl)

PDC

14x Weltmeister: 1995-2002, 2004-2006, 2009, 2010, 2013
16x World Matchplay-Sieger: 1995, 1997, 2000-2002, 2004-2006, 2008-2014, 2017
11x World Grand Prix-Sieger: 1998-2000, 2002, 2003, 2005, 2006, 2008, 2009, 2011, 2013
6x Grand Slam-Sieger: 2007-2009, 2011, 2013, 2014
6x Premier League-Sieger: 2005-2008, 2010, 2012
5x UK Open-Sieger: 2003, 2005, 2009, 2010, 2013
4x Euroean Darts Championship-Sieger: 2008-2011
4x World Cup of Darts-Sieger: 2012, 2013, 2015, 2016
3x Players Championship Finals-Sieger: 2009, 2011, 2012
1x The Masters-Sieger: 2013
1x Champios League of Darts-Sieger: 2016

BDO

2x Weltmeister: 1990, 1992

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