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Serien-Weltmeister Francesco Friedrich und Anschieber Thorsten Margis werden Olympiasieger im Zweierbob. Deutschland muss sich die Goldmedaille jedoch teilen.

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Francesco Friedrich hüpfte vollkommen losgelöst durch die Eisrinne, dann schnappte er sich eine Deutschland-Fahne und fiel seinem Anschieber Thorsten Margis um den Hals.

Nach einer famosen Aufholjagd ist der siebenmalige Weltmeister zeitgleich mit dem Kanadier Justin Kripps in der spannendsten Entscheidung der olympischen Bob-Geschichte zum Zweier-Gold gerast. Die Schmach von Sotschi ist dank "Friedrich dem Großen" getilgt, eine Pleite von Pyeongchang wird es nicht geben.

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"Wir haben uns zurückgekämpft, das ist unsere Stärke. Das ist fantastisch", sagte Friedrich und ergänzte mit Blick auf Kripps: "Es ist die pure Freude. Jedes Jahr kämpfen wir gegeneinander, jetzt sind wir beide Olympiasieger. Verrückt."

Friedrich und Kripps lagen nach vier Läufen 0,05 Sekunden vor dem Letten Oskars Melbardis. (Zeitplan der Olympischen Spiele)

Nico Walther (Oberbärenburg/+0,20) mit Anschieber Christian Poser und Johannes Lochner (Stuttgart/+0,28) mit Christopher Weber fuhren auf den Rängen vier und fünf an Bronze vorbei.

Nur einmal zwei Sieger

Zwei Olympiasieger im Zweier hatte es zuvor nur 1998 in Nagano gegeben, als Pierre Lueders (Kanada) und Günther Huber (Italien) zeitgleich auf Rang eins lagen. Durch seinen Erfolg ist Friedrich der siebte deutsche Pilot, der Olympiasieger im kleinen Schlitten wurde.

Zuletzt hatte Andre Lange 2010 in Vancouver Gold gewonnen, bevor das deutsche Bob-Team vier Jahre später in Sotschi erstmals seit 50 Jahren ohne Medaille blieb.

Für Friedrich sah es nach zwei Läufen ebenfalls nicht gut aus, als er nur auf Rang fünf lag. Der 27-Jährige aus Oberbärenburg wechselte aber noch einmal die Kufen und lag damit im wahrsten Sinne des Wortes goldrichtig. (Medaillenspiegel der Olympischen Spiele)

Bundestrainer Rene Spies jubelte danach im Ziel ebenfalls ausgelassen, die harte Arbeit der vergangenen vier Jahre hatte sich gelohnt.

Krimi

In den letzten beiden Durchgängen entwickelte sich der von Friedrich angekündigte "Krimi". Walther, dessen Bob am Sonntag bei 140 Sachen in der Zielkurve gestürzt war, musste seine Halbzeitführung abgeben.

Der frühere Rodler zeigte zwar keinen schlechten dritten Lauf, aber da Walther der mit Abstand langsamste Starter der Sieganwärter war, fiel er von Platz eins auf fünf zurück.

Lochner blieb nach einer soliden Fahrt auf dem Bronzerang, während Friedrich auf der schwierigen Bahn im Alpensia Sliding Centre seine Aufholjagd startete und mit Bahnrekord von Rang fünf auf Platz zwei fuhr.

"Ich muss über Nacht die Fehler ausmerzen", hatte Friedrich nach zwei mäßigen Läufen am ersten Tag gesagt.

Walther und Lochner mit Fehlern

Walther offenbarte auch im vierten Lauf erneut Schwächen am Start, Lochner erlaubte sich zu viele Fehler, doch Friedrich behielt die Nerven und belohnte sich gemeinsam mit Kripps in einer nervenaufreibenden Entscheidung mit Gold.

Die gute Vorstellung der deutschen Piloten kam nicht von ungefähr. Das enttäuschende Abschneiden in Sotschi sei "seit vier Jahren unser Treibstoff, der Antrieb, alles besser zu machen", sagte Spies, der 2014 noch im Stab des damaligen Chefs Christoph Langen war.

An zwei großen Schrauben wurde gedreht: Das Athletiktraining wurde verfeinert, um die Startleistungen zu verbessern. Und die damals hoffnungslos unterlegenen Bobs des staatlich finanzierten Stammausrüsters FES wurden kostspielig ergänzt durch Geräte des österreichischen Herstellers Wallner.

Beide Systeme werden nun bei Olympia genutzt, für Friedrich zahlte es sich aus.