Swimming - European Championships Glasgow 2018: Day Four
Florian Wellbrock durfte in Glasgow seine zweite Medaille bejubeln © Getty Images

Florian Wellbrock hat nach seinem EM-Titel über 1500m seine zweite Medaille bei der Schwimm-EM gewonnen. Über 800m schwimmt der 20-Jährige zu Bronze.

von Sportinformationsdienst

Florian Wellbrock schleppte sich mit letzter Kraft aus dem EM-Becken, er winkte seiner Freundin Sarah Köhler auf der Tribüne zu und lächelte zufrieden: Drei Tage nach Gold über 1500 m Freistil war der neue deutsche Schwimmstar auch mit Bronze im 800-m-Finale in deutscher Rekordzeit glücklich. 

"Bestzeit und Bronzemedaille – viel kann man da nicht meckern", sagte der 20 Jahre alte Magdeburger, dem für einen zweiten Triumph bei den European Championships in Glasgow die Kraft gefehlt hatte: "Ich habe gemerkt, dass mir das 1500-m-Rennen richtig in den Knochen steckte."

Bundestrainer Henning Lambertz war dennoch voll des Lobes für seinen neuen Vorschwimmer: "Der Junge ist zurzeit auf Wolke sieben, auf einem anderen Stern."

Sein Rekordzeit in 7:45,60 Minuten war diesmal nicht gut genug, um den ukrainischen Sieger Michailo Romantschuk und den italienischen Olympiasieger Gregorio Paltrinieri abzufangen. "Er hat nicht so zu seinem Rhythmus gefunden", meinte Wellbrocks Heimtrainer Bernd Berkhahn. Auf der Bahn Nummer eins habe sein Schützling "das Feld im Auge behalten" wollen und deswegen "immer zur Mitte des Beckens geatmet. Das war nicht so clever." (SERVICE: Medaillenspiegel)

Deutsche Schwimmer toppen Leistung der Heim-EM

Mit Gold und Bronze hat Wellbrock dennoch die Erwartungen mehr als erfüllt, genau wie das gesamte deutsche Team. Wellbrocks dritter Platz am Mittwoch war bereits die siebte Medaille für den Deutschen Schwimm-Verband (DSV) im Tollcross International Swimming Centre. Die Bilanz der erfolgreichen Heim-EM vor vier Jahren in Berlin (6 Medaillen) ist vor dem Schlusstag am Donnerstag bereits übertroffen. 

Auf der Tribüne fieberte Freundin Köhler mit Wellbrock aufgeregt mit. Die 24-Jährige hatte am Tag zuvor mit Silber über 1500 m und Bronze mit der 4x200-m-Kraulstaffel im internen Medaillen-"Duell" vorgelegt. "Mein Ego hat mich gepusht", gab Köhler zu. Jetzt legte Wellbrock wieder nach.

Das schnellste Schwimmpaar der EM beherrscht die Schlagzeilen im deutschen Team, doch das macht den anderen Athleten offenbar nichts aus. "Das ist doch cool", sagte Annika Bruhn, die als Schlussschwimmerin in der Bronze-Staffel deutlich schneller als Köhler gewesen war: "Die Stimmung ist super im Team."

Wellbrock genießt die Aufmerksamkeit. "Es ist immer schön, wenn man von sich einen Artikel auf Facebook findet oder im Fernsehen etwas sieht", sagte er. Die Rolle als neuer Vorschwimmer nimmt er ohne Angst an: "Wenn man in dieser Postion ist, dann sollte man auch das Selbstbewusstsein haben, um damit umgehen zu können."

Wellbrock und Köhler starten in Freiwasser-Staffel

Wellbrock kann seine persönliche Bilanz auch noch weiter aufpolieren. Er springt am Samstag 30 Kilometer entfernt von Glasgow in den 17 Grad kalten Loch Lomond. Unter anderem mit Freundin Köhler startet er in der Freiwasser-Staffel über 4x1,25 km mit sehr guten Medaillenchancen. 

Um in der Staffel schwimmen zu dürfen, müssen Wellbrock und Köhler laut einer höchst umstrittenen Regel des Weltverbandes FINA auch in einem Einzelrennen antreten. Das werden sie am Sonntag über 25 Kilometer - aber nur, um nach einem Sprung ins Wasser wieder herauszuklettern. Eine Farce. (SERVICE: Zeitplan)

Experten sagen Wellbrock im offenen Gewässer sogar noch bessere Olympia-Chancen voraus als im Becken. "Er ist eine Klasse für sich und definitiv ein Medaillenanwärter für Tokio 2020", sagte Bundestrainer Stefan Lurz.