CYCLING-FRA-PARIS-NICE
Simon Geschke hat den Sieg auf der 14. Etappe der Tour de France nur knapp verpasst © Getty Images

Simon Geschke fährt lange in der Spitzengruppe mit, muss den Tagessieg am Ende aber Omar Fraile überlassen. Geraint Thomas verteidigt das gelbe Trikot.

Simon Geschke kämpfte wie ein Löwe, das erneute Tour-Wunder gelang dem kleinen Berliner mit dem großen Herzen aber nicht: Fast genau drei Jahre nach seinem Sieg in Pra-Loup hat Geschke an "Wand von Mende" nach einem ganz starken Auftritt bei der 105. Frankreich-Rundfahrt Platz sechs belegt.

Beim Triumph des Spaniers Omar Fraile aus einer großen Ausreißergruppe kamen die großen Favoriten um Leader Geraint Thomas und Sky-Kapitän Chris Froome zeitgleich ins Ziel.

"Es war mein Ziel, wenigstens mal wieder um einen Etappensieg mitzufahren. Ich habe dran geglaubt und drauf gehofft", sagte Geschke in der ARD: "Ich hatte einen guten Tag und gute Beine, es waren aber einige Fahrer besser. Die Fahrer, die vor mir waren, waren verdienterweise vorn. Ich bin ziemlich happy." 

Thomas verteidigt Gelbes Trikot

Geschke lag nach dem nur drei Kilometer langen, aber umso anspruchsvolleren Schlussanstieg der 14. Etappe über 188 km auf dem Flugfeld in Mende 19 Sekunden hinter Fraile zurück. Der Astana-Profi und Tour-Debütant setzte sich nach einem packenden Finale mit sechs Sekunden Vorsprung auf den Franzosen Julian Alaphilippe (Quick-Step Floors), Sieger der Alpen-Etappe von Le Grand-Bornand, durch.   

Das Gelbe Trikot verteidigte der Brite Geraint Thomas (Sky) erfolgreich, der mehr als 18 Minuten nach Fraile zeitgleich hinter seinem Teamkapitän Chris Froome und dem Niederländer Tom Dumoulin (Sunweb) das Ziel erreichte. (SERVICE: Gesamtwertung)

In der Gesamtwertung führt Thomas damit weiter mit 1:39 Minuten Vorsprung auf seinen Landsmann Froome, Dritter bleibt Dumoulin (+1:50). Dem Toptrio rückte allerdings der Slowene Primoz Roglic (LottoNL-Jumbo) etwas enger auf die Pelle. Der frühere Junioren-Weltmeister im Skispringen machte acht Sekunden auf die "Big Three" gut, liegt nun mit 2:38 Minuten Rückstand auf Platz vier. 

Geschke nun bester Deutscher im Gesamtklassement

Auf halbem Weg zwischen den Alpen und den Pyrenäen, in denen ab Dienstag die Tour in die heiße Phase geht, hielten die Favoriten lange die Beine still. Stattdessen versuchte auf dem dafür hervorragend geeigneten Terrain an den Cols der wildromantischen Ardeche eine ursprünglich stolze 32 Fahrer zählende Fluchtgruppe ihr Glück. 

Zu den Ausreißern, deren Spitze über 20 Minuten Vorsprung vor dem lange bummelnden Feld herausfuhr, gehörte neben Weltmeister Peter Sagan (Slowakei/Bora-hansgrohe) auch Geschke. Der Berliner, wichtigster Helfer in den Bergen von Sunweb-Kapitän Dumoulin und nun als 22. im Gesamtklassement bester Deutscher, fährt eine glänzende Tour. 

An der vorletzten Bergwertung zerfiel die Gruppe, der Belgier Jasper Stuyven (Trek-Segafredo) setzte sich ab. Geschke hielt sich unter den ersten Verfolgern, die mit rund anderthalb Minuten Rückstand auf Stuyven in den letzten Berg hineinjagten - kurz vor der Ein-Kilometer-Marke war Stuyven gestellt. 

Mende oftmals Schauplatz packender Duelle

Beim Finale in Mende, wo es bei den vergangenen Besuchen der Tour zu packenden Auseinandersetzungen zwischen Miguel Indurain, Marco Pantani und Laurent Jalabert (1995), Lance Armstrong und Jan Ullrich (2005) oder Alberto Contador und Andy Schleck (2010) gekommen war, belauerten sich weit nach Geschke, Fraile und Co. die Favoriten, aus dem Toptrio Thomas-Froome-Dumoulin konnte sich aber keiner absetzen.

Die letzte Etappe vor dem Ruhetag über 181,5 km von Millau nach Carcassonne ist am Sonntag mit einer Bergwertung der ersten Kategorie rund 40 km vor dem Ziel ein Fall für kletterstarke Ausreißer. Die Favoriten auf den Gesamtsieg werden sich angesichts der folgenden Schlusswochen-Strapazen in den Alpen wohl zurückhalten.