Skeleton - Winter Olympics Day 8
Skeleton - Winter Olympics Day 8 © Getty Images
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Die Weltmeisterin verpasst die erhoffte Goldmedaille im Skeleton nur knapp. Trotzdem erweist Lölling ihrer Sportart mit ihrer Medaille einen großen Dienst.

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Mit der Faust voran flog Jacqueline Lölling durch den Zielbereich, in Superman-Pose schoss sie auf ihrem Skeleton-Schlitten bäuchlings an den jubelnden Fans vorbei. Im "Nervenkrieg" von Pyeongchang sollte es für das erste deutsche Olympiagold zwar nicht ganz reichen - doch Weltmeisterin Lölling raste gleich bei ihrem Debüt auf der größten Sportbühne zur Silbermedaille (SERVICE: Der Olympia-Medaillenspiegel). 

"Ich kann das kaum in Worte fassen", sagte die 23-Jährige später, noch immer aufgekratzt, "ich kann nicht glauben, was hier heute passiert ist. Diese zwei Tage, diese vier Läufe waren so hart. Und als ich wusste, dass die Medaille sicher ist, ist es mit mir durchgegangen."

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Yarnold unbezwingbar

Nur Sotschi-Olympiasiegerin Lizzy Yarnold war nicht zu schlagen, 0,45 Sekunden fehlten am Ende auf die 29-Jährige, die damit nationale Sportgeschichte schrieb: Nie zuvor hatte ein britischer Winter-Athlet zwei olympische Goldmedaillen gewonnen. Rang drei ging an Yarnolds Teamkollegin Laura Deas (+0,62 Sekunden).

Ein großer Tag für die Briten, die ihren Status als starke Skeleton-Nation untermauerten. Doch auch Lölling erwies ihrem Verband auf dem Weg zu künftigen Erfolgen einen großen Dienst. Denn das Abschneiden hat Einfluss auf die Sportförderung, und nach den enttäuschenden Winterspielen von 2014 "war eine Medaille sehr wichtig", sagte Lölling: "Die ganze Mannschaft hat deshalb vier Jahre lang hart gearbeitet, an allen Schrauben gedreht, ich habe das nicht allein geschafft."

Dritte deutsche Medaille für Skeletonis

Olympische Medaillen hatte es für Deutschland bislang nur 2010 in Vancouver gegeben, als Kerstin Szymkowiak und Anja Huber Silber und Bronze holten. Nach 2014 wurde ein personeller Umbruch vollzogen, und in Südkorea sorgte das junge Team nun für ein insgesamt starkes Ergebnis. Vizeweltmeisterin Tina Hermann (+0,70) und Anna Fernstädt (+0,76) belegten die Ränge fünf und sechs (SERVICE: Der Olympia-Zeitplan).

Lölling hatte zur Wettbewerbs-Halbzeit noch geführt, und auch vor dem letzten Lauf lag der erste deutsche Olympiasieg in der kleinsten Schlittensportart noch in der Luft. "Es war ein Nervenkrieg", sagte Lölling, die vor allem im zweiten und dritten Lauf etwas Zeit liegen ließ. Der vierte Durchgang gelang, doch Yarnold war am Ende zu stark.

Britische Rennanzüge haben verunsichert

Ausgerechnet Yarnold also, die nach ihrem Olympiasieg von 2014 ein wenig in der Versenkung verschwunden war, sich sogar für ein Jahr aus dem Sport zurückzog und wahrlich keinen beeindruckenden Olympiawinter hinlegte. Doch kurz vor Pyeongchang machten plötzlich Berichte über neue britische High-Tech-Rennanzüge die Runde, und offensichtlich waren diese tatsächlich ein Sieggarant.

"Dieses Thema geistert hier seit Tagen rum, ich wusste nicht, wie viel die Anzüge wirklich ausmachen", sagte Lölling, "aber die Briten haben wohl alles richtig gemacht."

Für Lölling setzte sich der steile Aufstieg dennoch fort. "Sie hatte ja einen Riesendruck als Weltmeisterin, Europameisterin, Gesamtweltcupsiegerin", sagte Tina Hermann, "das hat sie ganz stark gemacht." Vor rund drei Jahren erst hatte Lölling die internationale Bühne betreten. Und lässt den deutschen Skeletonsport auch in Zukunft vom ersten Olympiasieg träumen.