Marcel Kittel muss die Deutschland-Tour frühzeitig verlassen
Marcel Kittel muss die Deutschland-Tour frühzeitig verlassen © Getty Images

Wegen körperlicher Probleme muss der deutsche Sprintstar bei seinem Heimspiel aufgeben. Er zeigt sich tief enttäuscht und will sich nun umfassend untersuchen lassen.

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Am Freitagmorgen fuhr Marcel Kittel nicht zum Etappenstart, er wurde zum Flughafen gebracht und trat mit einer weiteren bitteren Enttäuschung im Gepäck die Heimreise an.

Das Comeback der Deutschland-Tour, auf das er sich so freute, es wurde sportlich ein Fiasko für den Top-Sprinter. "Das tut richtig weh", sagte der 30-Jährige, der nun versuchen wird, eine Antwort für seine körperlichen Probleme zu finden.

Schon vor der zweiten Etappe zwischen Bonn und Trier warf der deutsche Rekordetappensieger der Tour de France das Handtuch. Er hatte zwar bereits bei SPORT1 Ende Juli die Deutschland-Rundfahrt als "schwierig" bezeichnet", ein solch jähes Ende aber sicherlich nicht im Sinn gehabt.

Entkräftet, frustriert, hadernd. Nach seiner jüngsten Rundfahrtteilnahme in Belgien und den Niederlanden habe er "einfach nicht wie gewohnt regenerieren können und mich unheimlich müde und erschöpft gefühlt", sagte Kittel.

Ärzte untersuchen Kittel

Woran das lag, sollen nun Ärzte herausfinden. Zurück in seiner Schweizer Wahlheimat am Bodensee wird Kittel sich über die richtige Anlaufstelle beraten und dann "umfassend medizinisch untersuchen lassen. Ich muss herausfinden, an was es liegt." Sportdirektor Torsten Schmidt aus Kittels Team Katusha-Alpecin hatte schon nach Etappenende am Donnerstag gemutmaßt, dass der Leistungseinbruch eigentlich nur körperliche Ursachen haben könne, "vielleicht ein verschleppter Virus oder eine Zahnentzündung", vermutete er.

Noch bei der Teampräsentation am Vorabend des Rennstarts deutete nichts auf dieses abrupte Ende hin. Kittel war gut gelaunt und charmant, nahm sich geduldig Zeit für Fans, genoss das stimmungsvolle Ambiente am Deutschen Eck. Er wirkte auch guter Dinge, zumindest, was den ersten, auf Sprinter zugeschnittenen Abschnitt anbetraf. Auf der Konrad-Adenauer-Allee in Bonn rollte er dann jedoch geschlagen am Ende des Hauptfeldes als 109. über die Ziellinie.

Diese an Tiefschlägen reiche Saison ist nun die schlechteste für Kittel seit dem Seuchenjahr 2015, in dem er neben langwierigen gesundheitlichen Problemen auch noch die geräuschvolle Trennung von seinem damaligen Team erlebte. Zahlreiche Siege hatte sich sein aktueller Rennstall vom blonden Hünen erhofft, er selbst erhoffte sie sich freilich auch. Aber an seine Traumsaison 2017 mit fünf Tour-Etappensiegen kam Kittel nie heran.

Egoismus-Vorwurf trifft Kittel

Stattdessen legte der öffentliche Vorwurf des russischen Sportdirektors Dimitri Konyschew während der Tour, Kittel sei ein Egoist und er habe ihn eh nie gewollt, große atmosphärische Störungen im Team offen. Kittel ging die Kritik nahe.

"Ich war schon sehr erstaunt, dass der sportliche Leiter den Weg über die Medien sucht und nicht den direkten Kontakt teamintern", sagte Kittel im SPORT1-Interview, sprach dabei aber auch von einem "klärenden Gespräch".

Kittel muss nun erst seine gesundheitlichen Probleme lösen, die internen in aller Deutlichkeit zu klären, liegt im Aufgabengebiet von Teamchef Alexis Schoeb. Der Schweizer Rechtsanwalt bezeichnete Kittel zwar nach Ende der Tour "als immer noch weltbesten Sprinter", eine harte Hand ließ er aber bislang vermissen.

Sportdirektor Schmidt muss am Ende der Saison gehen, dafür kommt der Belgier Dirk Demol, einst im Team Lance Armstrongs. Demol soll künftig für Kittel zuständig sein. Konyschew bleibt aber auch. Ob das ein richtiges Signal ist?

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