Franziska Preuß verhindert mit kühlem Kopf eine frühe Disqualifikation der deutschen Staffel, indem sie ihre Extrapatrone wieder rausrepetiert
Franziska Preuß verhindert mit kühlem Kopf eine frühe Disqualifikation der deutschen Staffel, indem sie ihre Extrapatrone wieder rausrepetiert © Getty Images
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Die deutschen Biathletinnen verpassen das erhoffte Edelmetall in einer chaotischen Staffel klar. Da hilft auch der starke Auftritt von Schlussläuferin Laura Dahlmeier nichts.

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Hoch gehandelt, tief gefallen: Die Goldhoffnungen der deutschen Frauen-Staffel um Doppel-Olympiasiegerin Laura Dahlmeier wurden vom Winde verweht.

Das favorisierte Quartett mit Dahlmeier, Franziska Preuß, Denise Herrmann und Franziska Hildebrand belegte im Schneetreiben von Pyeongchang nach einer katastrophalen Schießleistung und drei Strafrunden nur den enttäuschenden achten Platz.

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Statt des dritten Olympiasieges einer deutschen Staffel nach 1998 und 2002 wurden Erinnerungen an den völlig verkorksten Auftritt von Sotschi wach. Vor vier Jahren landete das DSV-Team auf Rang elf.

Kati Wilhelm ist Rekord los

"Es waren keine einfachen Bedingungen. Mir war schon klar, dass ich selbst mit einem perfekten Rennen nicht mehr aufs Podium kommen kann. Es ist für alle vier keine tolle Situation. Das muss jeder für sich selber verarbeiten und daraus lernen", sagte Dahlmeier im ZDF. "Die drei Mannschaften auf dem Podium sind mit den Bedingungen fertig geworden."

Die Schlussläuferin verpasste trotz ihrer Aufholjagd im Alpensia Biathlon Centre nach Gold im Sprint und der Verfolgung sowie Bronze im Einzel ihre vierte Medaille, damit wäre sie zur erfolgreichsten deutschen Winter-Olympionikin bei einer Olympia-Ausgabe avanciert (Medaillenspiegel von Pyeongchang 2018).

Gold ging nach 4x6 km an Weißrussland vor Schweden (+10,7 Sekunden) und Frankreich (+17,6). Für die weißrussische Schlussläuferin Darja Domratschewa war es nach dreimal Gold in Sotschi der vierte Olympiasieg. Domratschewa (4-1-1) löste damit Kati Wilhelm (3-3-1) als erfolgreichste Biathletin der Olympia-Geschichte ab. Das erfolgsverwöhnte deutsche Quartett lag im Ziel satte 53,9 Sekunden zurück.

Preuß kurios aus der Fassung gebracht

Das Rennen begann für das deutsche Team denkbar schlecht. Preuß traf beim Liegendschießen zwar alle fünf Scheiben, dachte aber, dass sie eine verfehlt hätte und lud nach. Als sie den Irrtum bemerkte, musste sie eine Patrone herausrepetieren, um einer Disqualifikation zu entgehen. "Das hat mich alles aus dem Konzept gebracht", sagte die niedergeschlagene Preuß.

Die Verunsicherung nahm sie mit in den Stehendanschlag und musste trotz der drei Nachlader in die Strafrunde. Die Vierte im Einzel-Rennen über 15 km wechselte mit einem Rückstand von 51,8 Sekunden auf Rang eins auf Herrmann. "Ich habe meinen Kopf nicht mehr klar bekommen. Es war von Anfang an der Wurm drin. Das tut mir so leid", sagte Preuß.

Ex-Langläuferin Herrmann erging es nicht besser. Sie hatte ebenso wie viele Konkurrentinnen angesichts zwischenzeitlicher Böen große Probleme beim Stehendschießen. Herrmann musste ebenfalls einmal in die Strafrunde und hatte bei ihrem Wechsel auf Hildebrand deutlich über eine Minute Rückstand auf die Spitze. 

Starke Dahlmeier kann Ruder nicht mehr rumreißen

"Ich habe meine Mündung nicht beruhigt bekommen. Dann kam der Wind und die Nerven. Es war extrem schwierig", sagte Hermann, die nach der Übergabe im Rennen auf "Schadensbegrenzung" hoffte (Zeitplan der Olympischen Spiele).

Hildebrand patzte allerdings schon bei ihrem Liegendschießen, auch sie musste in die Strafrunde. Schlussläuferin Dahlmeier verfolgte das "Schießdrama" hilflos beim Aufwärmen. Hildebrand übergab nach einem guten Stehendanschlag als Elfte mit 1:12,2 Minuten Rückstand auf Dahlmeier.

Die siebenmalige Weltmeisterin lief ein hervorragendes Rennen und kämpfte sich noch einmal heran. Dahlmeier ging beim letzten Schießen aber volles Risiko und musste einmal nachladen. Für eine Medaille reichte es nicht mehr.