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München - Die Zusammenarbeit mit der Anti-Doping-Agentur CADF hat positive Folgen für das Image des Radsports. Doch von der Agentur wird man sich wieder trennen.

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Die Tour de France 2020 ist aufgrund der schwierigen Corona-Zeiten in jeglicher Hinsicht außergewöhnlich. (Tour de France: Alle Etappen im SPORT1-LIVETICKER)

Doch nicht nur die Hygiene-Bestimmungen machen die diesjährige Tour zu etwas Besonderem - es ist auch das letzte Mal, dass es unter Oberaufsicht der Cycling Anti-Doping Foundation (CADF) stattfindet. (Gesamtwertung der Tour de France 2020)

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Diese Rolle übernimmt bei der Tour, aber auch allen anderen wichtigen Radsport-Rennen, in Zukunft eine Organisation namens International Testing Agency (ITA).

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Das Problem dabei: Trotz aller Beteuerungen, unabhängig zu sein, hat die ITA eine enge Verbindung zum organisierten Sport. So wurde sie 2018 auf Betreiben der olympischen Bewegung gegründet und ist für mehr als 40 Verbände tätig, weshalb so mancher einen Interessenkonflikt befürchtet.

Mit dem Wechsel wollte die UCI im Anti-Doping-Kampf laut eigener Aussage vor allem "wichtige Synergien in Bereichen wie Forschung, Innovation und Investigation" schaffen. Andere vermuten jedoch, dass die CADF dem Chef des Radsport-Weltverbands UCI, David Lappartient, zu eigenständig war.

CADF verbessert Blutpass - Spannungen mit UCI

Die Cycling Anti-Doping Foundation (CADF) mit Hauptsitz in der Schweiz war 2008 unter der Schirmherrschaft der Welt-Anti-Doping-Agentur WADA gegründet worden. Die gemeinnützige Stiftung arbeitet zudem seit 2013 komplett unabhängig von der UCI.

Bei allen Schwächen hatte sich die CADF um die Image-Verbesserung des Radsports verdient gemacht, unter anderem durch die Einführung eines Blutpasses, mit dem sich auffällige Werte schneller feststellen lassen. Auch die Aufenthalte der Radsportler wurden strenger kontrolliert und es fanden investigative Ermittlungen abseits der üblichen Kontrollen statt.

Im Laufe der Zeit soll es allerdings zu Spannungen zwischen UCI und CADF gekommen sein, was Anfang des Jahres zur Ankündigung über das Ende der Partnerschaft führte.

Lappartient hatte bereits in den vergangenen Jahren laut überlegt, ob die Radsport-Welt von einer Anti-Doping-Agentur, die für verschiedene Sportarten tätig ist, nicht besser vertreten sei. In der Zeitung LeMonde verwies er als Beispiel auf den Doping-Skandal Operation Aderlass, als Rad- und Wintersportler betroffen waren.

CADF-Boss schießt gegen UCI-Chef

CADF-Boss Rune Andersen sagte der gleichen Zeitung 2019 dazu, er sei von der UCI gedrängt worden, Details zur Aderlass-Affäre weiterzugeben. Und weiter: "Er forderte mehr Macht, um unsere Aktivitäten zu kontrollieren. Wiederholt hat er für dies und das mehr Macht gefordert."

Doch Andersen gab nicht nach, was Lappartient laut dem Norweger unzufrieden machte: "Seit damals wurde die leise Musik von der ITA als verschleierte Bedrohung immer lauter und lauter."

Lappartient bestritt die Vorwürfe und erklärte, dass er nur interessiert an den Arbeit der CADF gewesen sei, aber nie gegen irgendetwas interveniert habe.

Teams wenig begeistert vom Wechsel

Und so steht am Ende Aussage gegen Aussage. Einige Radsport-Teams verfolgen den Wechsel allerdings mit großer Skepsis.

So haderte Richard Plugge, Chef des Jumbo-Teams um Tour-Favorit Primoz Roglic: "Es wird eine große Herausforderung sein, beim Übergang die gleiche Qualität beizubehalten."

Wie unabhängig und effektiv die neue ITA arbeiten wird, muss die Zukunft zeigen. Für weniger Bedenken und Zweifel rund um den Radsport hat die UCI mit dem Wechsel jedoch nicht gesorgt.