Mit dem Splitboard auf Powdersuche
Mit dem Splitboard auf Powdersuche © Tobias Graser
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In den kommenden Wochen stellen wir euch hier Sportarten vor, die sich etwas abseits vom Mainstream bewegen, aber es wert sind, einmal ausprobiert zu werden.

Splitboarden macht den Anfang. Die Tourenvariante des Snowboardfahrens erlebt seit einigen Wintern einen Riesenhype. Für uns die perfekte Steilvorlage, um das mal genauer anzuschauen – hier erfährst du alles, was du wissen musst, um mitreden zu können:

Darum geht’s

Splitboarden ist Tourengehen mit dem Snowboard. Damit das funktioniert, kann das Brett der Länge nach geteilt werden. Die gängigste Konstruktion besteht aus zwei Boardhälften, daneben existieren auch dreiteilige Modelle. Die Bindung sitzt auf einer Art Schlitten, der in der Abfahrt über entsprechende Pucks geschoben wird und so die Boardhälften zusammenhält.

Im Aufstiegsmodus wird die Bindung dagegen per Zapfengelenk mit dem Brett verbunden so dass die Zehen fixiert sind, während sich die Ferse frei bewegen kann. Die so gewonnene Bewegungsfreiheit entspricht in etwa der einer Skitourenbindung von 1985. Felle sorgen auf dem Weg nach oben für den nötigen Grip, während Stöcke die Balance erleichtern. Letztere werden am Gipfel zusammengeschoben und landen dann im Rucksack.

Das ist besonders gut

Ehrlich gesagt erfordert Splitboarden durchaus eine gewisse Leidensfähigkeit: Die Boardhälften sind schwerer und breiter als vergleichbare Tourenski, vorhandene Spuren sind meistens zu eng, Traversieren auf eisigen Hängen gleicht einem Himmelfahrtskommando und so gut wie kein Snowboardstiefel ist für den Aufstieg konstruiert. Warum also das Ganze?
Auf diese kurze Frage gibt es einen ganzen Gulaschtopf von Antworten: Die offensichtlichste ist der Powder. Nur ganz wenige Ski kommen an das Abfahrtserlebnis hin, das sich mit jedem Splitboard ab dem ersten Turn einstellt: Pure Freude.
Hinzu kommt das Gefühl der Freiheit. Im offenen Gelände gibt es keine ausgeschilderten Abfahrten und keine Begrenzungen. Jeder kann sich im Rahmen eines sinnvollen Risikomanagements seine eigene Line suchen und die genau so fahren, wie er sich das vorstellt. Abgesehen davon ist es einfach unglaublich befriedigend, sich seine Runs selbst zu erarbeiten.

Frische Spuren sind die Schönsten
Frische Spuren sind die Schönsten © Tobias Graser

Das Mekka der Szene

Gemessen an den Verkaufszahlen leben die meisten Splitboarder in den Alpen. Traditionell bildet die Schweiz einen Hotspot, was vermutlich am brachialen Terrain genauso wie an der kaufkräftigen Klientel liegt. Aber auch in Tirol kommen immer mehr Snowboarder auf den Geschmack. Davon abgesehen träumt jeder Splitboarder von einem Trip nach British Columbia, um im Backcountry nach unverspurten Hängen zu suchen, bevor der Tag an der Bar einer Luxus-Lodge ausklingt.

Auf keinen Fall

Auf gar keinen Fall sollte man sich ohne entsprechende Ausbildung und ohne funktionierende LVS-Ausrüstung ins freie Gelände stürzen. Zur Grundausstattung gehört für jeden Teilnehmer einer Tour ein LVS-Gerät, eine Alu-Schaufel und eine Sonde. Sinnvolle Ergänzungen sind ein Helm sowie ein Airbagrucksack. Noch wichtiger als die bunten Goodies ist aber ein Know-how, welches verhindert, dass diese Dinger überhaupt zum Einsatz kommen. Da letzteres nicht vom Himmel fällt, lohnt sich ein Kurs bei einer Bergschule, dem Alpenverein oder einer entsprechenden Instanz.

Baumwollunterwäsche und Baggyhosen funktionieren ebenfalls miserabel. Wer beides ersetzt, ist auf dem richtigen Weg. Skitourenführer haben auch so ihre Tücken, denn nicht jede Tour, die sich für Skifahrer eignet, ist auch für Snowboarder perfekt. 5 Touren, auf denen auch Splitboarder ihren Spaß haben, findest du hier

Helden

Als einer der ersten hat sich Xavier de Le Rue mit dem Splitboard an richtig haarige Abfahrten gewagt und ist dadurch zu einem unsterblichen Ruf gekommen. Will Ritter erfand die erste Splitboardbindung, die den Verbindungsschlitten bereits in der Grundplatte integriert hat und damit das Gewicht um knapp 50% reduziert. Jeremy Jones ist ein weiterer Freerider, der nicht nur sportlich, sondern auch im Business punktet. Seine Boards zeichnen sich nicht nur durch hohe Qualität, sondern vor allem durch ihr cremiges Design aus.

Wichtiges Smalltalk-Wissen

Kein Witz: die ersten Splitboards bestanden aus drei Teilen und wurden in den 80er Jahren in Bayern gebaut. Nach wenigen Prototypen verfolgten die Erfinder das Konzept aber nicht besonders enthusiastisch und so schlief die Sache erst mal wieder ein. Der große Durchbruch kam erst einige Jahre später, als Brett "Kowboy" Kobernik in Utah Boards in zwei Hälften schnitt und dazu eine robustes und sehr funktionales Verbindungssystem erfand. Sein Voilé-System setzt bis heute den Standard für Splitboardverbindungen.

Splitboarden eignet sich perfekt für alle, die…

…ihren eigenen Weg gehen. Den älteren Semestern kommt vor allem die Ausdauerkomponente des Splitboardens entgegen. Spätestens, wenn man sich nicht mehr gedankenlos über jeden Kicker haut, ist Splitboarden eine willkommene Alternative. Spannende Snowboardabenteuer sind dann selbst jenseits der 35 möglich. Aber auch Powdernerds, die keine Lust haben, sich bei Neuschnee im Skigebiet um die Firstlines zu prügeln, finden im Splitboarden eine gute Lösung. Eigentlich lohnt es sich für jeden, der Spaß am Powdern hat, hier mal reinzuschnuppern.

 

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