Julian Alaphilippe krönte sich zum Weltmeister
Julian Alaphilippe krönte sich zum Weltmeister © Imago
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Bei der Straßenrad-WM in Imola krönt sich Julian Alaphilippe nach einem erfolgreichen Ausreißversuch zum Champion. Maximilian Schachmann landet in den Top 10.

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Als auch Maximilian Schachmann das Podest recht deutlich verpasst hatte, war die größte WM-Pleite seit der Wiedervereinigung für den Bund Deutscher Radfahrer (BDR) besiegelt.

Der Berliner kämpfte zum Abschluss der Titelkämpfe in Imola im brutalen 258,2 km langen Straßenrennen aufopferungsvoll, die erste medaillenlose WM der deutschen Mannschaft seit dem Mauerfall konnte er aber nicht verhindern.

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Beim Triumph des Franzosen Julian Alaphilippe landete der Paris-Nizza-Gewinner vor den Augen von IOC-Präsident Thomas Bach auf Platz neun. "Die Körner haben nicht gefehlt, es hat ein bisschen das Bein gefehlt", sagte Schachmann im ZDF: "Ich war mit dabei und kann mir keine Vorwürfe machen. Am Ende bin ich einfach nur Vollgas gefahren, aber es hat nicht gereicht."

Pogacar verzockte sich

Sieger Alaphilippe kämpfte derweil mit den Tränen. "Es war schon immer mein Traum, dass ich meine Karriere mit dem Titel krönen kann", sagte der 28-Jährige. Silber gewann wie schon am Freitag im Einzelzeitfahren Wout van Aert (Belgien), der Schweizer Marc Hirschi holte Bronze. Tour-de-France-Sieger Tadej Pogacar verzockte sich und landete außerhalb der Top 30 - Titelverteidiger Mads Pedersen aus Dänemark war gar nicht erst nach Italien gereist.

Letzter deutscher Titelträger bleibt damit Rudi Altig, der 1966 triumphierte. Die letzte deutsche WM-Medaille im Straßenrennen der Profis gewann Sprinter Andre Greipel, der vor neun Jahren in Kopenhagen Bronze holte.

Bei leicht kühleren Temperaturen als an den Vortagen blieb der vorhergesagte Regen rund um das Autodromo Enzo e Dino Ferrari aus. Direkt nach Rennbeginn bildete sich eine siebenköpfige Ausreißergruppe mit Jonas Koch. Und der 27-Jährige präsentierte sich stark: 100 km vor dem Ziel hatten Koch und der Norweger Torstein Traeen den Rest des Zusammenschlusses abgeschüttelt.

Volle Konzentration auf Schachmann

Im Hauptfeld konzentrierte sich das deutsche Team voll auf Kapitän Schachmann. "Wir gucken, dass wir Max so frisch wie möglich ins Finale kriegen und ihn dann unterstützen", hatte Simon Geschke dem SID kurz vor dem Start in der Boxengasse der Rennstrecke gesagt - die Zielsetzung setzten der Routinier und die weiteren Helfer um John Degenkolb auch um.

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Gegen die Tempoverschärfung des Pelotons nach zwei Dritteln des Abnutzungskampfes konnten die beiden tapferen Kämpfer Koch und Traeen 70 km vor dem Ziel aber nichts mehr entgegenzusetzen. 30 km später versuchte es dann Pogacar, der wegen eines Defekts zuvor noch das Rad gewechselt hatte: Der jüngste Tour-Sieger seit 116 Jahren stieg am Cima Galisterna, dem zweiten Anstieg jeder Runde, aus dem Sattel, wurde 22 km vor dem Ende jedoch wieder eingeholt. 

In einer hektischen Schlussphase war Schachmann auf sich alleine gestellt, nachdem Geschke ihn nach überragender Unterstützung alleine ins Finale geschickt hatte. Am Galisterna ging Schachmann die Puste aus, während Alaphilippe zu seiner Soloshow aufbrach.

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Traum von Brennauer geplatzt

Am Samstag war bereits Lisa Brennauers Traum vom Regenbogentrikot nach einem gescheiterten Ausreißversuch geplatzt, stattdessen krönte sich Olympiasiegerin Anna van der Breggen zur Königin von Imola. 48 Stunden nach dem Triumph im Einzelzeitfahren feierte die Niederländerin im Straßenrennen das seltene WM-Double. Dies war zuvor nur der Französin Jeannie Longo-Ciprelli 1995 gelungen.

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Zum ersten Mal seit den Weltmeisterschaften 2014 in Ponferrada/Spanien wurden beide Straßenrennen vollständig auf einem Rundkurs ausgetragen. Die 28,8 km lange Schleife, die neun Mal von den Männern und fünf Mal von den Frauen zurückgelegt wurde, beinhaltete mit dem Mazzolano und Cima Galisterna zwei Anstiege, die eine durchschnittliche Steigung von 10 Prozent und Passagen von bis zu 14 Prozent Steigung aufweisen.