In welche Richtung entwickelt sich der Rallyesport in naher Zukunft?
In welche Richtung entwickelt sich der Rallyesport in naher Zukunft? © M-Sport
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FIA-Präsident Jean Todt ärgert sich, dass in der Rallye-WM noch keine Hybridmotoren eingesetzt werden - Teams vermissen klare Richtung seitens des Weltverbands

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Die Rallye-Weltmeisterschaft (WRC) wird ab der Saison 2022 aller Voraussicht nach mit Elektromotoren fahren. Wie genau die Technik der nächsten Generation der WRC-Boliden aussehen wird, steht noch nicht fest, soll aber noch im Laufe des Jahres 2019 bekanntgegeben werden.

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FIA-Präsident Jean Todt ärgert sich, dass dieser Schritt nicht schon längst passiert ist. "Ich persönlich bin komplett dafür, dass wir die Evolution der Antriebstechnik auch im Rallyesport umsetzen. Ich finde es extrem frustrierend, dass man sich im Rallyesport noch nicht zu einer Form des Hybridantriebs und neuer Technologie bekannt hat."

Todt: "Die Hersteller wollen es nicht"

"Der Grund dafür ist", so Todt weiter, "dass es die Hersteller nicht wollen. Das haben mir die Leute, die das Sagen haben, so mitgeteilt. Sie [die Hersteller] wollen keine Regeländerung. Es ist immer das Gleiche. Meiner Meinung nach ist das aber keine Ausgangsposition. Wenn ich auf Autoshows in Frankfurt, Paris, China, Japan, Genf und so weiter gehe, sehe ich nur neue Technologien. Für mich ist es frustrierend zu sehen, dass sie dann in einer weltweiten FIA-Rennserie keine neuen Technologien haben wollen."

"Jetzt endlich sagen die Hersteller aber, dass wir eine Form der Hybridisierung brauchen. Die Techniker bei der der FIA arbeiten mit dem Input der Hersteller daran, für 2022 etwas zu implementieren", so Todt, um mit Nachdruck festzuhalten: "Der Grund, weshalb das nicht früher passiert ist: Weil sie es nicht wollten."

Matton hofft auf zeitnahes Reglement

FIA-Rallyedirektor Yves Matton liefert in diesem Zusammenhang weitere Details, indem er mit Verweis auf den aktuell gültigen Homologationszeitraum für WRC-Autos (2017 bis 2021) sagt: "Wir kennen unsere Zeitschiene sehr genau. Noch im Jahr 2019 werden wir die neuen Regeln bekanntgeben. Das gibt den Herstellern mehr als genug Zeit für die Vorbereitung."

M-Sport-Teamchef Rich Millener merkt an, dass sich die Hersteller mit einer solchen Zeitschiene durchaus anfreunden könnten. "Es wird eine Form von Hybrid geben", sagt er in Vorausschau auf die WRC-Saison 2022 und präzisiert: "Das ist der einzige Weg, einige der [aktuellen] Hersteller zu halten und es ist der einzige Weg, neue Hersteller anzulocken. Es ist so wichtig, das Reglement in diesem Jahr herauszugeben. Vorausgesetzt, es liegt Mitte des Jahres vor, dann haben wir sechs Monate Zeit, um auf neue Hersteller zuzugehen und zu sagen: 'Das ist der Stand der Dinge. Wollt ihr mitmachen?'"

M-Sport nimmt die FIA in die Pflicht

Das Problem laut Millener: Die Hersteller haben sich bislang nicht auf einen gemeinsamen Weg einigen können. "Wir alle wissen, dass wir es wollen, aber die Schwierigkeit besteht darin, eine Einigung zu finden. Jeder bringt seine eigenen Ideen ein, um das eigene Produkt bestmöglich aussehen zu lassen. Das ist verständlich", so der M-Sport-Teamchef, der nun FIA-Boss Todt und dessen Team in die Pflicht nimmt.

"Die FIA muss die [individuellen] Sichtweisen wegnehmen und uns eine klare Richtung vorgeben. Wir müssen zum Beispiel wissen, ob es standardisierte Teile geben wird und wenn ja, welche das sein werden. Der größte Streitpunkt scheint darin zu liegen, ob man auf Hybridsysteme mit viel oder wenig Spannung setzt. Wie diese zu integrieren sind, ist völlig offen. Wir hängen derzeit in der Luft und brauchen eine klare Richtung", so Millener.

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