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Für Autofahrer ist er das wohl größte Ärgernis: der Stau. Wie man sich am besten vorbereitet, um ihn zu vermeiden und wie man sich verhält, wenn man doch drin steht: SPORT1 sagt es.

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Die Blechlawine ist am Horizont zu erkennen. Zuerst ist noch die Hoffnung, dass einfach nur viel los ist, dass es trotzdem voran geht. Sieht man jedoch die Warnblinklichter, wird sofort klar: Stau.

Heißt: Warten. Ausharren. Langweilen. Nervtötend. Staus liegen auf der Albtraum-Rangliste der Autofahrer ohne Frage sehr weit oben.

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Zahlen 2018: Mehr Staus als im Vorjahr

Und es werden mehr. Wie der ADAC ermittelte, bildeten sich 2018 rund 745 000 Staus, was ein Plus von drei Prozent gegenüber dem Vorjahr bedeutet. Auch bei den Staukilometern gab es einen Zuwachs: Die Gesamtlänge betrug 1 528 000 Kilometer – ein Plus von fünf Prozent. Umgerechnet sind das 4200 Kilometer Stau – pro Tag. Wie viel Lebenszeit in den Staus verschwendet wird, teilt der ADAC auch mit. 2018 waren es rund 459 000 Stunden, also etwa 52 Jahre!

Die schlechte Nachricht: An den Zahlen wird sich 2019 wohl nicht sehr viel ändern. Die gute Nachricht: Man kann sich darauf vorbereiten um die Gefahr, in einen Stau zu geraten, etwas zu minimieren. Ist es dann doch passiert, gilt es, einige Verhaltensregeln zu beachten.

SPORT1 gibt einen Überblick:

Die ideale Vorbereitung auf einen Stau

Als Pendler kennt man seine Pappenheimer. Heißt: Sie werden am besten wissen, wann in der Rushhour nichts mehr geht. Wirklich flexibel sind Sie bei festen Arbeitszeiten aber meistens nicht. Da hilft oft nur der Umstieg auf den Nahverkehr.

Bei Urlaubsreisen oder längeren Fahrten hingegen ist die Vorbereitung das A und O. Ist man bei den Autofahrten einigermaßen flexibel, sollte man das unbedingt nutzen.

Heißt: Die schlimmsten Stoßzeiten umfahren, Baustellen mit einrechnen und die richtigen Tage wählen. Wenn möglich den Start unter die Woche legen, der Dienstag und Mittwoch gelten als geeignete Tage, während es zum Start ins Wochenende ab Freitagnachmittag voll auf den Straßen werden kann. Grundsätzlich gilt als Faustregel, die man beachten sollte: Nicht dann fahren, wenn alle fahren.

Generell bietet eine Nachtfahrt die Vorteile des geringeren Verkehrs und im Sommer den der geringeren Hitze. Man muss sich aber darüber im Klaren sein, dass man bei einer Nachtfahrt Herausforderungen wie eine eingeschränkte Sicht, Blendungen und Ermüdungserscheinungen zu bewältigen hat.

Zu einer idealen Vorbereitung gehören auch:

  • Typische Staustrecken wenn möglich umfahren. Der ADAC bietet hier https://www.adac.de/der-adac/verein/aktuelles/staubilanz/ einen Überblick über 2018.
  • Viele Staus bilden sich in Baustellen. Heißt: Mit einer anderen Route kann diese umgehen. Beim ADAC bekommt man einen Überblick über die Baustellen im Land. https://www.adac.de/reise_freizeit/verkehr/baustellen/
  • Außerdem gibt es vom ADAC das Tool ADAC Maps (https://www.adac.de/adac_vor_ort/wuerttemberg/verkehr/ADAC%20Maps.aspx). Damit erhält man nicht nur aktuelle Verkehrsinfos, sondern auch eine Prognose zur erwarteten Verkehrslage.
  • Weiteres Hilfsmittel: der ADAC-Staukalender 2019 https://www.adac.de/_mmm/pdf/Staukalender2019_326778.pdf
  • Die aktuelle Verkehrslage im Blick haben (Radio, Internet z.B. unter www.verkehrsinformation.de)
  • Genügend Verpflegung mitnehmen
  • Vor der Abfahrt das Auto volltanken
  • Im Winter warme Kleidung, Decken
  • Im Sommer Sonnenschutzblenden und eine funktionierende Klimaanlage
  • Hygieneartikel wie Toilettenpapier und Feuchttücher. Schließlich bleibt bei langen Wartezeiten theoretisch nur der Weg ins Gebüsch, wobei das Halten auf dem Standstreifen untersagt ist. Eine mögliche Alternative: Sogenannte Notfall- oder Taschen-WCs. 

Selbst die beste Vorbereitung kann nicht vermeiden, dass man dann doch in einen Stau gerät. Vor allem, wenn man in Nordrhein-Westfalen, Bayern und Baden-Württemberg unterwegs ist.

Welche Verhaltensregeln man beachten sollte

Denn laut ADAC entfielen auf Nordrhein-Westfalen (35 Prozent), Bayern (17 Prozent) und Baden-Württemberg (11 Prozent) knapp zwei Drittel aller Staus. So oder so: Ist es dann doch passiert, sollte man einige Verhaltensregeln beachten.

  • Ganz wichtig: Ist ein Stau in Sicht, die Geschwindigkeit langsam drosseln, sanft abbremsen. Die anderen Autofahrer können durch den Warnblinker gewarnt werden. Außerdem sollte ein Sicherheitsabstand gewahrt werden, ein bis zwei Wagenlängen gelten als Faustregel. Die Gefahr von Auffahrunfällen kann so verringert werden. Deshalb gilt auch: Haben Sie den Verkehr hinter sich ebenfalls im Blick.
  • Die Spur halten: Manchmal ist es verführerisch, die Fahrbahn zu wechseln, weil es auf der anderen vermeintlich schneller geht. Ist in der Regel aber nicht so.
  • Stop-and-Go vermeiden: Sie sollten harmonisch mitfließen, also dauerndes Anfahren und Abbremsen vermeiden. Das hat auch einen psychologischen Vorteil, da Sie dadurch in Bewegung bleiben und den Stau dann nicht als so gravierend wahrnehmen.
  • Schnell flüchten: Es ist ebenfalls verlockend, die nächstbeste Abfahrt zu nehmen, um den Stau zu umfahren. Die Navigationsgeräte bieten einem diese Alternativrouten oft frühzeitig an. Aber: Laut ADAC löst es das Problem in der Regel nicht, weil die Ausweichstraßen meist schnell verstopft sind. 
  • Der Standstreifen ist die nächste attraktive „Alternative“. Es ist aber natürlich verboten, ihn zu nutzen. Nutzen Sie ihn doch, selbst wenn Sie nur schneller zu einem nahe gelegenen Rastplatz möchten, drohen ein Bußgeld in Höhe von 75 Euro und ein Punkt. Ebenfalls verboten: Das Halten oder Parken auf dem Standstreifen. Verstöße kosten 30 beziehungsweise 70 Euro, beim Parken gibt es noch einen Punkt.
  • Rechts überholen: Normalerweise ist das verboten, im Stau darf man das auch nur, wenn der Verkehr auf dem linken Fahrstreifen steht oder mit höchstens 60 km/h fährt. Erlaubt sind dann nur 20 km/h bei stehendem Verkehr oder 20 km/h mehr, wenn der Verkehr auf dem linken Fahrstreifen in Bewegung ist. Halten Sie sich nicht daran, riskieren Sie eine Geldbuße von 100 Euro sowie einen Punkt.
  • Eigentlich ist es selbstverständlich, muss aber auch erwähnt werden: Rückwärtsfahren und wenden ist strikt untersagt. Es drohen eine Geldbuße von bis zu 200 Euro, zwei Punkte und ein Monat Fahrverbot.
  • „Fluchtweg“: Motorradfahrer haben keine Klimaanlage, für sie ist ein Stau im Sommer besonders belastend. Aber auch wenn sie sich theoretisch durch den Verkehr schlängeln könnten, dürfen sie es nicht, wenn der Sicherheitsabstand nicht eingehalten werden kann. Macht man es doch, kann das 100 Euro kosten plus einen Punkt in Flensburg.
  • Telefonieren: Auch wenn Sie im Stau stehen, ist das Handy in der Hand tabu, es sei denn, der Motor ist aus. Auch hier wird es teuer: 100 Euro bis 200 Euro, zwei Punkte und ein Fahrverbot. Was erlaubt ist: Telefonieren mit einer Freisprechanlage.

Dauerthema Rettungsgasse: So bildet man sie

Sie ist seit Jahren ein Dauerthema: die Rettungsgasse. Sie ist bereits dann zu bilden, wenn der Verkehr stockt und nicht erst dann, wenn sich Rettungsfahrzeuge nähern. Denn: Aufgrund des Platzmangels ist es später schwierig, eine Rettungsgasse zu bilden.

Gebildet wird sie, indem die Autos, die auf dem linken Fahrstreifen unterwegs sind, nach links ausweichen. Die Autos auf den übrigen Fahrstreifen weichen nach rechts aus. Das gilt unabhängig davon, wie viele Fahrstreifen vorhanden sind.

Was man gerne vergisst: Eine Rettungsgasse ist gesetzlich vorgeschrieben. Denn Paragraf 11 Abs. 2 StVO sagt: „Sobald Fahrzeuge auf Autobahnen sowie auf Außerortsstraßen mit mindestens zwei Fahrstreifen für eine Richtung mit Schrittgeschwindigkeit fahren oder sich die Fahrzeuge im Stillstand befinden, müssen diese Fahrzeuge für die Durchfahrt von Polizei- und Hilfsfahrzeugen zwischen dem äußersten linken und dem unmittelbar rechts daneben liegenden Fahrstreifen für eine Richtung eine freie Gasse bilden.“

Den Standstreifen muss man dabei grundsätzlich freihalten. Eine Ausnahme kann zum Beispiel eine Baustelle mit Fahrbahnverengung sein, wo die Bildung einer Rettungsgasse sowieso schwieriger ist.

Wird keine Gasse gebildet und kommt es zu Behinderungen, Gefährdungen oder Sachbeschädigungen, drohen Bußgelder von 200 bis 320 Euro, zwei Punkte und ein Monat Fahrverbot.

Was gilt im Ausland? In der Schweiz, Österreich, Slowenien, Ungarn und Tschechien gibt es ähnliche Regelungen wie in Deutschland. In Urlaubsländern wie Spanien, Frankreich, Italien oder der Niederlande gibt es keine speziellen Vorschriften. Einsatzfahrzeuge sollte man es aber natürlich ermöglichen, vorbeizufahren.

Frustfaktor Stau: Es geht auch entspannt

Zu einer guten Vorbereitung gehören nicht nur Dinge, die eine praktische Hilfe sind wie warme Kleidung im Winter oder ein voller Tank. Sondern auch die, die den Stau und die Wartezeit erträglicher machen. Denn auch ein aggressiver Trommelwirbel auf dem Lenkrad oder lautes Fluchen sorgen nicht dafür, dass sich der Stau schneller auflöst. Es gibt wirkungsvolle Alternativen.

 Gute Stimmung: Vor allem wenn Kinder an Bord sind ist es wichtig, die Laune hochzuhalten. Möglichkeiten gibt einige, wie Hörbücher, Musik oder auch Spiele wie „Ich sehe was, was du nicht siehst“ oder „Kennzeichen raten“. Der Fantasie der Eltern sind keine Grenzen gesetzt.

  • Entspannende Musik und Hörbücher können auch den Erwachsenen gegen den Stress, den ein Stau verursachen kann, helfen.
  • Unterhalten: Sie können die Zeit nutzen, um mal wieder ein längeres Gespräch zu führen. Vielleicht haben Sie die Mutter schon länger nicht mehr gesprochen oder einen Freund. Freisprechanlage an und losquatschen.
  • Der Rat von Verkehrspsychologen: Das gezielte An- und Entspannen von Muskeln oder das Kauen von Kaugummi.
  • Toleranz: Nicht über andere aufregen, souverän auf die Fehler der anderen Autofahrer reagieren.
  • Spontan sein: Ist in der Nähe ein sehenswertes Ausflugsziel oder vielleicht ein Einkaufscenter? Dort kann man eine längere Pause einlegen, anstatt im Stau zu warten, dass es weitergeht.