Tour de France 2018: Andre Greipel, Rick Zabel und Marcel Sieberg steigen aus
Rick Zabel fällt dem Sprintersterben auf der 12. Etappe zum Opfer © Getty Images

Gleich mehrere deutsche Sprinter müssen bei der 12. Etappe aufgeben. Rick Zabel bezeichnet die Etappenführung als "sehr fragwürdig."

Am Sprinter-Grab des Col de la Croix de Fer war Andre Greipels Tour-Schicksal besiegelt: Die Alpen haben in der zweiten Woche der 105. Frankreich-Rundfahrt die schnellsten Männer im Feld reihenweise in die Knie gezwungen.

Nachdem am Mittwoch der deutsche Etappenjäger Marcel Kittel (Arnstadt/Katusha-Alpecin) und Ex-Weltmeister Mark Cavendish (Großbritannien/Dimension Data) aus dem Zeitlimit gefallen und disqualifiziert worden waren, stieg am Donnerstag auf dem Weg nach L'Alpe d'Huez der zweite deutsche Top-Sprinter Greipel (Rostock/Lotto-Soudal) aus.

Auch für die zweimaligen Etappensieger Fernando Gaviria (Kolumbien/Quick-Step Floors) und Dylan Groenewegen (Niederlande/LottoNL-Jumbo) ist das Rennen nach Aufgaben vorzeitig beendet. Zudem schieden in Greipels Helfer Marcel Sieberg (Castrop-Rauxel) sowie Kittel-Teamkollege Rick Zabel (Unna) zwei weitere deutsche Fahrer gegen Mitte der 175,5 km langen 12. Etappe nach L'Alpe d'Huez aus.

Zabel kritisiert Etappe: "Sehr Fragwürdig"

Zabel bezeichnete die Etappe im ZDF dann auch als "sehr fragwürdig". Sein Teamkollege Nils Politt kritisierte vor allem den Veranstalter ASO: "Ich weiß nicht, was die ASO davon hat, wenn keine Sprinter mehr im Rennen sind. Wir sind mit Vollgas in den Col de la Madeleine gefahren, es war richtig hart."

Damit sind nur noch sechs von anfangs elf deutschen Radprofis im Rennen. Deutsche Sprintsiege sind aber weiter möglich: Roubaix-Etappensieger John Degenkolb (Gera/Trek-Segafredo) ist ein fähiger Sprinter, auch Nikias Arndt (Buchholz/Sunweb) verfügt über eine gute Endschnelligkeit.

Sagan profitiert von Ausfällen

Vor dem nächsten erwarteten Massenspurt am Freitag in Valence bleiben dennoch nur noch wenige Topsprinter in der Tour, darunter Weltmeister Peter Sagan (Bora-hansgrohe), Träger des Grünen Trikots. Der Slowake führte schon vor den Ausfällen seiner Rivalen klar die Punktwertung an. Sein sechster Gewinn des Maillot vert ist seit Donnerstag nochmals wahrscheinlicher geworden.

Als erster deutscher Sprinter hatte am Mittwoch Kittel das Rennen vorzeitig beenden müssen. Der 30-Jährige, im Vorjahr noch fünfmaliger Etappensieger, hatte das Zeitlimit auf dem Weg nach La Rosiere verpasst.

Kittel klagt: "Kann mir kein Bein abreißen"

Kittel klagte anschließend über die enorm fordernde Streckenführung. Die 108,5 km lange 11. Etappe mit vier Bergwertungen sei ein "Hammer" gewesen, sagte Kittel: "Ich glaube nicht, dass wir in den letzten Jahren solche Etappen hatten." Er wisse nicht, wie er ein derartiges Teilstück überleben solle, "selbst wenn ich noch zehn Prozent Extraform draufpacke." Er habe nichts anderes machen können. "Ich kann mir kein Bein abreißen und ein bisschen weniger wiegen", sagte Kittel.

Das Rennen nach La Rosiere überstanden am Mittwoch Greipel, Gaviria und Groenewegen. Die dritte Bergetappe nacheinander war für das Trio aber zu viel. Am Col de la Croix de Fer, dem dritten Anstieg des Tages und zweiten der Ehrenkategorie, setzen sie den Strapazen ein vorzeitiges Ende.

Für Greipel ist das Tour-Aus äußerst bitter. Der 36-Jährige war zwar ohne Etappensieg geblieben, präsentierte sich in den Massenankünften aber stets auf der Höhe und deutlich stabiler als etwa Kittel. Greipels beste Platzierung der Tour 2018 bleibt sein dritter Platz auf der vierten Etappe nach Sarzeau.