Vor dem Start der 105. Tour de France kritisiert Tony Martin den Weltverband UCI scharf für seinen Umgang mit dem Doping-Fall von Chris Froome.

Einen Tag vor Beginn der 105. Tour de France hat der deutsche Radsport-Star Tony Martin (33) den Weltverband UCI noch einmal scharf für die Starterlaubnis für den viermaligen Champion Chris Froome kritisiert.

"Dass der Weltverband das Verfahren ohne jegliche Begründung beendet, ist schade. Ich habe mich schon nach Bekanntwerden des Falles kritisch geäußert und stehe immer noch dazu: Es ist eine Schande für den Sport allgemein", sagte Martin in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung.

"Er hat unter Dopingverdacht stehend den Giro d'Italia gewonnen, eines der größten Radrennen der Welt. Wir machen uns ja im Radsport komplett lachhaft und unglaubwürdig", sagte Martin in einer Presserunde am Donnerstag.

Der Radsport habe durch den Fall Froome "definitiv" Schaden genommen.

Martin fordert Regeländerungen

Vor allem die Intransparenz bei der Entscheidung der UCI, Froome nach seinem positiven Dopingtest bei der Vuelta 2017 doch in Frankreich an den Start gehen zu lassen, stößt dem viermaligen Zeitfahr-Weltmeister übel auf: "Absolut unverständlich, dass so etwas möglich ist. Es sollte von der UCI eine Begründung zur Entscheidung geben oder zumindest eine nachvollziehbare Erklärung, warum es diese Begründung nicht gibt."

Martin befürchtet einen "Schatten auf der ganzen Tour" und "wahrscheinlich auch über jedem Rennen, bei dem Froome künftig starten wird."

Für den Teamkollegen von Sprint-Star Marcel Kittel sind Lücken im Regelwerk die hauptsächliche Ursache für das Hin und Her im Fall Froome. Zur Erinnerung: Der Tour-Veranstalter wollte den Briten, der nach wie vor seine Unschuld beteuert, zunächst vom Rennen ausschließen. Erst die UCI kippte dieses Vorhaben.

"Ich hoffe, dass die Verantwortlichen dies nun endgültig zum Anlass nehmen, die Regeln zu modifizieren", fordert Martin und denkt dabei beispielsweise an eine Schutzsperre für betroffenen Athleten, innerhalb derer sie sich erklären müssen.

Buhrufe gegen Froome

Dass Froome in Frankreich ein Spießrutenlauf erwarten könnte, zeigte sich indes schon bei der Vorstellung der Fahrer und Mannschaften.

In La Roche-sur-Yon hallten am Donnerstag lautstarke Unmutsbekunden über die Place Napoleon. Die Vorstellung von Froomes Sky-Teams ging im Gebuhe der rund 5000 Zuschauer unter.