Christopher Froome (l.) distanzierte in der Gesamtwertung einige Konkurrenten
Christopher Froome (l.) distanzierte in der Gesamtwertung einige Konkurrenten © Getty Images

Peter Sagan muss das Gelbe Trikot nach der 3. Etappe der Tour de France an einen Belgier abgeben. Chris Froome kämpft sich zurück und freut sich auf die nächsten Etappen.

Völlig ausgepumpt rang Chris Froome im Ziel nach Luft, dann bedankte sich der umstrittene Tour-Patron bei seinen ebenso entkräfteten Teamkollegen.

"Es war ein unglaublicher Tag und ein richtig harter Test für uns. Einfach war es wirklich nicht" sagte der Brite, nachdem er mit dem Sky-Express im Mannschaftszeitfahren der 105. Frankreich-Rundfahrt auf den starken zweiten Platz gerast war.

Froome holt auf

Die große Machtdemonstration war es zwar nicht, die Froome und seine Mitstreiter beim Sieg des BMC-Racing-Teams in der Hitzeschlacht von Cholet zeigten. Den sportlichen Schaden nach seinem Auftaktsturz hat der gebürtige Kenianer aber in erneut frostiger Atmosphäre repariert.

Mit Ausnahme von BMC-Kapitän Richie Porte (Australien), dessen Team mit vier Sekunden Vorsprung siegte, gewann Froome gegenüber allen großen Kontrahenten teils erheblich an Boden.

"Unser Ziel war es, den anderen möglichst viel Zeit abzunehmen", sagte Froome.

Das gelang vorzüglich: Frankreichs große Hoffnung Romain Bardet zum Beispiel verlor mit AG2R 1:11 Minuten auf Sky, der schon zum Auftakt schwer geschlagene Movistar-Kapitän Nairo Quintana weitere 49 Sekunden.

Froome: "Beine sind gut"

Froome, der am Montag beim Start und an der Strecke erneut mit Pfiffen und Buhrufen bedacht wurde, liegt im Kampf um seinen fünften Tour-Sieg wieder im Plan, in der Gesamtwertung rückte er auf Platz 18 vor.

"Die ersten beiden Tage waren sehr nervös, zwar nicht wirklich physisch anstrengend, aber vom Kopf her", sagte Froome: "Meine Beine sind gut, das macht Lust auf die nächsten Wochen."

Das Gelbe Trikot ging indes an die Konkurrenz von BMC - allerdings nicht an Kapitän Porte, der am Samstag wie Froome 51 Sekunden verloren hatte, sondern an Olympiasieger Greg Van Avermaet. Der Belgier löste den Slowaken Peter Sagan ab, der seinem Bora-hansgrohe-Team nach der zweiten Zeitmessung nicht mehr folgen konnte. (SERVICE: Die Gesamtwertung der Tour de France)

Martin nur auf neun

Aber auch so wäre Gelb für den Weltmeister verloren gewesen: Mit 50 Sekunden Rückstand belegte Bora Platz sieben, Sunweb als zweites deutsches Team wurde Fünfter und bewahrte mit elf Sekunden Rückstand auf BMC die starke Position für Kapitän Tom Dumoulin (Niederlande).

Zeitfahr-Weltmeister Tony Martin (Cottbus) kam mit Katusha-Alpecin auf Platz neun, Teamkollege Marcel Kittel hatte frühzeitig abreißen lassen.

Porte empfand indes nach dem Sieg über seinen früheren Kapitän Froome Genugtuung. "Es fühlt sich toll an, Sky zu schlagen. Ich habe starke Jungs im Team, die haben auf mich aufgepasst", sagte der 33-Jährige.

Nach seinem verletzungsbedingten Ausscheiden im Vorjahr könnte Porte nun endlich zum Herausforderer Nummer eins seines Ex-Chefs werden.

Bardet: "Auf Berge warten"

Bardet zeigte sich derweil trotz der Niederlage kämpferisch: "Ich habe das nicht anders erwartet. Lasst uns doch einfach auf die wahren Zeitunterschiede in den Bergen warten."

Für Froome war das gute Abschneiden im ersten "TTT" der Tour seit 2015 von großer Bedeutung. Am Samstag hatte sich der Brite beim Auftakt nach einem Sturz 51 Sekunden auf namhafte Rivalen eingehandelt, unter anderem auf Bardet - es scheint nur ein Betriebsunfall gewesen zu sein.

Den Schaden, den sein Ruf in der Asthmamittel-Affäre genommen hat, ist für Froome dagegen deutlich schwerer zu korrigieren. Wie schon bei der Teampräsentation am vergangenen Donnerstag sah er sich wieder Antipathien der Zuschauer ausgesetzt.

Froome: "Schöne Atmosphäre"

Der mächtige Sky-Teamchef Dave Brailsford hatte hingegen seine eigene Sicht auf die Dinge: "Zum Glück wurde heute wenig gebuht, es sind viele Familien hier. Die Leute sind hier, um eine gute Zeit zu haben."

Auch Froome sprach von einer "sehr schönen Atmosphäre". Ohren zu und durch - so könnte die Sky-Devise für die kommenden Wochen heißen.