Lesedauer: 4 Minuten

Auf der 14. Etappe hoch auf den legendären Tourmalet kann Emanuel Buchmann erneut glänzen. Der Franzose Julian Alaphilippe verteidigt Gelb. Ein Topfavorit fällt zurück.

Anzeige

Nüchtern wie immer analysierte Emanuel Buchmann seinen Teufelsritt zum mythischen Tourmalet, da erhob ihn Bora-Teamkollege Gregor Mühlberger zum künftigen Tour-Champion. "Gewaltig. Man kann mit ihm definitiv die Tour de France gewinnen. Ich denke, er ist der nächste ganz große deutsche Star", sagte der Österreicher über den Ravensburger, der diesen Satz erst einmal gar nicht mitbekam.

Buchmann selbst verzichtete nach seinem herausragenden vierten Platz beim Pyrenäenspektakel auf große Ansagen und hielt an seiner ursprünglichen Zielsetzung fest. "Das war ein sehr guter Schritt, aber es bleibt nach wie vor bei den Top 10. Man darf keinen schlechten Tag haben. Wenn es am Ende mehr wird, umso besser", sagte der 26-Jährige.

Anzeige

Doch wie Buchmann im Finale der 111 km langen 14. Etappe der 106. Frankreich-Rundfahrt sogar Titelverteidiger Geraint Thomas mit einer Attacke abhängte, war eindrucksvoll und eine Leistung, wie es sie von einem deutschen Radprofi im Hochgebirge seit langer Zeit nicht mehr gegeben hat. Der Eintrag in die Tour-Geschichtsbücher am legendären Gipfel blieb ihm nur knapp verwehrt, mit acht Sekunden Rückstand zum französischen Tagessieger Thibaut Pinot erreichte er das Ziel. 

Thomas muss Buchmann ziehen lassen

"Ich habe gehofft, dass es ungefähr so abläuft. Ich bin richtig zufrieden, ich hoffe, das geht in den nächsten Tagen so weiter", sagte Buchmann, der mit Blick auf seinen Angriff meinte: "Bis ich attackiert habe, war ich nie in Schwierigkeiten. Das ist schon ein sehr gutes Gefühl."

Der Kletterspezialist vom Team Bora-hansgrohe bot bei der ersten von drei Tour-Ankünften in über 2000 Meter Höhe den weltbesten Rundfahrern die Stirn, auch Frankreichs Liebling Julian Alaphilippe, der seine Führung als Tageszweiter sogar noch festigte und das Gelbe Trikot behauptete. Buchmann liegt in der Gesamtwertung nun wieder auf Rang fünf. "Er hat einen Bombenjob gemacht, er ist absolute Weltspitze", sagte Bora-Teamchef Ralph Denk.

Ans Limit hatte Buchmann, der 3:12 Minuten hinter Alaphilippe rangiert, den Sieger des Vorjahres geführt. Mit einem Angriff etwa 1,2 km vor dem Ziel löste sich der Oberschwabe kurzzeitig, er wurde zwar wieder gestellt, aber Thomas konnte den Anschluss nicht mehr halten. "Als die anderen am Hinterrad waren, wollte ich nicht alles von vorne fahren und habe ein bisschen rausgenommen. Es bringt ja nichts, wenn ich die zum Ziel führe", sagte Buchmann.

Meistgelesene Artikel
  • Philippe Coutinho, FC Bayern, Instagram, FC Barcelona
    1
    Fußball / Bundesliga
    Coutinho sorgt für Instagram-Hype
  • Durch die Leihe von Philippe Coutinho verändern sich beim FC Bayern einige Vorzeichen
    2
    Fußball / Bundesliga
    Der Coutinho-Coup und die Folgen
  • Mats Hummels (3.v.l.) ließ sich nach dem BVB-Sieg gegen Augsburg mit den Teamkollegen feiern
    3
    Fußball / Bundesliga
    Hummels spielt sich in BVB-Herzen
  • Mickael Cuisance
    4
    Fußball / Bundesliga
    Rose und Eberl kritisieren Cuisance
  • Gabriel Jesus
    5
    Int. Fußball / Premier League
    ManCity strauchelt - Reds spitze

Franzosen dominieren weiter

Das Gastgeberland befindet sich wegen Alaphilippe weiter im Jubelrausch, der Tour-Besuch von Präsident Emmanuel Macron hätte nicht besser platziert sein können. Nicht nur, dass Pinot am Ende die größten Reserven hatte, auch der große Hoffnungsträger war erneut bärenstark. Alaphilippe liegt nun 2:02 Minuten vor dem Waliser Thomas, der 36 Sekunden auf ihn und 28 Sekunden auf Buchmann einbüßte.

Die Gruppe der Klassementfahrer war schon im unteren Teil des Tourmalet merklich geschrumpft. Unter anderem fielen der Ire Daniel Martin und der frühere Tour-Zweite Nairo Quintana (Kolumbien) zurück.

Der Brite Adam Yates und der Franzose Romain Bardet konnten schon am Col du Soulor dem Rhythmus nicht folgen, während Buchmann in der Nähe von Alaphilippe souverän seine Position hielt. Weiter vorn mühte sich Youngster Lennard Kämna (Sunweb) in der Fluchtgruppe des Tages mit so prominenten Namen wie dem Tour-Sieger von 2014 Vincenzo Nibali (Italien). Das hohe Tempo der Tour-Favoriten raubte dem 22-jährigen Kämna (Wedel) jede Chance auf eine gute Tagesplatzierung.

Buchmann musste ohne die Unterstützung von Maximilian Schachmann auskommen, der am Samstag mit einem dreifachen Bruch der Mittelhand nach Deutschland zurückflog. "Es ist echt schade, dass er fehlt, er wäre ein wichtiger Helfer gewesen. Ich denk, wir werden ihn schon noch vermissen", hatte Buchmann vor der Tourmalet-Etappe gesagt. Am Samstag kam er aber auch ohne Schachmann zurecht.