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München - Jan Ullrichs langjähriger Betreuer Rudy Pevenage enthüllt in seiner Autobiografie Doping mit falschen Cola-Dosen. Eine Handy-Panne führt zum Fuentes-Skandal.

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Rudy Pevenage hat ausgepackt.

Der langjährige Vertraute des deutschen Radsport-Superstars Jan Ullrich gab in seiner am Donnerstag erschienenen Autobiografie "Der Rudy" umfassende Dopingpraktiken in seiner Zeit als Aktiver, vor allem aber auch als Betreuer und sportlicher Leiter bei Telekom, Bianchi und T-Mobile, zu.

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Dopingmittel in Cola-Dosen

Unter anderem habe man beim Giro d'Italia 2001 Dopingmittel in doppelwandigen Cola-Dosen versteckt. "Die Dosen konnte man öffnen, um die Medikamente hineinzutun. Durch die doppelte Wand, blieb es gekühlt und von außen waren sie nicht von einer echten Coladose zu unterscheiden", schreibt der Belgier.

So blieben die Dosen bei einer Razzia im Hotel unentdeckt. Vor der Tour de France 2004 mietete Pevenage ein Hotelzimmer in Belgien und verteilte von dort Dopingmittel an das Fahrerfeld. Damals war er persönlicher Betreuer Ullrichs.

Mountainbiker als Doping-Kurier

"Ich hatte um einen zusätzlichen Kühlschrank gebeten. An diesem Tag kam der ehemalige Mountainbiker Alberto Leon, wir nannten ihn Ali Baba, zu mir. Er war ein perfekt aussehnender Tourist. Die Blutbeutel wurden in leere Milchkartons verpackt und mit einem Code versehen. Der Plan war, sie dem jeweiligen Fahrer nach dem Abendessen zu übergeben - manchmal auch tagsüber", erinnert sich der Gewinner des Grünen Trikots von 1980.

Auch die inzwischen berüchtigten Doping-Ärzte Eufemiano Fuentes und José Luis Merino (Decknamen Asterix und Obelix) seien in dem Hotel abgestiegen.

"Ich möchte niemanden verletzen, erzähle aber die Wahrheit darüber, was ich mitgemacht und gesehen habe", schreibt Pevenage.

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Ullrich wegen Pevenage erwischt?

Ullrich war wegen der Verbindung zu Fuentes 2012 vom Internationalen Sportgerichtshof (CAS) zu einer zweijährigen Sperre verurteilt worden. Ein Jahr später gab der Toursieger von 1997 Behandlungen bei Fuentes zu.

Dass die Verbindung herauskam, lag auch an Pevenage, wie der 65-Jährige nun offenbarte. Während des Giro 2006 sei die Telefonkarte seiner Freundin leer gewesen, deshalb rief er Fuentes von seinem eigenen Handy an: "Das war nicht so schlau, sie haben ihn abgehört. So hatten die Ermittler plötzlich meine Nummer." Kurz darauf wurden er und Ullrich von T-Mobile suspendiert.

Angesichts dieser Enthüllungen, ist Ullrichs Argumentation, dass er nie betrogen habe, etwas nachvollziehbarer geworden, wenn Pevenage - und wohl auch andere - das mehr oder weniger komplette Fahrerfeld versorgte.