Das fehlt gerade - Gipfelglück mit grandioser Aussicht
Das fehlt gerade - Gipfelglück mit grandioser Aussicht © DAV Summit Club
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Die Ursprünge des DAV Summit Clubs liegen bereits mehr als 60 Jahre zurück. Heute nutzen ca. 15.000 Kunden jährlich die Services des Reiseanbieters. Natürlich haben die Ausgangsbeschränkungen auch hier einen starken Einfluss auf das Geschäft.

Darum haben wir mit Kathrin aus dem Marketing gesprochen und sie gefragt, wie der DAV Summit Club mit der aktuellen Situation umgeht und welche Tipps sie für Outdoorsportler hat.

Der Claim des DAV Summit Clubs lautet: „Die Berge sind unser Zuhause“. Wie geht ihr damit in der aktuellen Situation um? Bzw. was sind derzeit eure größten Herausforderungen?

Die Sehnsucht nach Berg- und Skitouren ist natürlich bei unseren Kunden genau wie bei uns selbst immer groß. Nichtsdestotrotz sind wir uns unserer Vorbildfunktion bewusst. Darum haben wir Mitte März alle Reisen komplett gestoppt. Die größte Herausforderung dabei war die Rückholung von ca.100 Kunden, die noch in den Bergen der Welt unterwegs waren. Aber das hat zum Glück sehr gut funktioniert, so dass alle gesund zuhause angekommen sind. Seitdem besteht unsere Hauptaufgabe darin, gebuchte Reisen abzusagen. Aber die allermeisten haben großes Verständnis dafür und freuen sich, dass wir keine Gutscheinlösungen anbieten, sondern dass sie bei uns ihr Geld zurückbekommen. Das Ganze finanzieren wir aus eigenen Mitteln ohne Subventionsprogramme.

Seit Anfang der Woche dürfen Bergführer in Bayern wieder einzelne Gäste führen – wirkt sich das auf eure Touren aus?

Diese Lockerung ändert für uns erst mal nichts, da wir aufgrund der Reisewarnung aktuell überhaupt keine Reisen durchführen. Bis 14. Juni sind alle unsere Angebote abgesagt. Aber wir nutzen die Zeit, um neue Kurse und Bergerlebnisse in Deutschland auf die Beine zu stellen. Das hat dazu geführt, dass wir jetzt ein umfangreiches neues Programm unter dem Motto „Urlaub daheim“ anbieten können. Die Reisen führen nach Berchtesgaden, in den Bayerischen Wald oder ins Allgäu. Los geht‘s Mitte Juni. D.h. wir sind auf jeden Fall optimistisch, dass wir im Sommer in unseren heimischen Bergen unterwegs sein können. Darüber hinaus gehen wir davon aus, dass der Bergsommer in Österreich Ende Juni beginnen kann. Bei unseren Nachbarn dürfen die Beherbergungsbetriebe Ende Mai öffnen, dazu gehören dann auch die Hütten. Im Moment gibt es noch keine konkreten Vorgaben, aber wir vermuten, dass ein Bergführer mit einer Kleingruppe Touren durchführen kann. Auch wenn dann spätestens auf der Hütte die Maske Pflicht wird und wenn die Lagerübernachtungen wegfallen.

Wie groß ist der Anteil an Fernreisen im Sortiment?

Bei uns ist das Alpenprogramm schon immer deutlich umfangreicher als das Angebot an Fernzielen. Ca. 70% unserer Reisen finden in den Alpen statt. Die meisten in Deutschland und Österreich, darum sind wir zuversichtlich, dass unser neues Angebot auch in Zukunft gut aufgenommen wird. Bei weiteren Zielen in Europa oder ferneren Ländern müssen wir uns noch etwas gedulden. Hier gibt es zwar einzelne positive Signale von verschiedenen Regionen. Doch wir gehen davon aus, dass europaweite Reisen diesen Sommer noch stark eingeschränkt bleiben.

Wie hat sich euer Angebot durch die aktuelle Situation verändert?

Bisher haben wir uns vor allem darauf konzentriert, ein attraktives Angebot in der Region zusammenzustellen. Dazu gehören Rundwanderungen und Vorbereitungskurse für Alpenüberquerungen oder ein Training zur Überwindung von Höhenangst. Genauso wie die Zugspitze an einem Tag. Auch unser Programm an MBT-Techniktrainings ist jetzt deutlich umfangreicher. Diese Kurse finden in Oberammergau und Lenggries sowie im Spitzing statt.

Dazu haben wir in der letzten Zeit vor allem in Instagram-Stories Basiswissen zum Bergsteigen vermittelt. Dazu gehören z.B. die LVS-Suche oder Kartenkunde genauso wie Orientierung im Gelände. So kann man sich bereits im Vorfeld einem Thema nähern und es dann in den Kursen vor Ort vertiefen. Tutorials zum Rucksackpacken, Klettern und Klettersteiggehen findet man bei uns im Netz. Und auch der Blog wurde in den letzten Wochen um etliche Reiseberichte ergänzt. Da gibt es jetzt jede Menge Inspiration zum Planen und Träumen.

Viele Outdoor-Abenteuer warten schon darauf erlebt zu werden
Viele Outdoor-Abenteuer warten schon darauf erlebt zu werden © DAV Summit Club

Viele Kinder sind bereits seit sechs Wochen zuhause. Hast du Tipps für Familien, die jetzt gern in die Berge gehen würden?

Aktuell sind Wanderungen in den heimischen Bergen wieder möglich – wenn man sich an ein paar grundlegende Regeln hält. Wichtig dabei: Abstand halten und eine defensive Tourenplanung mit viel Flexibilität, aber letzteres ist beim Wandern mit der Familie in der Regel immer geboten. In den bayerischen Voralpen gibt’s ein schier unermessliches Angebot für Familien. Mein Tipp ist der Hirschhörnlkopf (1515 m) - eine wunderschöne Rundwanderung in der Jachenau über einen leichten, aber abwechslungsreichen Steig. Oben gibt’s eine super Aussicht und die Tour hat eine Südlage. Damit ist sie ideal fürs Frühjahr.

Bei allen Unternehmungen sollte man allerdings einplanen, dass die Hütten aktuell noch geschlossen haben. Also unbedingt genügend Brotzeit einpacken zum Beispiel ein Dinkel Bergbrot, das jeder leicht selber herstellen kann. Und dran denken, dass nordseitig oberhalb von 1.500 Metern noch ziemlich viel Schnee liegt. Mehr dazu findet ihr hier. Weitere Empfehlungen des DAV zum Bergsport in Zeiten des Corona Virus gibt’s hier.

Wie kann die Outdoor Community euch jetzt unterstützen?

Wir freuen uns, dass die Outdoor Community mit ihrem Verzicht auf Bergsport in den letzten Wochen dazu beigetragen hat, dass jetzt bereits erste Lockerungen der Ausgangsbeschränkungen möglich sind. Darum wünschen wir uns, dass sich auch in Zukunft alle auch an die gelockerten Maßnahmen halten, damit wir so schnell wie möglich wieder gemeinsam in die Berge können.

Nach heutigem Stand gehen wir davon aus, dass unsere Programme im Sommer in Deutschland und Österreich wie geplant stattfinden, daher freuen wir uns natürlich auch über jede Kurs-Buchung.

Gibt es für euch auch einen positiven Effekt in der Krise?

Ganz persönlich kann ich sagen: Ich habe gelernt, mit mehr Ruhe und ohne vollgestopften Terminkalender klar zu kommen und das letztendlich auch genossen. Für die Natur war unser Lockdown sicher auch eine gute Sache. Darüber hinaus merken wir, dass viele Dinge an Bedeutung gewinnen, die vorher selbstverständlich waren. Also Berge, Natur und die Freiheit zu Reisen. Gleichzeitig steigt die Wertschätzung dieser bisherigen Selbstverständlichkeiten. Urlaub wird damit wieder bewusster erlebt. Zugleich wächst die Sehnsucht nach Bergsport und Reisen. D.h. es kann gut sein, dass es nach dem Ende der Ausgangsbeschränkungen zu einem Nachholeffekt kommt, wenn sich die Welt wieder erholt hat.

Wir freuen uns schon darauf, möglichst bald wieder gemeinsam loszuziehen.