Le Tour de France 2017 - Stage Twelve
Christopher Froome ist bei der Tour de France unerwünscht, will aber unbedingt starten © Getty Images

München - Die Veranstalter der Tour de France wollen Chris Froome ausschließen, werden aber von der UCI ausgebremst. Jens Voigt geht mit dem Superstar hart ins Gericht.

von Markus Bosch , Andreas Pfeffer , Sportinformationsdienst

In seinem Vorhaben die Tour de France in diesem Jahr ein fünftes Mal zu gewinnen, und damit zu den bisherigen Rekordsiegern Eddy Merckx, Bernard Hinault, Jacques Anquetil und Miguel Indurain aufzuschließen, wird Christopher Froome von den Tour-Organisatoren offenbar ausgebremst.

Weil der Weltverband UCI in der Asthmamittel-Affäre um den britischen Topstar monatelang kein Urteil fällen konnte, will nun Veranstalter ASO Froome von der am 7. Juli beginnenden Frankreich-Rundfahrt ausschließen. Dies berichtet die Tageszeitung Le Monde.

Zur Erklärung: Im September 2017 war Froome bei seinem Sieg bei der Spanien-Rundfahrt positiv auf das Asthmamittels Salbutamol getestet worden. Er hatte den doppelten Wert der erlaubten 1000 Nanogramm pro Mililiter im Urin.

Aufgrund der ASO-Entscheidung meldete sich am Montag die UCI zu Wort und verkündete plötzlich die Einstellung des Verfahrens gegen Froome - ohne Angabe von Gründen. Theoretisch hätte die ASO allerdings trotzdem versuchen können, Froome eine Art Hausverbot zu erteilen. Inzwischen gaben die Tour-Bosse aber grünes Licht für einen Start Froomes.

Voigt versteht Entscheidung der Tour

Für Jens Voigt, mit 17 Teilnahmen zusammen mit George Hincapie und Stuart O'Grady Rekordteilnehmer der Rundfahrt, war das ursprüngliche Vorhaben der Tour-Organisatoren keine Überraschung.

"Wenn Sie eine Geburtstagsfeier machen, laden sie auch nur Leute ein, die Sie mögen. Leute, die Stress verursachen könnten, werden erst gar nicht eingeladen", sagte der 46-Jährige im Gespräch mit SPORT1: "Die Veranstalter wollen eine ruhige Tour haben und nicht, dass jeder nur noch über Froome berichtet. Ich kann verstehen, dass sie keinen Ärger haben möchten."

Die Veranstalter des Giro d'Italia wollten bewusst nicht auf den Superstar im Teilnehmerfeld verzichten. Froome nutzte dies und den Fakt, dass er weiter Rennen fahren darf, aus und gewann in diesem Jahr erstmals den Giro - nachdem er am drittletzten Tag einen fast schon unmenschlichen Alleingang über 80 Kilometer hingelegt hatte.

Das gigantische Anwaltsteam des 33-Jährigen und seines finanzstarken Arbeitgebers versuchen seit Monaten, die Affäre zu Gunsten Froomes zu beenden - am Ende nun also mit Erfolg.

Harte Kritik an Froome

"Froome hat viel Geld und kann  sich teure Anwälte und Experten leisten, die Expertisen vorlegen. Die UCI muss dies alles prüfen und darauf reagieren", erklärt Voigt den langen Poker.

Das ganze Prozedere vergleicht er mit einem Eiertanz: "Keine Seite möchte einen Fehler machen. Ist eine verhängte Strafe falsch, wird man verklagt. Gibt es keine Strafe, macht die Öffentlichkeit Vorwürfe."

Voigt, der in seiner aktiven Karriere zu den angriffsfreudigsten Fahrern gehörte, übt auch an Froomes grundsätzlichem Verhalten Kritik. "Ich verstehe nicht, wie Froome sich noch vorbereiten und trainieren kann. Jeden Tag steht sein Name in der Zeitung. Ich frage mich, wie er das macht, wie er da ganz ruhig bleibt und sagt: Ich gewinne die Tour de France", sagte Voigt.

Gleichzeitig glaubt er, das "schlussendlich alle anderen Fahrer mitbestraft werden, weil sie dazu befragt werden und nicht in Ruhe ihr Rennen fahren können, obwohl sie damit überhaupt nichts zu tun haben."

Voigt sorgt sich um Radsport

Voigt fürchtet massiv um das Image seiner Sportart: "Unser Sport ist in der Öffentlichkeit wegen der verkehrten Gründe, das stört mich enorm."

Auswirkungen auf die enorme Strahlkraft der Tour in der Öffentlichkeit sieht er dagegen nicht. "Die Tour macht die Helden, nicht andersrum. Die Tour ist größer als der einzelne Fahrer, da wird nicht einer weniger zuschauen als davor", glaubt Voigt.

Die Tour de France - das war in den vergangenen Jahren gleichbedeutend mit den großen Froome-Festspielen. Zwischen 2013 und 2017 gewann der Brite die bedeutendste und schwerste Landesrundfahrt der Welt vier Mal, in den vergangenen drei Jahren fuhr er stets mit dem Gelben Trikot auf der Champs Elysees ins Ziel. Nicht jeder Radsport-Fan jubelte ihm zu, das wird sich auch mit diesem Freispruch nicht ändern.