Max Hartung hatte sich bis auf Platz zwei der Fecht-Weltrangliste vorgearbeitet, bevor Olympia abgesagt wurde
Max Hartung hatte sich bis auf Platz zwei der Fecht-Weltrangliste vorgearbeitet © Getty Images
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Max Hartung hat schon früh seine Teilnahme für die Olympischen Spiele abgesagt. Nun setzt er sich für die deutschen Athleten ein und spricht über die Probleme.

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Eigentlich würde sich der ehemalige Fecht-Weltmeister Max Hartung gerade auf die Olympischen Spiele vorbereiten. 

"Zweimal am Tag Fechten, Athletiktraining mit Spitzenbelastung, viel Sprinten, Gewichtheben mit hohen Gewichten, solche Sachen", schilderte der WM-Sieger im Team von 2014 im Podcast "SPORT1 Corona Update" den Alltag, auf den er sich zu Beginn des Jahres eingestellt hatte - und der nun so ganz anders aussieht. 

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Der Grund: natürlich die Coronakrise und die Verschiebung der Spiele auf den nächsten Sommer. 

Langweilig ist Hartung deshalb noch lange nicht. Als Vorsitzender der Athletenkommission im Deutschen Olympischen Sportbund ist er derzeit ein viel gefragter Mann. Zudem steht er auch den "Athleten Deutschland" vor, einem von Athletenvertretern gegründeten Verein. 

Eine Rolle mit viel Verantwortung: "Ich glaube, so eine Power, wie wir sie jetzt haben, das ist weltweit einmalig." Der Verein, der sich für die Sportler und Sportlerinnen in Deutschland einsetzt, werde sogar vom Bund unterstützt: "Der Sportausschuss des Bundestages hat uns damals, und jetzt dann jährlich, 450.000 Euro zur Verfügung gestellt, damit haben wir ein ganz tolles Team angestellt." 

Wenn alle Pläne über den Haufen geworfen werden

Dieses Team sei gerade auch in der Krise stark gefordert. 

Denn die Absage des Saison-Highlights sei für die betroffenen Sportler alles andere als einfach zu verkraften. 

"Das Gefühl war eher total surreal, wie ein Science-Fiction-Film, wo man sagt: Jetzt wurde das nächste Flugtaxi erfunden und die Olympischen Spiele finden 2021 statt. Das fühlt sich so unecht an und ich komm irgendwie immer noch nicht drauf klar, was jetzt eigentlich die neue Welt ist."

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Nicht wie sonst auf den nächsten großen Wettkampf hinarbeiten zu können, sei "total ungewohnt". Vor allem, weil Spitzensportler auch ihr ganzes Privatleben um Events wie Olympia herum planen müssen. 

Dinge, wie zum Beispiel "zu heiraten oder nochmal zu studieren. Und jetzt durch die Verlegung sind erstmal die ganzen Lebenswege über den Haufen geworfen."

Die Angst vor dem mentalen Loch

Der ehemalige Weltklasse-Schwimmer Michael Phelps, der selbst unter Depressionen litt, hatte zuletzt davor gewarnt, dass Sportler durch die aktuelle Situation in ein tiefes mentales Loch fallen könnten. 

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"Ich habe in einem Interview einen guten Vergleich gelesen: Das ist wie jemand, der alle seine Anlagen in eine einzige Aktie steckt", sagte Hartung dazu: "Also wir sind so konzentriert auf die eine Sache, wenn die wegfällt, beim Karriereende oder jetzt durch diese besondere Situation der Pandemie, entsteht da ein Moment der Unsicherheit, mit dem vielleicht einige nicht so gut umgehen können."

Auch hier mache sich Athleten Deutschland Gedanken, wie man helfen könne: "Da ist es wichtig, aufzuklären, auch Sportler aufzuklären, damit die nicht in ein Loch fallen."

Hartung gab frühzeitig Olympia-Verzicht bekannt

Mit Blick auf die finanziellen Auswirkungen für die Sportler macht er sich noch keine allzu großen Sorgen. 

Hartung erklärt: "Die Anzahl von denen, die wirklich jetzt in Existenznot kommen, hält sich bisher in Grenzen. Wir sind aber auch auf der Hut." Als Sportler sei man nur mittelbar betroffen - wenn zum Beispiel Unternehmen, die als Sponsoren auftreten, insolvent gehen würden. 

Hartung hatte im Aktuellen Sportstudio des ZDF schon vor Absage der Spiele in Tokio angekündigt, nicht an den Wettkämpfen teilnehmen zu wollen - was ihm nicht leicht gefallen sei: "Ich muss schon sagen, dass ich schwitzige Hände hatte, als ich zum Aktuellen Sportstudio zugeschalten war." 

In dieser Entscheidung sieht er sich nicht erst seit der offiziellen Absage bestätigt - und auch an seiner Überzeugung, sich für die vielen Athleten in Deutschland einsetzen zu wollen, hat sich nichts geändert.