Ein Freund von Trainerentlassungen ist Hoeneß trotz allem nicht: "Wenn einer 100 Millionen verdient, dann ist er trotzdem noch ein Mensch. Und wenn er kein Arschloch ist, dann geht ihm das nahe, wenn er seine Arbeit nicht mehr weitermachen darf."
Ein Freund von Trainerentlassungen ist Hoeneß trotz allem nicht: "Wenn einer 100 Millionen verdient, dann ist er trotzdem noch ein Mensch. Und wenn er kein Arschloch ist, dann geht ihm das nahe, wenn er seine Arbeit nicht mehr weitermachen darf." © Getty Images
Lesedauer: 15 Minuten

Uli Hoeneß muss als verurteilter Steuerhinterzieher seine Haftstrafe antreten. SPORT1 zeigt in einer Multimedia-Story Aufstieg und Fall des Ex-Bosses des FC Bayern.

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Von Rainer Kalb, Mathias Frohnapfel und Philipp Strube

München - Uli Hoeneß sitzt im Gefängnis. Am Montag um 11.45 Uhr ging die Tür hinter dem Ex-Präsidenten des FC Bayern zu. Dreieinhalb Jahre Haft sind die Strafe für mehr als 28 Millionen Euro an hinterzogenen Steuern. Einer der mächtigsten Männer im deutschen Fußball verschwindet vorerst von der Bühne. Für SPORT1 beschreiben ein langjähriger Wegbegleiter und unser Bayern-Reporter ein Leben voller Höhen, aber auch Abgründe und Widersprüche - und zeigen, wie Hoeneß mit seiner Zockerleidenschaft fast alles ruinierte und sich immer wieder selbst betrog.

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  • Der 1. Selbstbetrug: Ich bin nur Amateur

Uli Hoeneß' Einstieg beim FC Bayern begann mit einer Lüge. Wenn auch einer Notlüge. Nach München war der Blondschopf 1970 als "Amateur" gekommen. Der 18-Jährige war gemeinsam mit Paul Breitner von Udo Lattek zum heutigen Rekordmeister gelockt worden. Lattek kannte die beiden aus seiner Zeit als Trainer der deutschen Jugend-Nationalmannschaft.

Da Deutschland 1972 die Olympischen Spiele ausrichtete, an der seinerzeit nur "Amateure" teilnehmen durften, brauchte er eine starke "Amateur-Nationalmannschaft", um gegen die Staatsamateure aus dem Ostblock, die fast alle bei Polizei oder Militär angestellt waren, bestehen zu können. Aber Hoeneß, Ottmar Hitzfeld und Jürgen Kalb blieben in der Zwischenrunde hängen.

Hoeneß, der immerhin 22-mal in der Amateur-Nationalmannschaft eingesetzt wurde, durfte dann seinen Job auf der Geschäftsstelle des FC Bayern beenden und auch offiziell Profi werden.

Präsident Wilhelm Neudecker hatte die Tätigkeit seines Juwels so beschrieben: "Er ist für die Frankiermaschine zuständig." Hoeneß als Amateur.

Es ist der erste, wenn auch kleine Selbstbetrug, der am Anfang einer schillernden Karriere steht. Weitere sechs sollten folgen.

Frühes Faible für Geld und Wurst

Hoeneß war am 5. Januar 1952 in Ulm als Sohn eines Metzgers geboren worden. Die Legende besagt, dass er schon mit fünf Jahren seinen Eltern hinter der Ladenkasse geholfen hat. Das würde sein Faible für Geld und Wurst erklären.

Jedenfalls erinnert Hoeneß sich, dass sein Vater Erwin schon um drei Uhr morgens in der Wurstküche stand und seine Mutter nach dem Zubereiten des Frühstücks als Verkäuferin im Laden aktiv wurde.

So kann es nicht verwundern, dass er, als er sich als Bayern-Manager etabliert hatte, gemeinsam mit Werner Weiß 1985 die Firma HoWe gründete. Die Würstchenfabrik konnte starten, weil Hoeneß von Beginn an einen Liefervertrag mit Aldi Süd hatte.

Der Fußballer Uli Hoeneß

1974 wurde Uli Hoeneß Weltmeister. Der Höhepunkte einer glänzenden, aber viel zu kurzen Spielerkarriere.

239 Bundesligaspiele für Bayern, 86 Tore, drei Meistertitel, ein DFB-Pokalsieg, drei Mal Gewinner des Europapokals der Landesmeister. Dort auch eines seiner besten, bekanntesten Spiele: Im Achtelfinale der Landesmeister traf Bayern München auf Dynamo Dresden. Die erste deutsch-deutsche Begegnung in einem Europapokal-Wettbewerb der UEFA. Das Hinspiel hatte zur Überraschung der Bayern nur 4:3 geendet.

Am 7. November 1973 stand das Rückspiel an. Hoeneß warnte: "Die haben uns Westmannschaften schon bei einem Jugendturnier 1969 etwas ins Essen getan." Also blieben die Bayern in Hof an der Grenze stehen, aßen ihr mitgebrachtes Nachtmahl und fuhren erst am Spieltag selber nach Dresden in das selbstverständlich verwanzte Hotel "Newa".

Das Spiel endete 3:3; Bayern feierte das Weiterkommen - dank Hoeneß. Der schoss zwei Tore, indem er mit unwiderstehlichen Sprints aus dem Mittelfeld hinaus einem gewissen Eduard Geyer davon lief. Hoeneß galt zu dieser Zeit als schnellster Fußball-Sprinter Europas. Ein halbes Jahr später hatte er trotz eines von ihm verursachten Elfmeters im Finale gegen die Niederlande großen Anteil am WM-Titel.

  • Der 2. Selbstbetrug: Stärker als der Schmerz

Doch schon mit 27 Jahren musste Hoeneß aufgeben, ein damals irreparabler Knorpelschaden im Knie zwang ihn dazu. Lange wollte der Weltklassestürmer das selbst nicht wahrhaben, beim 1. FC Nürnberg endete seine Laufbahn - als Leihspieler. "Ich habe damals nicht mehr ohne Schmerzen trainieren und spielen können", gab er erst Jahre später zu.

Gegenüber sich selbst und der Öffentlichkeit spielte Hoeneß aber lange den unbesiegbaren Helden, das zweite Kapitel seines Selbstbetrugs.

"Ich bin ungeheuer, fast hoffnungslos ehrgeizig", bekannte er bereits in den Siebzigern.

Ein Fehlschuss für die Ewigkeit

Länderspiele absolvierte Hoeneß nur 35. Weltberühmt wurde er aber nicht als Europameister 1972 oder Weltmeister 1974, sondern durch einen Fehlschuss.

Im EM-Finale 1976 jagte er beim Elfmeterschießen gegen die damalige Tschechoslowakei in Belgrad, Hauptstadt des damaligen Jugoslawiens, den Ball in den Nachthimmel. "Den Ball suchen sie heute noch", frotzelt Teamkollege Franz Beckenbauer bis heute.

  • Der 3. Selbstbetrug: Ich bin unangreifbar

Apropos Elfmeterschießen: Im Pokalfinale 1984 gegen die Bayern versemmelte Lothar Matthäus für Borussia Mönchengladbach einen Strafstoß im Elfmeterschießen. Das wäre an dieser Stelle nicht weiter erwähnenswert, denn den entscheidenden Elfmeter verschoss der heute vergessene Norbert Ringels.

Aber Lothar Matthäus hatte zuvor schon bei Bayern München unterschrieben. Was das mit Uli Hoeneß zu tun hat?

Nun ja, es gab seinerzeit eine Absprache unter den Bundesligisten, eine "schwarze Liste" zu erstellen. Auf diese sollte jeder Verein zwei Spieler setzen dürfen, dem kein anderer Verein ein Angebot machen würde. Das sollte dazu dienen, Spielerberater-Honorare auszubremsen und Nachwuchsarbeit - Jahrzehnte vor den heutigen Internaten - zu unterstützen.

Hoeneß stimmte zu, unter der Bedingung, dass Borussia Mönchengladbach Matthäus nicht auf diese Liste setze.

Gladbachs Manager Helmut Grashoff lehnte ab. Er konnte den Wechsel nicht verhindern.

Die Geburt der Abteilung Attacke

Die Duelle zwischen Hoeneß und Grashoff waren Scharmützel, aber es war der Beginn der "Abteilung Attacke", die Hoeneß nach und nach immer mehr perfektionierte.

Als Manager war der gebürtige Schwabe unglaublich erfolgreich. Gleich in seinem ersten Jahr holten die "Roten" nach sechsjähriger Durststrecke die deutsche Meisterschaft, bis heute folgten neben zwei Champions-League-Siegen und anderen Triumphen 18 weitere Meistertitel.

Und doch schimmerte schon in jenen Jahren die Selbstüberschätzung durch, die Hoeneß später zu Fall bringen sollte.

Seine Taktik bestand unter anderem darin, aufstrebender Konkurrenz die besten Spieler wegzukaufen - sei es einst Matthäus, Mario Basler, Jorginho oder aktuell Mario Götze und Robert Lewandowski. Grashoff erinnerte sich:

"Günter Netzer, Rainer Bonhof, Uli Stielike habe ich noch ins Ausland verkaufen können. Ich wollte ja die Konkurrenz im eigenen Land nicht stärken. Aber dann war ich machtlos."

Am meisten geschadet hat Hoeneß der Borussia, als er ihnen 1987 den Trainer Jupp Heynckes entführte.

Nach dem 1:0-Sieg am 11. April grinste er beim Rückflug von Düsseldorf nach München so verschmitzt in sich rein. Viel später gestand er bei einem Glas Rotwein: "Ich habe innerlich grinsen müssen. Ich wusste, dass wir Jupp Heynckes schon verpflichtet hatten und Du als Gladbach-Fan und Journalist warst ahnungslos."

Heynckes und Daum

Heynckes hat er trotz zuvor zweier Meisterschaften in Folge nach ein paar Niederlagen zum Saisonauftakt am 8. Oktober 1991 entlassen. Später bezeichnete er das als seinen "größten Fehler". Es sollte allerdings ein noch größerer hinzukommen. Den Irrtum mit Heynckes hat er immerhin noch reparieren können und nach dessen zweitem Comeback mit ihm 2013 das historische Triple gefeiert.

Doch nicht nur sportlich attackierte er mit Inbrunst die Rivalen - vor allem jene, die an der Vormachtstellung des FC Bayern kratzten. Etwa bei seinem Psychoduell mit Kölns damaligem Emporkömmling Christoph Daum in der Saison 1988/89, das in einem legendären Wortgefecht im Aktuellen Sportstudio des "ZDF" seinen Höhepunkt fand.

Sein Intimfeind wurde aber in der Folgezeit Werder Bremens damaliger Manager Willi Lemke.

"Hoeneß lässt alle spüren, dass sie seiner Meinung nach nur Schuljungen sind. Der einzige Klub, der erfolgreich arbeitet, ist der FC Bayern, davon ist er unbeirrbar überzeugt. Eine Arroganz, die nicht zu überbieten ist!", sagte Lemke.

Hoeneß antwortete: "Der Willi Lemke ist ja einer der größten Opportunisten in dem Geschäft. Er ist der Erste, der nachher die Hand aufhält. Nur die Prügel, die lässt er gerne den Hoeneß einstecken, das Geld, das steckt er dann ein. Der ist nicht ernst zu nehmen."

Nur: Hoeneß geht in den Knast, Lemke ist seit 2008 Sonderberater des UN-Generalsekretärs für Sport im Dienste von Frieden und Entwicklung.

Es ist Hoeneß' über Jahre hinaus gepflegter Selbstbetrug, unangreifbar zu sein.

"Ich habe ihn oft berechtigt siegen sehen, aber kein einziges Mal mit Anstand verlieren", zitiert Juan Moreno in seinem aktuellen Hoeneß-Buch Münchens ehemaligen Oberbürgermeister Christian Ude.

Hoeneß' Prinzip sei: "Deutscher Meister werden, Einnahmen steigern. Gibt es ein Hindernis: niederwalzen."

  • Der 4. Selbstbetrug: Ich bin unverwundbar

Ude stellte sich Hoeneß in den Weg und musste als bekennender Anhänger des Lokalrivalen 1860 München doch immer wieder zu neuen Trophäen gratulieren.

Von seinem Weg ließ sich der Klubpatriarch und personifizierte Mr. Bayern kaum abbringen. Auch wenn es ihm wie im Jahr 2000 in der Affäre um den Kokain-Missbrauch von Christoph Daum zig schlaflose Nächte und deutschlandweite Häme, ja auch Hass, einbrachte.

Am Ende aber behielt Hoeneß Recht, Daum überführte sich per Haarprobe selbst.

Woher Hoeneß seine Durchhaltekraft nahm? Wohl auch aus der Grundüberzeugung, unverwundbar zu sein. Eine existenzielle Erfahrung stärkt ihn darin.

Uli Hoeneß und sein Freund, der Verleger Helmut Simmler, wollten sich am 17. Februar 1982 das Länderspiel Deutschland gegen Portugal im Niedersachsenstadion von Hannover ansehen. Sie fliegen mit einer Privatmaschine; das Flugzeug stürzt ab. Hoeneß überlebt als einziger.

"Damals ist der Sunnyboy in mir gestorben", sagte er zwar später. Dass es die Schicksalsmächte gut mit ihm meinen, diese Überzeugung begleitete ihn aber weiterhin.

In drei Jahrzehnten als Manager machte Hoeneß aus dem einst verschuldeten FC Bayern den wohl reichsten Fußballklub der Welt. Bei seinem Dienstantritt 1979 hatten die Münchner einen Jahresumsatz von zwölf Millionen Mark (bei Schulden von sieben Millionen Mark), unter seiner Ägide wuchs er auf aktuell deutlich über 400 Millionen Euro.

Er initiierte den Stadionneubau in Fröttmaning, die nahezu immer ausverkaufte Allianz Arena wurde zur Goldgrube.

Die Umsatzentwicklung des FC Bayern seit 1979

Umsatzenwicklung FC Bayern München
Umsatzenwicklung FC Bayern München © Getty Images
  • Der 5. Selbstbetrug: Ich bestimme die Regeln

Kritik an der vermeintlichen Opern-Atmosphäre im neuen Fußballtempel bügelte Hoeneß ab - und wie!

"Es kann nicht sein, dass wir uns jahrelang den Arsch aufreißen und dann so kritisiert werden", wütete Hoeneß auf der Jahreshauptversammlung 2007, "Für die Scheißstimmung seid ihr doch zuständig und nicht wir."

Statt Buhrufen erntete der Heißsporn damals Applaus.

Hoeneß, der Wohltäter

Für Hoeneß wird die öffentliche Anerkennung immer wichtiger. Er kann fordern, aber auch zurückgeben. Hoeneß, der Wohltäter.

Er half Bayerns Vereinsikone Gerd Müller vom Alkoholismus loszukommen.

Er finanzierte Lars Lunde nach einem Verkehrsunfall alle Maßnahmen, um den Spieler, der Bayern bereits verlassen hatte, in ein "normales" Leben zurück zu führen.

Er ist für die kleinen Leute in der Not da, sei es ein Platzwart beim FC Bayern oder Mitarbeiter in seiner Wurstfabrik.

Die Liste der Vereine, die der FC Bayern und somit auch Hoeneß durch Benefizspiele vorm Untergang bewahrte, ist ellenlang, sogar auf St. Pauli hat sich Hoeneß so zig Herzen erobert.

Und er spendete reichlich, ließ das aber auch die Öffentlichkeit wissen: 100.000 bis 150.000 Euro gebe er regelmäßig für gute Zwecke, sagte er 2004 und bei anderer Gelegenheit: "Ich bin der sozialste Mensch, den ich kenne."

Sein Ex-Trainer, SPORT1-Ehrenexperte Udo Lattek interpretierte diese Wandlung so: Hoeneß wolle sich vor sich selbst entschuldigen, "dass er manches zu brutal durchgezogen hat".

Die Steueraffäre ändert das Bild

Hoeneß gab viel - allerdings nach seinem eigenen Gutdünken. Das Büßerhemd stand ihm nie, was seine Steueraffäre nur zu deutlich offenbarte.

Von 2001 bis 2009 spekulierte Hoeneß mittels eines Kontos in der Schweiz mit Devisen. Der Höchststand dieses Zockerkontos: mehr als 150 Millionen Euro.

Steuern zahlte er in dieser Zeit auf die erzielten Gewinne keine, zugleich predigte er in Zeitungsinterviews und Talkshows von sozialer Gerechtigkeit im Lande. Welch Gegensatz!

"Ich weiß, dass das doof ist. Aber ich zahle volle Steuern", beteuerte er 2005.

Und vier Jahre später sagte er unter Beifall in der Talkshow Maybritt Illners: "Wenn die Unternehmer alle in die Schweiz gehen, ist auch keinem geholfen. Mit einer Reichensteuer geht es dem kleinen Mann kein Stück besser." Der ehemalige Metzgersohn wurde umjubelt und ließ es sich gefallen.

Viele Deutsche würden ihm in jenen Jahren ohne Weiteres ein Amt in der Politik zutrauen. 2012 sprach er als Gastredner bei der CSU und verkündetet launig, "kein Besserwisser", sondern ein "Bessermacher" zu sein.

Hoeneß setzte auf das Steuerabkommen zwischen Deutschland und der Schweiz, er spielte auf Zeit, folgte seinen eigenen Regeln. Ein weiterer Selbstbetrug, der ihn letztlich grandios scheitern ließ.

  • Der 6. Selbstbetrug: Meine Zockerei betrifft nur mich

2013 wird für den FC Bayern zum erfolgreichsten Jahr seiner Geschichte - und für Uli Hoeneß zum persönlichen Desaster. Die Münchner holen das Triple, Hoeneß jubelt und leidet.

Den Champions-League-Pott muss ihm Bastian Schweinsteiger nach dem Triumph über Dortmund in Wembley quasi in die Hand drücken, ehe er ihn in den Himmel stemmt. Die Tränen folgen Stunden später.

Die ganze Welt weiß zu diesem Zeitpunkt bereits von Hoeneß' Selbstanzeige, von den hinterzogenen Steuern. Die astronomische Höhe ist jedoch noch unbekannt.

Bei einer emotionalen Rede auf der Jahreshauptversammlung im Herbst 2013 versichert sich Hoeneß der Rückendeckung seiner Bayern-Familie und bricht nach Lobeshymnen seines langjährigen Weggefährten Karl-Heinz Rummenigge in Tränen aus.

Der Prozess, der alles verändert

Im März 2014 steht Hoeneß dann vor dem Münchner Landgericht II. SPORT1 ist an jedem Tag im Gerichtssaal mit dabei, erlebt einen Mann, der ebenso stolz wie zerrissen erscheint.

Immer wieder sucht er Blickkontakt zu seiner Frau Susi, immer wieder versucht er daran zu glauben, dass das für ihn schier Unmögliche nicht eintritt: eine Haftstrafe.

"Es war immer klar, das war ein Konto zum Zocken, für nichts anderes", hatte Hoeneß bereits vorher erklärt und sich in jener Zeit als einen beschrieben, der "dem Kick nachgejagt ist, der ins große Risiko ging. Vielleicht steckt dahinter auch die Sehnsucht, die Wirklichkeit zu vergessen, auszubrechen. Das geht an der Börse gut."

Richter Rupert Heindl liest Hoeneß bei der Verurteilung die Leviten. Einen reuigen Sünder, erkannte er in ihm nicht.

"Die Selbstanzeige folgte nicht aus freien Stücken, wie Sie vielleicht noch selbst glauben wollen", poltert Heindl. "Sie hatten viele Jahre Zeit die Dinge in Ordnung zu bringen, Sie haben auf Zeit gespielt, wie Sie selbst eingeräumt haben."

13. März 2014: Hoeneß wird wegen mehr als 28 Millionen Euro an hinterzogenen Steuern zu dreieinhalb Jahren Haft verurteilt.

SPORT1-Reporter Mathias Frohnapfel, der den Prozess im Gerichtssal verfolgte, twitterte als Erster das Urteil

  • Der 7. Selbstbetrug: Es bleibt alles, wie es ist

Der 62-Jährige tritt zwar nach monatelanger Hängepartie unmittelbar nach der Verurteilung von allen Ämtern zurück, rechnet aber fest mit einem Comeback beim FC Bayern - gerne auch als Präsident.

"Ich werde mich nicht zur Ruhe setzen. Das war es noch nicht", verkündet er, als Anfang Mai Karl Hopfner zu seinem Nachfolger als FCB-Präsident gewählt wird.

Vor den Bayern-Mitgliedern hält Hoeneß seine vorerst letzte Rede. Feurig, emotional und angriffslustig. Die Bayern-Familie feiert den verurteilten Steuersünder minutenlang mit Applaus.

Der will für seinen "Riesen-Fehler" gerade stehen, gegen das Urteil legt er daher keine Revision ein. Aktuell erscheint Hoeneß der Gang ins Gefängnis noch wie ein kurzer Umweg, ehe wieder alles beim Alten ist.

Auch damit dürfte er sich etwas vormachen.