Schwimmen: DSV setzt auf Team Tokio 2020 statt Bundestrainer, Steffen Deibler wird auf die Dienste von Bundestrainer Henning Lambertz verzichten müssen
Schwimmen: DSV setzt auf Team Tokio 2020 statt Bundestrainer, Steffen Deibler wird auf die Dienste von Bundestrainer Henning Lambertz verzichten müssen © Getty Images
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Nach dem Rücktritt von Bundestrainer Henning Lambertz wird die sportliche Führung im deutschen Schwimmen neu aufgestellt. Britta Steffen sieht dennoch schwarz.

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Der krisengeschüttelte Schwimmverband will mit einem amerikanischen Modell und dem Schlagwort "Team Tokio 2020" positive Stimmung verbreiten, doch Britta Steffen ist mehr als skeptisch. Für die Doppel-Olympiasiegerin von 2008 steckt der deutsche Schwimmsport nach den überraschenden Rücktritten von Bundestrainer Henning Lambertz und DSV-Präsidentin Gabi Dörries tiefer in der Krise als je zuvor.

"Ich sehe gerade schwarz", sagte die 35 Jahre alte Berlinerin: "Die einzige Hoffnung, die ich habe, ist, dass ein überraschender Neustart auch mich überrascht."

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Bundestrainer Lambertz zurückgetreten

Am Donnerstag war Lambertz nach sechs Jahren als Bundestrainer zurückgetreten. Der 48-Jährige gab vor allem familiäre Gründe an, Auslöser sei jedoch der Rückzug von "Freundin und Mentorin" Dörries zwei Wochen zuvor gewesen. Die Elmshornerin hatte beim Verbandstag in Bonn ihr Amt als Präsidentin des Deutschen Schwimm-Verbandes (DSV) niedergelegt, nachdem ihr Antrag zur Erhöhung des Mitgliederbeitrages nicht zur Abstimmung gekommen war.

"Wenn Gabi noch da wäre, hätte ich die Hoffnung, dass wir es langfristig wieder hinbekommen, die Voraussetzungen für einen erfolgreichen DSV zu schaffen", sagte Steffen. Lambertz' Rücktritt sehe sie auch als "Zeichen an, dass er nicht glaubt, dass 2020 mit Erfolgen zu rechnen ist."

"Team Tokio 2020" soll Erfolg bringen 

Das sieht der Verband zumindest nach Außen anders. Mit einem "Team Tokio 2020" will der DSV nicht nur den Rücktritt von Lambertz auffangen, sondern auch den Bereich Leistungssport im Beckenschwimmen neu ausrichten. Dem Team sollen die Bundesstützpunkttrainer und die Heimcoaches der leistungsstärksten Athleten angehören.

Aus diesem Kreis wird ein Cheftrainer bestimmt, der sogenannte "Leading Coach", der die inhaltlich-methodische Steuerung verantwortet und bei internationalen Meisterschaften in Rücksprache mit Kurschilgen die sportfachlichen Prozesse leitet. Die Führung erfolge damit "nach amerikanischen Modell", heißt es in der DSV-Mitteilung. Unterstützt werde das Trainerteam von "Experten aus dem Bereich des Gesundheitsmanagements, der Trainings- und Ernährungswissenschaft".

"Wir sind überzeugt davon, dass wir so eine leistungsstarke DSV-Nationalmannschaft für die Weltmeisterschaften 2019 in Südkorea und die Olympischen Spiele 2020 entwickeln werden", sagte DSV-Leistungssportdirektor Kurschilgen über die Neuausrichtung.

Die bislang letzten Olympia-Medaillen im Beckenschwimmen hatte Britta Steffen vor zehn Jahren in Peking gewonnen. Ihr Doppel-Gold über 50 und 100 m Freistil hatte aber schon damals den Abwärtstrend des deutschen Teams übertüncht. Spätestens nach dem Verbot der Hightech-Anzüge ab 2010 verloren die deutschen Schwimmer immer mehr den Anschluss an die Weltspitze.