Alejandro Valverde entschied den Schlusssprint für sich
Alejandro Valverde entschied den Schlusssprint für sich © Getty Images

Alejandro Valverde sichert sich beim Straßenrennen der Rad-WM Gold. Nach einem brutalen Anstieg durch die Höttinger Höll setzt er sich im Schlusssprint durch.

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Der Ausflug in die gefürchtete "Höll" war für den umstrittenen Alejandro Valverde Gold wert, nach einem brutalen Ausscheidungsrennen durfte der 38-Jährige seiner grenzenlosen Freude ungehemmt freien Lauf lassen.

Nicht der chancenlose Titelverteidiger Peter Sagan oder ein anderer der hochgehandelten Favoriten, sondern der abgezockte und einst wegen Dopings gesperrte Spanier holte nach knapp 260 knüppelharten Kilometern das Regenbogentrikot des Weltmeisters. 

"Für mich wird ein Traum wahr, ich kann es noch gar nicht glauben. Dafür habe ich so lange gekämpft. Ich möchte meiner Mannschaft und dem gesamten Team ein großes Dankeschön aussprechen", sagte Valverde nach seinem Triumph.

Deutsche Fahrer ohne Chance

Simon Geschke und Emanuel Buchmann hielten bis zum finalen Anstieg durch die "Höttinger Höll" mit und zeigten eine couragierte Fahrt. Geschke konnte den Attacken bei bis zu 28 Prozent Steigung dann aber nicht mehr folgen, er wurde nach über sechseinhalb Stunden im Rennsattel als bester deutscher Fahrer 24. mit 1:54 Minuten Rückstand auf Valverde.

In der "Höttinger Höll" kam wie erwartet die entscheidende Attacke. Valverde, Romain Bardet (Frankreich) und Michael Woods (Kanada) setzten sich ab. Im extremen Anstieg über knapp drei Kilometer fuhr etwa der Niederländer Tom Dumoulin sogar zeitweise Schlangenlinien. 

Valverde, 2009 wegen seiner Verwicklung in die Fuentes-Blutdopingaffäre für zwei Jahre gesperrt, strebte entschlossen dem ersten spanischen Titel seit 2004 (Oscar Freire) entgegen. Im Sprint distanzierte er seine Fluchtgefährten souverän. Bardet holte Silber und Woods Bronze. Etwa 250.000 Zuschauer verfolgten die Tortur durch Tirol und sahen das versprochene Spektakel im Finale. 

Schachmann früh ausgestiegen

Vorangegangen war eine kräftezehrende Tempohatz über die sogenannte Olympia-Runde mit einem fast acht Kilometer langen Anstieg nach Igls. Sieben Mal war dieser zu bewältigen, und von Mal zu Mal erhöhte das Feld den Rhythmus. Buchmann und Geschke hielten dem Takt stand, dann bekam Buchmann aber muskuläre Probleme.

Früh schon hatte der Berliner Max Schachmann nicht mehr Schritt halten können und war ausgestiegen. "Ich hatte einfach keine Kraft mehr und habe auch zu wenig gegessen", sagte der 24-Jährige. Vuelta-Sieger Simon Yates (Großbritannien), Vincenzo Nibali aus Italien oder Olympiasieger Greg van Avermaet (Belgien) ging es kaum besser. Auch sie hatten auf einem der schwersten WM-Kurse der Geschichte im Finale nichts mehr zuzusetzen. 

Sagan ohne Chance

Letzter deutscher Weltmeister bleibt der vor zwei Jahren verstorbene Rudi Altig, der 1966 am Nürburgring siegte. Andre Greipel war vor sieben Jahren in Kopenhagen der letzte deutsche Profi, der mit Platz drei im Straßenrennen eine Medaille holte. 

Auch Sagan konnte diesmal die Naturgesetze nicht außer Kraft setzen, der Champion der vergangenen drei Jahre war chancenlos und wurde bereits gut 90 km vor dem Ziel abgehängt. Die "Höll" bekam er gar nicht zu Gesicht, der Slowake stieg vorzeitig vom Rad.

Deutsche "nicht zufrieden"

Das deutsche WM-Abschneiden lag mit einer Silbermedaille durch Junior Marius Mayrhofer unter den Erwartungen. Gerade in den Einzelzeitfahren waren die Ergebnisse weitgehend nicht überzeugend, vor allem die Frauen enttäuschten. "Die eine oder andere Medaille hätte uns gut getan", sagte BDR-Sportdirektor Patrick Moster, um hinzuzufügen: "Die meisten Rennen haben gezeigt, dass wir Potenzial haben."

Allerdings sind die Deutschen auf bergigen Kursen wie in Innsbruck in der Breite nicht auf Augenhöhe mit der absoluten Weltelite. Nachdem der BDR vor zwei Jahren die WM-Nationenwertung noch angeführt hatte, blieb diesmal wie schon 2017 ein Rang im Mittelfeld.

Die Titel im Mannschaftszeitfahren der Firmenteams für Schachmann, Trixi Worrack und Lisa Klein zählten nicht dazu. "Wir können nicht ganz zufrieden sein, aber es gibt keinen Grund für Trübsal", sagte Moster.