Bob Hanning glaubt nicht an eine Durchführung der Olympischen Spiele
Bob Hanning glaubt nicht an eine Durchführung der Olympischen Spiele © Getty Images
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München - Austragen oder verschieben? Olympia 2020 sorgt für mächtig Wirbel in der Sportwelt. Viele Athleten sind dagegen, doch es gibt auch Befürworter. SPORT1 gibt einen Überblick.

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Das Internationale Olympische Komitee hat erstmals eine Frist in der Diskussion um die Verlegung der Sommerspiele in Tokio genannt. Innerhalb der nächsten vier Wochen soll eine Entscheidung fallen, teilte das IOC in einem offenen Brief an die Athleten mit.

Einige Sportler wird das vermutlich zufriedenstellen, viele andere wiederum fordern eine sofortige Verschiebung der Olympischen Spiele. SPORT1 gibt einen Überblick über die Meinung von Athleten, Experten und Verbandsleuten.

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Für die sofortige Verschiebung von Olympia:

Bob Hanning (Vizepräsident DHB): "Es ist in den heutigen Zeiten völlig unrealistisch, Olympische Spiele stattfinden zu lassen. In Zeiten, wo Ausgangssperren verschärft werden, überhaupt darüber nachzudenken, ist fast schon amüsant. Es gibt keine Veranstaltung, die mehr für Zuschauer gemacht sein sollte, als Olympische Spiele. Olympia ohne Zuschauer stattfinden zu lassen, würde den olympischen Gedanken ad absurdum führen."

Jörg Roßkopf (Tischtennis-Bundestrainer): "Was sollen das für Spiele werden? Sie werden überhaupt keine Qualität haben. Mit Fairness hat das nichts zu tun, wenn halb Europa nicht trainieren kann, in Japan aber weitergemacht wird wie bisher. Olympia hat da nichts mehr zu suchen. Das lässt sich verschieben, da wird es für alles Notlösungen geben."

Fritz Sörgel bei SPORT1 (Doping-Experte): "Olympia kann nicht mehr stattfinden, weil der Wettbewerb komplett verzerrt ist. Man kann keinen Sportler vier Monate vor dem Wettbewerb im Unklaren lassen. Sportler bereiten sich auf den Tag pointiert vor. Das kann man Sportlern jetzt schon nicht mehr zumuten, dass sie sich ins Ungewisse hinein vorbereiten."

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Max Hartung (Fechter und Präsident der Vereinigung Athleten Deutschland): "Meine persönliche Sicht ist, dass man die Spiele verschiebt. Wann dafür ein guter Zeitpunkt ist, dafür braucht es den Rat von Virologen und einen tieferen Einblick in die vertraglichen Bindungen, die das IOC eingegangen ist."

Isabell Werth (Sechsmalige Dressur-Olympiasiegerin): "Ich setze auf die Vernunft der Entscheider im IOC und in Japan. Olympia im Juli ist unmöglich, das wissen wir alle, und ich bin sicher, das IOC und die Japaner wissen das auch und arbeiten an einer Lösung."

Patrick Hausding (Rekord-Europameister Wasserspringen): "Das ist alles nur noch Hinhaltetaktik. Es werden wirtschaftliche Faktoren gegen die Gesundheit der Sportler abgewogen. Ich bin mittlerweile der festen Überzeugung, dass die Olympischen Spiele verschoben werden müssen. Und zwar für ein Jahr."

Andreas Toba (Turner des Deutschen Turner Bundes): "Nach der für mich sehr berührenden Rede von Bundeskanzlerin Angela Merkel habe ich mir viele Gedanken gemacht. Angesichts der immer deutlicheren Ansagen der Politik, Medizin und Wissenschaft ist mir in den vergangenen Tagen klar geworden: Die Olympischen Spiele müssen verschoben werden."

Philipp Buhl bei (Segel-Weltmeister): "Olympia hat eine höhere Mission als nur die Medaillenvergaben. Olympia soll die Welt zusammenbringen und auch das ist aktuell kaum mehr möglich."

Alexander Kekule in der ARD (Virologe): "Ich halte das für ausgeschlossen, dass wir in Tokio dieses Jahr die Olympischen Spiele austragen können. Es gibt für Viren quasi kein tolleres Fest als so eine Veranstaltung."

Jens Lehmann (Bahnrad-Goldmedaillengewinner von Barcelona 1992 und Sydney 2000): "Verschieben Sie die Olympischen Spiele schnellstmöglich um mindestens ein Jahr, damit unsere Leistungssportler der Gesellschaft ohne den moralischen Druck – den gerade Sie durch Ihr Festhalten an den Olympischen Spielen aufbauen – in dieser Situation helfen können."

Thomas Kurschilgen (DSV-Leistungssportdirektor): "Neben relevanten sportlichen Argumenten" gebe es "weitere triftige Gründe dafür, sich für eine Verschiebung auszusprechen, wenn wir uns glaubwürdig in einer solidarischen Verantwortung zu den dramatischen Einschnitten in der Gesellschaft und in der Wirtschaft sehen."

Alle aktuellen Meldungen, Entwicklungen und Auswirkungen auf den Sport durch die Covid-19-Krise im Corona-Ticker!

Dagmar Freitag (Vorsitzende des Sportausschusses im Bundestag): "Bei allem Verständnis, dass eine Verschiebung der Spiele eine enorme Herausforderung auch für das IOC und das Organisationskomitee in Tokio darstellt, muss sie im Interesse der Athletinnen und Athleten kommen. Und zwar jetzt."

Michael Groß (dreimaliger Schwimm-Olympiasieger): "Viele Athleten können nicht oder schlecht trainieren, Qualifikationen können in vielen Sportarten nicht stattfinden, das globale Anti-Doping-System steht still, usw. ... Das schafft unfaire Bedingungen. JETZT die Spiele zu verschieben würde ALLEN den Druck nehmen. Jetzt ist anderes wichtiger als Olympia." 

Denise Schindler (Para-Radsportlerin): "Es ist unverantwortlich, uns Sportler und Sportlerinnen lange hinzuhalten. Unter diesen Umständen können die Spiele kein Fest werden. Die soziale Verantwortung gegenüber der ganzen Welt gebietet eine Absage."

Tim Hinchey (Vorsitzender des amerikanischen Schwimm-Verbandes): "Unsere Athleten stehen unter enormem Druck, Stress, und sie haben Angst. Ihre mentale Gesundheit und ihr Wohlergehen sollten aber höchste Priorität haben. Aufgrund dieser Sorgen bitten wir voller Respekt darum, dass das Olympische und Paralympische Komitee der USA für eine Verschiebung der Olympischen Spiele 2020 in Tokio um ein Jahr plädiert."

Sebastian Coe (Präsident des Leichtathletik Weltverbandes): "Die geplante Durchführung der Spiele ist in diesem Sommer weder machbar noch wünschenswert."

Carl Lewis (neunmaliger Olympiasieger Sprint und Weitsprung): "In diesem Jahr ist Olympia nicht zu halten, aber eine Verlegung auf nächstes Jahr wäre zu sehr erzwungen. Kein Athlet kann sich ohne reguläre Qualifikationen und ohne Wettkämpfe auf Olympia vorbereiten, das geht einfach nicht."

Global Athlete (Internationale Athletenvereinigung): "Unter den gegenwärtigen globalen Beschränkungen, die öffentliche Versammlungen einschränken sowie Trainingseinrichtungen und Grenzen schließen, haben die Athleten nicht die Möglichkeit, sich angemessen auf diese Spiele vorzubereiten. Ihre Gesundheit und Sicherheit müssen an erster Stelle stehen."

Johannes Herber (Geschäftsführer der Sportlergewerkschaft "Athleten Deutschland e.V."): "Auch wenn es eine harte Nuss wäre, die Qualifikationswettbewerbe nun komplett neu aufzurollen. Aber eine Verschiebung um ein Jahr würde eine größere Fairness garantieren."

Für die Austragung oder längeres Abwarten:

Thomas Bach im SWR (IOC-Präsident): "Die Absage würde den Olympischen Traum von 11.000 Athleten aus 206 Nationalen Olympischen Komitees und dem IOC-Flüchtlingsteam zerstören. Eine solche Absage wäre die am wenigsten faire Lösung. Für die aktuelle Situation gibt es keine idealen Lösungen. Olympische Spiele können Sie nicht verschieben wie ein Fußballspiel am nächsten Samstag."
   
Oliver Zeidler (Ruder-Weltmeister): "Wir Athleten sollten statt für eine Verschiebung der Spiele lieber darum kämpfen, Ausnahmegenehmigungen zu erhalten, um uns optimal vorbereiten zu können. Für mich sind die Olympischen Spiele und die Fackel ein Hoffnungsschimmer."

Maximilian Levy (Bahnradfahrer): "Ich hoffe, das IOC beugt sich nicht dem öffentlichen Druck, sondern nimmt sich die nötige Zeit für diese schwerwiegende Entscheidung. Wenn man jetzt absagt – da brechen Welten zusammen."

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Frank Stäbler (Ringer) bei SPORT1: "Ich gehe zwar davon aus, dass es prozentual unwahrscheinlich ist, aber weiterhin im Bereich des Möglichen, dass es in einer Woche schon wieder ganz anders aussieht. Und wenn man in wenigen Wochen den Status quo für alle Sportler wiederherstellen kann, dann müssen die Olympischen Spiele stattfinden. Wenn sich die Situation in der Woche aber weiter zugespitzt hat - und danach sieht es leider momentan aus – dann werde ich auch eine Verlegung der Spiele akzeptieren. Aber ich würde gerne noch ein paar Tage hoffen und beten."

Abner Xoagub (Präsident von Namibias NOK): "Alle afrikanischen Olympischen Komitees unterstützen den Antrag, mit den Spielen fortzufahren."

Thomas Konietzko (Präsident des Deutschen Kanu-Verbandes): "Stellen Sie sich vor, was das für ein positives Zeichen für die Welt wäre, wenn es uns gelingt, die Olympischen Spiele als erste Veranstaltung nach dieser weltweiten Krise stattfinden zu lassen."

Susanne Lyons (Vorsitzende des Olympischen und Paralympischen Komitees der USA (USOPC): "Ich denke, wir können dem IOC beipflichten und sagen, dass wir mehr Expertise und Informationen brauchen, als wir sie derzeit haben, um diese Entscheidung zu treffen."