Lesedauer: 6 Minuten

Hayden Paddon übernimmt bei der Staubschlacht auf Sardinien die Führung vor Thierry Neuville - Kris Meeke muss nach Unfall die Segel streichen

Anzeige

©

Mit acht Wertungsprüfungen plus der Zuschauerprüfung am Donnerstagabend ist die Rallye Sardinien 2017 am Freitagabend schon zur Hälfte durch. Die acht Prüfungen am Freitag hatten es in sich. Bei 29 Grad standen bei staubigsten Verhältnissen zahlreiche Spitzkehren und unangenehm platzierte Kuppen im Scheitelpunkt mittelschneller Kurven auf dem Programm. Die Hyundai-Piloten Hayden Paddon und Thierry Neuville meisterten die Schleife am besten, hatten jedoch zahlreiche Hindernisse zu überwinden.

Anzeige

Die Tragödie beim Saisonauftakt bei der Rallye Monte-Carlo scheint Paddon endgültig hinter sich gelassen zu haben. Er legte den Grundstein zur Führung bereits am Freitagmorgen, als er sich für drei harte Reifen entschied, während die Konkurrenz überwiegend mehr weiche Pneus mitnahm. Die harten Reifen sollten sich als richtige Wahl erweisen: Paddon und Kris Meeke (Citroen) stießen Neuville (Hyundai), der nach der Zuschauerprüfung am Donnerstagabend geführt hatte, schnell vom Thron. Meeke hatte dieselbe Reifenwahl wie Paddon getroffen.

Der Ire gewann die 14,54 Kilometer lange Eröffnungsprüfung des Tages, "Terranova", doch sein Duell mit Paddon und auch Juho Hänninen (Toyota), der die anschließende Prüfung "Monte Olia" (mit 19,05 Kilometer die längste Prüfung des Tages) gewann, sollte nur von kurzer Dauer sein. Auf der vierten Prüfung des Tages war der Tag nämlich schon gelaufen. Auf "Tergu-Osilo", deren Profil deutlich weitläufiger ist als das der anderen Prüfungen des Tages, überschlug sich der Citroen-Pilot. Dabei wurde der Überrollbügel so stark beschädigt, dass der vierte Ausfall der Saison unter Dach und Fach war.

Paddon meistert alle Schwierigkeiten

Paddon war nun seinen ärgsten Rivalen los, hatte jedoch seine ganz eigenen Probleme: Der Auspuff brannte ein Loch in den Unterboden des Hyundai i20 WRC, das der Neuseeländer auf einer Verbindungsetappe notdürftig stopfte. Beim Service war allerdings eine ungeplante Innenraumreinigung nötig. Hänninen musste nach seinem WP-Sieg etwas Luft ranlassen und Paddon steuerte den Mittagsservice mit 4,4 Sekunden Vorsprung an. Am Nachmittag konnte er die Führung verteidigen, hatte jedoch wieder zu kämpfen: "Ich glaube, wir haben einen defekten Stoßdämpfer!", stöhnte er nach der sechsten Prüfung.

Trotz der Probleme brachte er die Führung bis ans Ende des Tages durch, ohne zu viel Zeit zu verlieren. "Das war ein ganz schön schwieriger Nachmittag", atmet der verschwitzte Spitzenreiter durch. "Mit dem Dämpferproblem lag das Auto nicht mehr richtig. Die Priorität lag heute darauf, eine gute Startposition für morgen zu bekommen. Die Mission haben wir erledigt. Ich liebe die Prüfungen, die morgen anstehen. Sie sollten mir und dem Auto entgegenkommen."

Starke Toyota-Vorstellung, aber nur ein gutes Resultat

Hänninen verspielte derweil seine glänzende zweite Position mit einem Fehler auf der letzten Prüfung des Tages, der eine halbe Minute kostete. Der Finne kam mit einem im Frontbereich stark beschädigten Toyota Yaris WRC ins Ziel, gab aber keine Erklärung ab. Der Schnitzer warf ihn auf die sechste Position zurück, er hat nun 38 Sekunden Rückstand. Somit rückte Thierry Neuville auf die zweite Position vor. Der Belgier fuhr sich auf der zweiten Nachmittagsprüfung beide Hinterreifen kaputt und musste mit dem Rest haushalten.

Die Fahnen für Toyota muss nun Jari-Matti Latvala hochhalten, der durch Hänninens Pech nach vorn gespült wurde. Nachdem er am Vormittag mit seinen Reifen zu vorsichtig umgegangen war und so Zeit verlor, machte er am Nachmittag wieder Boden gut und hat nur 9,8 Sekunden Rückstand auf Spitzenreiter Paddon. "Nach dem Auf und Ab heute Morgen bin ich mit dem Nachmittag zufrieden", so der 32-Jährige. Auf der letzten Prüfung fiel er aber noch hinter Ott Tänak zurück, der mit dem Sieg bei der zweiten Durchfahrt von Tergu-Osilo auf Rang drei nach vorne rückte. Hinter ihm lauert zudem ein stark auftretender Mads Östberg (Adapta-Ford) auf Platz fünf.

Dass Toyota einen großen Schritt gemacht hat, unterstreicht auch die Performance von Esapekka Lappi. Der Finne holte auf "Terranova 2" seine erste WRC-Bestzeit überhaupt. Und weil es so schön war, ließ er gleich zwei weitere folgen. In der Gesamtwertung liegt er aber mit einer Minute Rückstand weit zurück, weil sich am Vormittag der zweite Gang verabschiedet hatte.

Ogier nörgelt, Citroen steckt ein

Während sich Ott Tänak trotz Problemen mit dem Handling mit zwei Ersatzreifen auf einen aussichtsreichen dritten Platz quälte, musste Tabellenführer Sebastien Ogier seiner Startposition dicken Tribut zollen. Als Straßenfeger verlor er am Vormittag über eine halbe Minute, am Nachmittag wurde es nicht viel besser. Seine Laune ist nach Platz sieben auf dem Tiefpunkt: "Morgen habe ich nur wenige Autos vor mir, da wird es also auch nicht viel besser. Das ist halt die WRC." Elfyn Evans hatte einen kurzen Arbeitstag und landete schon auf der dritten Prüfung des Vormittags, "Tula", im Busch.

Einen ganz schlimmen Tag setzte es wieder einmal für Citroen: Schon bevor Meeke seine Unfallserie weiter ausbaute, schied Craig Breen mit einem Ölleck im Getriebe infolge einer zu harten Landung nach einem Sprung aus. So muss nun Neuzugang Andreas Mikkelsen für den PSA-Konzern noch irgendwie ein vernünftiges Resultat herausholen. Der Norweger ließ den C3 WRC ganz, verlor aber zwei Minuten. "Ich habe meine Probleme mit Spitzkehren, wo ich das Auto immer wieder abwürge. Ich muss das mit der Kupplung noch richtig hinbekommen", klagt er.

Während seine Teamkollegen eine Top-Figur abgaben, hatte Shakedown-Sieger Dani Sordo (Hyundai) Pech. Nach einem Sieg auf der Tula-Prüfung am Vormittag bekam der Spanier ein Turboproblem, das sich am Nachmittag wiederholte. Er verlor insgesamt 14 Minuten und kann nur noch auf die Powerstage hoffen.

Am Samstag stehen drei weitere Prüfungen auf dem Programm, die zweimal durchfahren werden. Zwar sind es so nur sechs Prüfungen, doch diese sind deutlich länger. "Monti di Ala'" und "Monte Lerno" sind jeweils über 28 Kilometer lang.

© Motorsport-Total.com