Das sogenannte Alpine-Symbol kennzeichnet seit 2018 Winterreifen
Das sogenannte Alpine-Symbol kennzeichnet seit 2018 Winterreifen © Marc Tirl
Lesedauer: 5 Minuten

Autofahrer stehen oft vor einer Grundsatzfrage: Setzt man auf einen Ganzjahresreifen oder wechselt man zweimal im Jahr die Pneus? SPORT1 liefert Antworten.

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Es ist ein alljährliches Duell: Sommer- und Winterreifen gegen den Ganzjahresreifen.

Verbunden mit der Frage, die viele Autofahrer umtreibt: Soll ich mich an die allseits bekannte Faustregel "O bis O – von Oktober bis Ostern" halten und Sommer- und Winterreifen regelmäßig wechseln? Oder setze ich auf einen Ganzjahresreifen, mit dem ich – wie der Name schon sagt – ohne lästigen Wechsel über das ganze Jahr komme?

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Gesetzliche Pflicht zur richtigen Winterbereifung

Ganz grundsätzlich gibt es keinen festgelegten Zeitpunkt oder Stichtag, wann Winterreifen aufgezogen werden sollten, auch wenn in Deutschland die Pflicht dazu besteht. Autos müssen also entsprechend ausgerüstet sein, wenn „Glatteis, Schneeglätte, Schneematsch, Eis- oder Reifglätte" vorherrschen.

Bedeutet im Ernstfall: Wer bei winterlichen Bedingungen mit Sommerreifen unterwegs ist und einen Unfall baut, dem winken nicht nur eine Geldstrafe von bis zu 120 Euro und ein Punkt in Flensburg, sondern auch die Möglichkeit, dass die Kfz-Versicherung wegen grober Fahrlässigkeit nicht zahlt.

Aufgepasst bei Fahrten in den Urlaub

Apropos Bußgeld: Bei Fahrten in den Urlaub kann es heikel werden. Wie der ADAC mitteilt, darf in den Sommermonaten (16. Mai bis 14. Oktober) in Italien mit Winter- oder Ganzjahresreifen nur dann gefahren werden, wenn diese einen Geschwindigkeitsindex aufweisen.

In Österreich müssen Ganzjahresreifen im Winter zum Beispiel eine Mindestprofiltiefe von vier Millimetern aufweisen, in Deutschland sind es nur 1,6 Millimeter.

Wann darf ein Ganzjahresreifen im Winter genutzt werden?

In Deutschland gilt seit 2018: Winterreifen erfüllen die Voraussetzungen, wenn sie das sogenannte Alpine-Symbol aufweisen: Ein dreigezacktes Bergpiktogram mit einer Schneeflocke in der Mitte. Das zuvor ausreichende M+S-Zeichen (Matsch und Schnee) erfüllt die Voraussetzungen nur noch im Rahmen einer Übergangsregelung bis 2024. Das alles gilt auch für die Ganzjahresreifen. Haben sie das Symbol, sind sie gesetzlich für die Winterzeit zugelassen.

Ein paar Vorteile des Ganzjahresreifens liegen auf der Hand: Der Autobesitzer spart neben der Zeit, die für den Wechsel aufgebracht wird, auch Geld für den Besuch in der Werkstatt oder die Einlagerung der Pneus.

Allwetterreifen sind „nur“ ein Kompromiss

Aber man muss wissen: Allwetterreifen sind keine perfekte Lösung. Denn bereits die Pneus für den Sommer und den Winter unterscheiden sich sehr deutlich hinsichtlich Gummimischung und Profilstruktur. Heißt: Die Ganzjahresreifen sind stets nur ein Kompromiss aus beiden Reifen.

Man kommt also damit durch die jeweiligen Jahreszeiten, da sie den wettertechnischen Herausforderungen größtenteils gewachsen sind. Man genießt aber eben nicht die kompletten Vorzüge, die ein Sommerreifen oder ein extra für den Winter vorgesehener Pneu aufweist. Vor allem nicht bei extremeren Bedingungen.

So sind zum Beispiel die Lamellen im Profil, die im Winter mehr Haftung bieten, bei Allwetterreifen nicht über die ganze Lauffläche verteilt. Grip und Effizienz lassen nach, Ganzjahresreifen erreichen nicht die Haftung oder den Bremsweg, den Winterreifen schaffen.

In puncto Sicherheit erreicht der Allwetterreifen also nicht das ganz hohe Maß, das ein für den Winter hergestellter Reifen bietet. Ganzjahresreifen besitzen zudem eine eher weiche Gummimischung. Deshalb können auch im Sommer im Vergleich zu den härteren Sommerreifen ein längerer Bremsweg, Probleme beim Aquaplaning, ein höherer Verschleiß und Verbrauch entstehen.

Die Ganzjahresreifen im Test

Wie schneiden Ganzjahresreifen bei den Experten ab? Der ADAC testete zuletzt neun Reifen. Das Ergebnis: eher ernüchternd (https://www.adac.de/rund-ums-fahrzeug/tests/ganzjahresreifen-test/). Nur vier von den neun Pneus bekamen als Bestnote ein "befriedigend".

Ein Fazit: "Für Autofahrer, die in einer gemäßigten Klima­region leben und keinen Skiurlaub oder Sommerferien im Süden planen, sind zum Beispiel die vier 'befriedigenden' Ganzjahresreifen in diesem Test eine Alternative." Für die Experten der Autobild konnte sich die Alternative zu den Sommer- und Winterreifen hingegen durchaus sehen lassen, „im Vergleich zu reinen Winterreifen schlagen sich die Ganzjahresreifen gar nicht schlecht“, heißt es da: https://www.autobild.de/artikel/ganzjahresreifen-test-2018-195-65-r-15-14106041.html.

Man kann generell beobachten, dass die Qualität der Allrounder von Jahr zu Jahr zunimmt. Und: Inzwischen gibt es sie nicht nur in diversen Größen bis 18 Zoll und auch für SUV, sondern auch mit Geschwindigkeitsfreigaben von bis zu 240 km/h.

Fazit: Wer sollte verzichten, wer sollte zuschlagen?

Wie sollte ich mich also entscheiden? Es gibt Autofahrer, für die sind die Ganzjahresreifen schlicht ungeeignet. Vielfahrer mit einer hohen Jahreskilometerleistung zum Beispiel, oder aber Fahrer, die in einer Gegend mit viel Eis, Schnee und Glätte leben, die also dauerhaft mit extremen Wetterbedingungen konfrontiert sind. Sie sollten aus Sicherheitsgründen immer den Wechsel von Sommer- auf Winterreifen bevorzugen.

Die Ganzjahresreifen sind vor allem für Autobesitzer eine echte Alternative, die in Städten leben, kurze Wege zurücklegen oder bei extremen Bedingungen das Auto auch einmal stehen lassen können.