Triathleten stürzen sich in die Fluten
Triathleten stürzen sich in die Fluten © sergio souza
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Schon klar, in dieser Rubrik geht’s eigentlich um Randsportarten und Triathlon ist olympisch. Trotzdem sind Triathleten auf typischen Elternabenden oder Karnevalsveranstaltungen eher selten anzutreffen.

Für uns Indiz genug, die Sportart mit den drei Disziplinen näher zu beleuchten. Wer weiß, vielleicht ist das ja was für dich. 

Darum geht’s

Der Triathlon besteht im Wesentlichen aus Shopping und Training. Schließlich muss man sich hier fürs Schwimmen, Fahrradfahren und Laufen ausrüsten und das mindestens auf Profi-Niveau. Denn anders ist die maximale Performance einfach nicht abrufbar. Das Schöne dabei: Selbst wer bereits für alle Einzeldisziplinen ausgerüstet ist, hat dank unterschiedlichem Reglement die volle Legitimation, sein gesamtes Equipment noch mal neu zu kaufen. Schreibt die UCI äußerst detailliert vor, wie ein Rennrad auszusehen hat, sind beim Triathlonrad ganz andere Rahmenformen, Lenker und Gewichtsbereiche erlaubt – wer das nicht ausnutzt, hat schon vor dem Startschuss verloren. Dasselbe gilt fürs Schwimmen. Ohne Neo und Pullboj outet man sich sofort als Amateur. Wer Schuhe mit herkömmlichen Schnürsenkeln statt Schnellverschluss nutzt, verschenkt auch hier wertvolle Hundertstel.

Ist erst mal ein halbes Jahresgehalt ins Equipment investiert, muss das natürlich auch genutzt werden. Vorzugsweise dann, wenn sich Verwandtenbesuch ankündigt, der Rasen gemäht werden sollte oder wenn ein kulturell bedeutsamer Museumsbesuch auf der Agenda steht. Doch hier greift zum Glück das breite Spektrum der Anforderungen: Mit drei verschiedenen Sportdisziplinen kann man rund um die Uhr verschiedenste Muskelgruppen und Ausdaueraspekte trainieren und befindet sich trotzdem immer im Trainingsrückstand.

Das ist besonders gut

Meistens der Kuchen. Das Schöne am absurd umfangreichen Trainingsplan ist nämlich, dass hier so viele Kalorien verbrannt werden. Dadurch ist der eine oder andere Cheat-Day völlig legitim. Wer bei der Sahne doch mal übertreibt, kann sein Gesamtgewicht dank breitem Angebot an Carbon-Equipment ganz einfach wieder reduzieren.

Auch gut: Viele Triathleten integrieren ihren Arbeitsweg ins Training. Anders sind die immensen Umfänge oft nicht zu schaffen. Doch diese Strategie hat noch einen weiteren Nebeneffekt: Sie reduziert die CO2-Bilanz der täglichen Pendler.

Sonst noch was? Ja, bei so viel Ausdauersport werden Stresshormone geradezu pulverisiert. Zugleich verbessert sich die Konzentrationsfähigkeit und das Runners-High wird zum ständigen Begleiter. Trotzdem sollte die Kehrseite des Ganzen nicht unerwähnt bleiben: Durch die langen Belastungen führt der Triathlon doppelt so oft zum Herzstillstand wie der Marathon. 

Das brauchst du unbedingt

Wie bereits angesprochen, führt kein Weg an einem gewissen Equipment vorbei. Absolut unabdingbar sind: Schwimmhaube, Schwimmbrille, Antifog-Spray, Badehose, ggf. Sportsbra, Triathlonanzug, Neoprenanzug, Pullboj, Nasenklemme, Handpaddles, Kurzflossen, Ohrenstöpsel, Badeschuhe, GPS-Uhr mit Pulsmesser, wasserdichter Schwimmrucksack, Handtücher, Wärmemantel, Bodyglidestift, Triathlonrad mit Triathlonlenker, Trinksystem und 99% Carbonanteil, Radschuhe, Radhandschuhe, Radhelm, CO2-Kartusche, Keramik-Kettenöl, Ersatzschlauch, Sonnenbrille, Sonnencreme, Trinkflasche, Navi, Rollentrainer, Startnummernband, Energy-Gels, Powergel-Shots, Salztabletten, Elektrolytedrink-Pulver, Theraband, Blackroll, Laufschuhe mit Schnellschnürsystem, Kompressionsstrümpfe, Visor, Software zur Trainingsplanung und ein Laptop zur Trainingsauswertung.

Das Mekka der Szene

Ganz klar: Der Ironman auf Hawaii. Jeder kennt ihn, jeder Triathlet träumt davon, hier mit Bestzeit zu finishen. Ein weiteres Highlight im Eventkalender ist die Challenge Roth. Die schnelle Strecke hat sowohl bei den Damen als auch bei den Herren zur Weltrekordzeiten geführt. Ganz anders präsentiert sich der Norseman Xtreme Triathlon. Auf der Ironmanstrecke über 3,8 km Schwimmen, 180 km Radfahren und 42,2 km Laufen haben die Organisatoren ein unvergessliches Erlebnis zusammengestellt: Los geht’s mit einem Sprung von der Fähre ins eiskalte Seewasser, die Radstrecke beinhaltet etliche Höhenmeter und das Ziel befindet sich auf dem Gipfel des Gaustatoppen. Schnee(fall) ist hier eher die Regel als die Ausnahme. Darum funktioniert die Anmeldung nur mit Support-Team.

Auf keinen Fall

Brustschwimmen ist ein No-Go. Genauso wie ein Zickzack-Kurs auf dem Weg zur nächsten Boje, denn der resultiert meist in blauen Flecken. In der Wechselzone darf auf keinen Fall aus dem Stand aufs Rad gestiegen werden. Vielmehr wird aus dem vollen Lauf in den Sattel gesprungen. Auch wenn der eine oder andere bei diesem Manöver seine Familienplanung abschließt, lassen sich hier wertvolle Hundertstel sparen. Unabhängig vom Wetter ist es untersagt, an der Verpflegungsstation nur zu trinken. Für den echten Triathlon-Look muss mindestens ein Becher Flüssigkeit über Kopf und Nacken gekippt werden. Nach dem Wettkampf darf die Startnummer auf dem Oberarm unter keinen Umständen abgewaschen werden. Sie dient in den folgenden 6 – 8 Wochen in Kombination mit ärmellosen Oberteilen bei Grillfesten und vor dem Kopierer als wertvoller Gesprächsaufhänger.

Helden

Einer der erfolgreichsten Triathleten aller Zeiten ist Mark Allen. Der Amerikaner gewann neben vielen anderen Rennen sechs Mal den Ironman auf Hawaii – so oft wie kein anderer Starter. 1997 stand Thomas Hellriegel als erster Deutscher auf Hawaii ganz oben auf dem Siegerpodest. Sein prominentester Nachfolger ist Olympiasieger Jan Frodeno. Er triumpierte drei Mal auf Hawaii und hält mit 7:35:39 Stunden auch die Weltbestzeit auf der Langdistanz. 2017 und 2018 holte sich Patrick Lange den Sieg in Kona. Bei den Damen hat Paula Newby-Fraser mit acht Siegen in den 90ern eine ganze Epoche geprägt. Nach ihr konnte die Schweizerin Natascha Badman sechs Mal das historische Rennen gewinnen. Aktuell gibt Daniela Ryf bei den Ladies den Ton an.

Wichtiges Smalltalk-Wissen

Bereits in den 1920er Jahren gab es in Frankreich Wettbewerbe, die drei Sportarten kombinierten. Doch diese Events konnten sich damals noch nicht durchsetzen und verschwanden in den darauffolgenden Jahren wieder. Frischen Wind bekam der Triathlon dem Mythos zu Folge erst wieder durch Soldaten, die auf Hawaii stationiert waren und herausfinden wollten, welcher von ihnen der beste Sportler war. Um die Stärken der verschiedenen Athleten auszugleichen, einigte man sich im Februar 1978 darauf, den Waikiki Roughwather Swim, das Around-Oahu Bike Race und den Honolulu-Marathon zu verbinden. Der Sieger durfte sich im Anschluss offiziell Ironman nennen. Das ist auch heute noch so. Das dramatischste Duell auf dieser Strecke fand 1997 zwischen Wendy Ingraham und Sian Welch statt: Beim Kampf um Platz 4 brachen beide auf der Zielgeraden erschöpft zusammen und krochen auf allen Vieren ins Ziel, wo Welch mit knappem Vorsprung ankam.

Triathlon eignet sich perfekt für alle, die…

… aktuell noch über zu viel Geld und Freizeit verfügen, aber trotz Midlifecrisis nicht Motorrad fahren wollen. Mit dem Einstieg über die Sprintdistanz lässt sich der Aufwand bis zum Quadruple Deca Ultratriathlon (154,49 km Schwimmen, 7209,9 km Radfahren, 1687,8 km Laufen) beliebig steigern. Kinder können ab 6 Jahren an Events teilnehmen, allerdings ist das Angebot an Carbon-Equipment in dieser Leistungsklasse sehr überschaubar, was den Spaß natürlich deutlich reduziert. Wer nicht gleich über die Ironmandistanzen einsteigen will, findet einen entspannteren Einstieg bei Sprintwettbewerben mit 750 Metern Schwimmen, 20 km Radfahren und 5 km Laufen.

Ist das vielleicht auch was für dich? Oder denkst du eher über ein 125er Moped nach, das man jetzt auch mit Auto-Führerschein fahren darf?