Huub Stevens hat eine einzigartige Trainerkarriere hinter sich © SPORT1-Grafik: Getty Images/ Imago/ Picture Alliance/ iStock
Lesedauer: 7 Minuten

Auf Schalke eine Legende, in Stuttgart als Retter verehrt, in Hoffenheim muss er vorzeitig aufgeben. SPORT1 zeigt Huub Stevens' einzigartige Karriere.

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Huub Stevens

Geboren: 29. November 1953 in Sittard (Niederlande)
Familienstand: verheiratet, zwei Kinder
Größte Erfolge: Trainer des Jahres 2010 in Österreich, UEFA-Pokal-Sieger 1997 (Trainer von Schalke 04)

Der "Knurrer von Kerkrade" gibt 2016 seinen Rücktritt als Bundesliga-Trainer bekannt, aber insbesondere auf Schalke ist und bleibt Stevens eine Legende: Als Trainer der "Eurofighter", die 1997 den UEFA-Cup gewannen, als tragischer "Meister der Herzen", dem die Schalker Meisterschaft 2001 in letzter Minute vom FC Bayern München entrissen wird.

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SPORT1 blickt auf die Meilensteine in Stevens' Karriere.

Hubertus Jozef Margaretha Stevens ist 26 Jahre alt, als er bei der EM 1980 das Trikot der Niederlande trägt. Als Verteidiger bestreitet er 18 Länderspiele für Oranje.

Huub Stevens bestreitet 18 Spiele für die niederländische Nationalmannschaft © Imago

Stevens ist - passend zu seiner späteren Station - Sohn eines Grubenarbeiters, macht vor seiner Fußballkarriere eine Ausbildung zum Schlosser. Ein geerdeter Typ also, und ein erfolgreicher: Als Aktiver wird er dreimal niederländischer Meister mit Eindhoven, holt 1978 den UEFA-Cup.

Nach der aktiven Zeit wechselt er auf die Trainerbank, 1993 übernimmt er den niederländischen Erstligisten Roda Kerkrade. Er führt ihn mehrmals ins internationale Geschäft, zuletzt 1996, wo er aber in der ersten Runde des UEFA-Cups ausscheidet - gegen Schalke 04.

1997: UEFA-Pokal-Sieger mit Schalke 04 

Wenige Wochen später heuert Stevens ebendort an, als Nachfolger des entlassenen Jörg Berger. Im UEFA-Cup legt er mit S04 einen Triumphzug, der seinesgleichen sucht, hin. Mit Manager Rudi Assauer bildet er ein ideales Gespann.

Mit den "Eurofightern" um Kampfschwein Marc Wilmots feiern die Schalker den größten Erfolg der Vereinsgeschichte. Im Elfmeterschießen bezwingen die Knappen Inter Mailand mit 4:1 und holen den Pokal. Zuvor waren beide Spiele mit einem 1:0-Heimsieg geendet.

1997 feiert Schalke 04 den größten Erfolg der Vereinsgeschichte © Getty Images

Dem größten Triumph folgt einige Zeit später der wohl bitterste Sieg der Klubgeschichte. Beim Fernduell um die Deutsche Meisterschaft 2001 besiegt Schalke Unterhaching trotz zweimaligen Rückstands mit 5:3. Aus Hamburg wird anschließend der Zwischenstand vermeldet: Bayern liegt hinten - damit wäre Schalke Meister. Das Gerücht, das Spiel wäre aus, macht die Runde, die Schalker jubeln auf dem Rasen.

Dann der Schock: Bayern gelingt in der Nachspielzeit der Ausgleich, Patrick Andersson schießt die Münchner zum Titel. Stevens und seinem Team bleibt nur der Titel "Meister der Herzen".

2002: Wechsel zu Hertha BSC

Immerhin gelingt mit dem Pokalsieg, dem ersten seit 1972, ein etwas versöhnliches Ende.

Mit Schalke gewinnt Stevens 2001 den DFB-Pokal ©

Den zweiten Cup-Erfolg feiert Stevens im Folgejahr - es ist Stevens' Abschiedsvorstellung auf der Schalker Bank. Nach sechs erfolgreichen Jahren verlässt er Königsblau und wechselt zur Hertha nach Berlin.

Dort wird der Niederländer jedoch nicht allzu glücklich. Nach dem Erreichen des UEFA-Cups in seiner ersten Saison läuft es nicht rund. Noch während der Hinrunde zieht die Hertha die Reißleine und entlässt Stevens.

2004: Rückkehr zu Schalke 04

Anschließend folgt die Station 1. FC Köln. Mit dem Effzeh gelingt ihm nach dem Abstieg in die 2. Bundesliga als Meister die unmittelbare Rückkehr in die Bundesliga.

Dann kommen Kerkrade und der HSV. In Hamburg gelingt ihm erneut ein Kunststück, als er die Hanseaten von Platz 15 über den UI-Cup in den UEFA-Cup führt. Nach der Saison verabschiedet er sich zur PSV Eindhoven - mit einem 7:0 am 34. Spieltag gegen den KSC.

Anschließend folgen die weiteren Stationen Eindhoven und Red Bull Salzburg, wo er 2010 österreichischer Meister wird. Die alte Wahlheimat hat er stets im Blick, für SPORT1 analysiert er als Kolumnist das Bundesliga-Geschehen.

Im Herbst 2011 wird quasi parallel der Trainerjob bei den Ex-Klubs Schalke und HSV frei. Stevens ist für beide aufgeschlossen, weil ein Deal mit dem HSV scheitert, muss er sich letztlich nicht entscheiden, sondern landet bei Schalke. Nur wenige Tage später kommt es zum direkten Duell der beiden Kontrahenten.

2011 erfolgt die Rückkehr zum FC Schalke 04 © Getty Images

2014: Stevens rettet den VfB Stuttgart

Aber die große Liebe Schalke und Stevens endet tragisch. Etwas mehr als ein Jahr, nachdem er den Posten des wegen eines Burnouts zurückgetretenen Ralf Rangnick übernommen hatte, entlassen die Königsblauen ihren Jahrhunderttrainer - die Mannschaft war auf Platz 7 abgerutscht.

Dennoch kehrt er nur wenig später in die Veltins-Arena zurück - als Trainer von PAOK Saloniki und Gegner in der Qualifikation zur Champions League. Stevens scheitert mit den Griechen an seinem Ex-Klub. Anfang März 2014 wird er in Saloniki entlassen. Manch einer denkt, das sei das Ende seiner Trainer-Karriere.

Doch weit gefehlt: Am 10. März 2014, nur acht Tage nach seiner Entlassung in Saloniki, übernimmt Stevens den VfB Stuttgart. Die Schwaben stehen auf Platz 15 und haben gerade Thomas Schneider beurlaubt. Mit zwölf Punkten aus den letzten zehn Spielen der Saison 2013/14 gelingt dem VfB der Klassenerhalt.

Stevens sieht seine Mission dann beendet und verlängert seinen Vertrag nicht, macht Pause. Im November 2014 ist der Akku wieder aufgeladen und Stevens verkündet bei Moderator Jörg Wontorra im SPORT1 Doppelpass: "Es kribbelt wieder." Und kurioserweise ist er Tage später wieder im Traineramt.

Weil Nachfolger Armin Veh beim VfB glücklos bleibt, wird Stevens schon wieder als Stuttgarter Retter gerufen. Erneut gilt für ihn das Motto "Niemals aufgeben!" Am Ende kitzelt er Höchstleistungen aus den Spielern heraus und treibt sie so zum Ligaverbleib. Den VfB Stuttgart rettet Stevens somit gleich zwei Mal vor dem Abstieg. Dennoch wird sein Vertrag nach dem Saisonende nicht verlängert, der Coach verlässt die Schwaben wieder.

Stevens gelingt mit dem VfB Stuttgart der Ligaverbleib © dpa Picture Alliance

2016: Vorzeitiger Abschied in Hoffenheim

Ab Sommer 2015 bildet Stevens bei seinem Herzensverein Schalke 04 gemeinsam mit Mike Büskens und Ebbe Sand den sogenannten "sportlichen Beirat". Doch das Amt kann er nicht lange ausüben, wieder ruft ein "Retter"-Job.

Stevens' letzte Trainerstation heißt TSG Hoffenheim. Im Oktober 2015 übernimmt der Niederländer die auf Platz 17 stehenden Kraichgauer - auch hier lautet das Ziel: Klassenerhalt.

Dieses Ziel schafft die TSG auch, allerdings nicht unter Stevens: Der Nachfolger von Markus Gisdol verbucht in zehn Partien unter seiner Regie lediglich einen Sieg und nur acht Zähler. Nach einer Niederlage gegen Darmstadt erklärt Stevens seinen Rücktritt, der bereits als Nachfolger feststehende Julian Nagelsmann übernimmt den Job früher.

Stevens' gesundheitliche Situation bewegt ihn zu seinem vorzeitigen Abschied. Der "Knurrer" leidet an Herzrhythmusstörungen, im November 2018 muss er sich laut Bild sogar einer Operation am Herzen unterziehen, die ohne Komplikationen verläuft. Stevens erklärt seine Trainerkarriere nach dem Rücktritt in Hoffenheim für beendet.

Die TSG Hoffenheim ist Stevens' letzte Station als Trainer © Getty Images

2018: Stevens im S04-Aufsichtsrat

Doch so ganz ohne Job kann Stevens einfach nicht. Nach dem Ende seiner Trainerkarriere ist er immer wieder im SPORT1-Doppelpass zu Gast, auch bei Schalke gibt es noch einiges zu tun.

2017 war ein großes Jahr für alle Königsblauen. Da nämlich jährte sich der UEFA-Pokalsieg zum 20. Mal (Sieg nach Elfmeterschießen gegen Inter Mailand). Und natürlich will es sich der "Knurrer von Kerkrade" nicht nehmen lassen, den Pokal nochmal in den Händen zu halten und in Gelsenkirchens Abendhimmel zu recken. Ein emotionaler Moment für alle Schalker.

Huub Stevens hält 20 Jahre nach dem UEFA-Pokalsieg den Kelch © Getty Images

Am 3. Juni 2018 wird er auf der Mitgliederversammlung des FC Schalke 04 in den Aufsichtsrat gewählt.