Lindsey Vonn wurde 2010 in Vancouver Olympiasiegerin in der Abfahrt
Lindsey Vonn wurde 2010 in Vancouver Olympiasiegerin in der Abfahrt © Getty Images
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Pyeongchang - Lindsey Vonn gewinnt in der Abfahrt von Pyeongchang noch einmal eine Olympia-Medaille, verpasst das erhoffte Gold aber deutlich. Stattdessen feiert eine Italienerin.

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Lindsey Vonn blickte im Ziel der Olympia-Abfahrt von Jeongseon bang auf die Anzeigetafel, dann sah sie dort mit Schrecken das rote Licht. Rückstand! Nur Platz zwei hinter Sofia Goggia aus Italien.

Der große Traum vom zweiten Gold in der alpinen Königsdisziplin war in diesem Moment geplatzt. 2926 Tage Quälerei - vergebens. Am Ende blieb Vonn dann gerade noch Bronze hinter Ragnhild Mowinckel aus Norwegen. (SERVICE: Der Olympia-Medaillenspiegel)

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Doch die entthronte Speed Queen bewies im Moment einer ihrer größten Niederlagen Größe. Sie zeigte umgehend auf die erleichterte Goggia, nickte ihr anerkennend zu, später folgte eine innige Umarmung. Und: Vonn lächelte dabei, sie erkannte Goggia als ihre rechtmäßige Erbin an, schien ihren Frieden mit dem Rennen gemacht zu haben. Später kamen ihr aber doch die Tränen.

Lindsey Vonn: "Habe alles gegeben"

"Es ist schwierig! Ich habe viele Emotionen. Ich bin aber sehr stolz, was ich geleistet habe. Die letzten acht Jahre waren nicht einfach für mich", sagte Vonn und betonte tapfer: "Ich habe alles gegeben - man kann nicht mehr als 100 Prozent geben."

Nach der Sensationsfahrt von Mowinckel, die nur 0,09 Sekunden hinter Goggia lag, reichte es für Vonn (+0,47) am Ende nur zu Rang drei. Dabei war sie hergekommen, um acht Jahre nach Vancouver erneut Gold zu holen und die Spiele von 2014, die sie verletzungsbedingt verpasst hatte, vergessen zu machen. (SERVICE: Der Olympia-Zeitplan)

Stattdessen jubelte Goggia über die erste Abfahrtsgoldmedaille einer Italienerin - und das war alles andere als eine Überraschung. Die 25-Jährige aus Bergamo, nur 1,69 Meter groß, führt den Abfahrtsweltcup vor Vonn an. Mit ihrer wilden, oftmals zu riskanten Fahrweise hat sie die Konkurrenz schon oft das Fürchten gelehrt und drei Abfahrten im Weltcup gewonnen, darunter die Generalprobe in Jeongseon vor einem Jahr.

Goggia stolz nach Premieren-Gold

"Ich bin natürlich stolz, dass ich die erste italienische Abfahrts-Olympiasiegerin bin", sagte die zunächst zurückhaltende Goggia, erste Italienerin mit Olympiagold seit Daniela Ceccarelli 2002 im Super-G. Und sie bekannte: "Als Mowinckel gefahren ist, habe ich mir nur gedacht: Bitte, Jesus, lass mir die Goldmedaille." Ihr Stoßgebet wurde erhört.

Goggia musste noch mehrfach bangen, als das Rennen bereits gelaufen schien. Zunächst um ihre Teamkolleginnen Nadia Fanchini und Federica Brignone, die bei ihren Stürzen aber offenbar unverletzt blieben - und dann eben wegen Mowinckel.

Die Zweite des olympischen Riesenslaloms lag bei der letzten Zwischenzeit den Hauch von 0,04 Sekunden hinter Goggia, kam aber mit einer etwas weiteren Linie vor dem Zielsprung nicht mehr heran. Doch auch ihr zweites Silber nach dem Riesenslalom feierte sie wie Gold. "Unglaublich, ich bin so überrascht", sagte die Norwegerin.

Rebensburg und Weidle abgeschlagen

Und Viktoria Rebensburg?

"Einem coolen Rennen steht nichts entgegen", hatte sie nach der Besichtigung der 2775 m langen Strecke noch gesagt. Nun, es wurde aus ihrer Sicht eher uncool. Platz neun (+1,42) - nach den Plätzen vier und zehn in Riesenslalom und Super-G die nächste Enttäuschung. Und das im wohl letzten olympischen Rennen ihrer Karriere.

"Mit einem vierten Platz heimzufahren ist immer blöd und schade", sagte sie geknickt. Kira Weidle wurde Elfte (+1,79).