Ex-Radstar Jan Ullrich wird nach einem erneuten Zwischenfall in eine Psychiatrie eingewiesen. Am Samstag darf er sie offenbar wieder verlassen.

von SPORT1

Der ehemalige Rad-Star Jan Ullrich hat nach seiner Einweisung in eine psychiatrische Klinik die Einrichtung am Samstagmittag wieder verlassen. Das berichtet die Bild-Zeitung.

Ullrich habe die Einrichtung in einem schwarzen BMW verlassen. Gerd K., Freund und Vertrauter Ullrichs, sagte Bild: "Ich kann bestätigen, dass Jan Ullrich in eine Entzugsklinik gefahren ist und mit der Therapie begonnen hat." Ullrichs Anwalt Wolfgang Hoppe war für SPORT1 nicht für eine Stellungnahme zu erreichen.

Nach seiner vorübergehenden Festnahme in einem Frankfurter Hotel war Ullrich am Freitagabend in die Klinik gebracht worden. Dort sollten Experten über das weitere Vorgehen entscheiden, sagte eine Polizei-Sprecherin der Nachrichtenagentur AFP.

Der Sprecherin zufolge handelte es sich dabei um eine Zwangseinweisung, Ullrich sei mit einem Rettungswagen in die Klinik gebracht worden. Aufgrund des "seelischen und körperlichen Zustands" des 44-Jährigen habe es keine andere Wahl gegeben.

Zwischenfall bei Ullrich-Entlassung 

Ullrich hatte nach seiner Verhaftung am Freitag von seinem Aussageverweigerungsrecht Gebrauch gemacht und hätte daraufhin am Abend das Polizeipräsidium verlassen dürfen.

Dabei kam es allerdings zu einem von der Sprecherin nicht näher beschriebenen Zwischenfall. Die Beamten mussten den 44-Jährigen aufgrund des körperlichen Zustandes daraufhin in eine Psychiatrie zwangseinweisen. 

Wie lange Ullrich in der Klinik bleiben muss, war zunächst unklar.

Ullrich soll Escort-Dame verletzt haben

Der ehemalige Tour-de-France-Sieger war am Freitagmorgen in Frankfurt festgenommen worden, nachdem er in einem Frankfurter Luxus-Hotel eine Escort-Dame nach einem Streit angegriffen und verletzt haben soll.

"Es soll zum Streit und zu einem körperlichen Angriff auf eine Frau gekommen sein. Hierbei soll der Beschuldigte sie gewürgt haben, bis ihr schwarz vor Augen wurde", teilte die Staatsanwaltschaft über den derzeitigen Ermittlungsstand dem SID mit.

Der Vorfall hatte sich in einem Nobelhotel im Frankfurter Stadtteil Sachsenhausen zugetragen. Dort hatte sich Ullrich mit der Prostituierten getroffen, dabei sei es zum Streit gekommen.

Die 31-Jährige habe sich befreien und die Polizei informieren können, Ullrich leistete gegen seine Festnahme Widerstand.

"Unter massivem Alkohol- und Drogeneinfluss"

Zur fraglichen Tatzeit hatte Ullrich laut Oberstaatsanwältin Nadja Niesen "unter massivem Alkohol- und Drogeneinfluss" gestanden und war bis Freitagmittag nicht vernehmungsfähig.

Ullrich hatte zuletzt den Konsum von Drogen eingeräumt und wollte sich in Deutschland in Behandlung begeben. Wenige Tage zuvor war er wegen eines Zwischenfalls auf dem Grundstück seines Nachbarn Til Schweiger in die Schlagzeilen geraten.

Thurau fordert: Ullrich "sofort in geschlossene Anstalt"

Der zweimalige Vize-Weltmeister Dietrich Thurau hatte sich schon vor Ullrichs Einweisung schockiert gezeigt.

"Meines Erachtens hilft nur eins: Ulle muss sofort in eine geschlossene Anstalt, damit er nicht mehr frei draußen rumläuft. Der ist so unter Strom, der weiß gar nicht mehr, was er macht, glaube ich. Sonst endet das alles böse", sagte Thurau dem Kölner Express.

Es sei "alles nicht mehr normal, was der macht", sagte Thurau, der 20 Jahre vor Ullrichs Tour-Sieg 15 Tage lang das Gelbe Trikot durch Frankreich getragen hatte: "Das kommt nur durch das Kokain und die ganzen Drogen, die er sich reinhaut, und durch den Alkohol."