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München - Emanuel Buchmann ist bei der Tour de France Gesamtfünfter, Titelverteidiger Geraint Thomas schwärmt. Dabei beginnt die Tour erst jetzt so richtig für den Deutschen.

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Auf dem legendären Col du Tourmalet gelang Emanuel Buchmann ein dickes Ausrufezeichen.

Bei seinem Tour-Debüt 2015 krönte der damals 22-Jährige seine starke Leistung mit dem dritten Platz auf dem legendären Pass zum 2.115 Meter hoch gelegenen Gipfel.

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"Das war ein richtiger Husarenritt von ihm - Chapeau", erklärte sein damaliger Teamkollege Dominik Nerz hinterher im ZDF - und fügte hinzu: "Aber er kann noch so viel mehr. Wenn man ihm Zeit gibt, wird er ein ganz Großer."

Buchmann nahm sich die Zeit, verbesserte sich kontinuierlich - und ist 2019 einer der besten Rundfahrer der Welt. Der 26-Jährige ging mit dem Ziel in die Frankreich-Rundfahrt, am Ende der Tour de France in den Top Ten der Gesamtwertung zu stehen. (Tour de France 2019: Alle Etappen im LIVETICKER)

Nur 33 Sekunden Rückstand auf Thomas

Nach knapp der Hälfte liegt er sogar auf Platz fünf, der Rückstand auf Vorjahressieger und Topfavorit Geraint Thomas (Team Ineos) beträgt mickrige 33 Sekunden. Topstars wie Alejandro Valverde, Romain Bardet oder Jakob Fuglsang liegen hinter dem Deutschen. (SERVICE: Die Wertungen der Tour de France)

"Fünfter hört sich sehr gut an. Das Team hat gut gearbeitet. Mein Ziel bleibt die Top Ten, es sieht ganz gut aus", erklärte der Ravensburger am Montag bescheiden der ARD. Buchmann spricht nicht gern, er lässt lieber Taten sprechen. "Verrückte Dinge muss ich nicht machen, ich muss nicht selber angreifen", sagte Buchmann - und ergänzte: "Die Tour beginnt für mich jetzt richtig."

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Ullrich-Erbe? Buchmann wiegelt ab

Auch auf die Frage, ob er sich als potenziellen Erben von Jan Ullrich sieht, schwingt er keine großen Töne. "Ich will in keine Fußstapfen treten. Ich fahre mein eigenes Rennen", sagte er. Den Traum vom Gelben Trikot gebe es bei der Tour 2019 für ihn "nicht wirklich", fügte er an.

Seit fünf Jahren fährt er für das deutsche Team Bora-hansgrohe, 2019 ging er erstmals von Beginn an als Kapitän auf die "Große Schleife".

"Wenn ich gut drauf bin, dann mache ich schon mal Ansagen. Man muss sich in die Kapitänsrolle erst einfinden", erklärt er seine Rolle im Team, in dem auch Sprinterkönig Peter Sagan für Furore sorgt. Lag der Fokus des Teams zu Beginn der Tour noch auf dem Träger des Grünen Trikots, wird er nach dem Ruhetag am Dienstag auf Buchmann liegen.

"Dann beginnt die Tour so richtig für mich"

"Morgen ist noch einmal eine Sprintetappe, dann beginnt die Tour so richtig für mich", sagt Buchmann - der Halbsatz klingt wie eine Drohung. Ab Donnerstag geht es in die Pyränäen, in der kommenden Woche folgen knochenharte Etappen durch die Alpen.

Buchmann hat nicht nur durch seinen Husarenritt 2015 gezeigt, dass er ein sehr guter Bergfahrer ist.

Am vergangenen Donnerstag bei der ersten Bergankunft in La Planche des Belles Filles kam er nicht nur mit den Besten ins Ziel, sondern ließ auf den letzten Kilometern den ein oder anderen Mitfavoriten hinter sich. Das Profil der diesjährigen Tour mit mehreren Bergankünften spricht für den kletterstarken Oberschwaben.

Titelverteidiger Thomas lobt Buchmann

"Er fährt eine herausragende Saison, hat sich gewaltig entwickelt. Er ist sicher zu beachten, weil er so dicht an uns dran ist", erklärt Titelverteidiger Thomas voller Respekt.

Für den Sieg bei der Tour wird es trotz Buchmanns Topform noch nicht reichen, das Team Bora ist in seiner Gesamtheit nicht auf dem Niveau wie Ineos mit Thomas und Senkrechtstarter Egan Bernal.

Außerdem hat Buchmann trotz großer Fortschritte noch Schwächen im Zeitfahren, das am Freitag stattfindet. Auch die Erfahrung bei den großen Rundfahrten geht Buchmann noch ab, seine beste Platzierung auf der Grand Tour war ein zwölfter Platz bei der Vuelta a Espana 2018.

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Burghardt glaubt an Top fünf

Dennoch traut ihm sein Teamchef Ralph Denk mittlerweile einen Platz zwischen Rang fünf und acht in der Gesamtwertung zu, Mannschaftskollege Marcus Burghardt glaubt sogar an einen Platz unter den ersten Fünf.

Kommt Buchmann am Freitag gut durch das 27 Kilometer lange Einzelzeitfahren rund um Pau, ist ihm alles zuzutrauen. Die folgende Etappe ist nämlich ein gutes Omen für den Kletterer: Sie endet auf dem Tourmalet.