Das erste Mal ist immer am schönsten: Ott Tänak ist seit heute WRC-Sieger!
Das erste Mal ist immer am schönsten: Ott Tänak ist seit heute WRC-Sieger! © xpbimages.com
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Ott Tänak hat es geschafft: Der M-Sport-Pilot übersteht alle Hindernisse der Rallye Sardinien 2017 und gewinnt vor Jari-Matti Latvala und Thierry Neuville

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Er machte sich so groß wie es nur ging: Ott Tänak enterte das Dach seines M-Sport-Fords im Ziel der 19. Wertungsprüfung der Rallye Italien, um seinen ersten Karrieresieg in der Rallye-Weltmeisterschaft (WRC) zu feiern. Der 29-jährige Este setzte sich in Italien durch und gewann mit 12,3 Sekunden Vorsprung auf Jari-Matti Latvala (Toyota) und Thierry Neuville (Hyundai), der schon mehr als eine Minute Rückstand hatte. Die Powerstage gewann Espekka Lappi (Toyota) vor Dani Sordo (Hyundai), Sebastien Ogier (M-Sport-Ford), Neuville und Latvala.

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"Was soll ich sagen, das fühlt sich gut an!", sagt Tänak, als der erste Adrenalin-Stoß überstanden war. "Das war ein schwieriges Wochenende, aber die erste Saisonhälfte ist wirklich gut gelaufen. Das neue Auto und mein starker Teamkollege (Serienweltmeister Sebastien Ogier; Anm. d. Red.) bringen mich dazu, hart zu pushen. Ich hoffe, dass dies der erste von vielen Siegen ist. Alles passt zusammen. Sieht so aus, als hätten wir ein starkes Team in und außerhalb des Autos." Er verbesserte sich mit dem Sieg auf Rang drei der Weltmeisterschaft.

Tänak war einer von nur zwei WRC-Piloten, die ohne ein größeres Problem durch die Rallye Italien kamen. Er übernahm am Samstag die Führung, nachdem er stets in Schlagdistanz lag und gab sie nicht mehr ab. Am Sonntag musste er allerdings noch ein Problem überstehen: Aus der ersten Prüfung des Tages, der 14 Kilometer langen "Casa Flumini", kam er mit einem völlig verstaubten Innenraum zurück. "Wir haben ein Loch im Fahrzeug, aber ich weiß noch nicht wo! Ich habe hier Mega-Staub im Cockpit und kann nichts sehen!", erläuterte er das Drama.

Auch auf der anschließenden, nur 6,96 Kilometer langen WP17 "Sassari-Argentiera" konnte er das Loch nicht finden. Erst vor der zweiten Durchfahrt der Prüfungen besserte sich die Situation im M-Sport-Cockpit. Da es am Schlusstag keinen Service zwischen den Prüfungen gab, musste der Este die Ursache selber finden. Er rettete sich jedoch ins Ziel und gewann mit 12,3 Sekunden Vorsprung.

Starker Auftritt des Toyota-Teams

Latvala vergab den möglichen Sieg am Schlusstag, weil er in beiden Durchfahrten von "Sassari-Argentiera" denselben Fehler in einer Spitzkehre machte. "Da war eine tiefe Spurrille, die ich zu spät gesehen habe. Dabei habe ich habe den Motor abgewürgt", ohrfeigt sich der Toyota-Pilot selbst. Bei der ersten Durchfahrt machte er darüber hinaus den Fehler, statt des Start-Knopfs den Master-Switch zu betätigen und damit das Auto komplett abzuschalten.

Bei der zweiten Durchfahrt, als die Prüfung Powerstage war, konnte Latvala den Zeitverlust minimieren, stockte aber wieder. "Es liegt daran, dass das Auto dort nicht einlenken will", schickt er eine Hausaufgabe ans Team von Tommi Mäkinen, das sich insgesamt in Italien aber stark verbessert zeigte. Latvala verlor auf den allerersten Wertungsprüfungen am Freitag an Boden, weil er es zu vorsichtig angehen ließ. Nach dem Sensationssieg in Schweden war dies das erste Mal, dass Toyota auf einer regulären Schotter-Rallye aus eigener Kraft siegfähig war.

Das gute Resultat rundete Esapekka Lappi als Vierter ab. Der Finne feierte sein bestes WRC-Ergebnis. Es hätte für ihn sogar aufs Podium gehen können, wenn sich nicht am Freitagmorgen der zweite Gang verabschiedet hätte. "Bei dieser Rallye ist der wichtiger als überall sonst", stöhnte der Finne, der insgesamt fünf Prüfungen inklusive der Powerstage gewann, darunter ein Hattrick am Freitagnachmittag. Für WRC2-Meister von 2013 könnte dies der Durchbruch in der WRC gewesen sein. Sein Landsmann Juho Hänninen hatte einen Unfall am Samstag und verlor am Sonntag die Servolenkung. Dadurch fiel er noch hinter Ogier auf Platz sechs zurück.

Magere Ausbeute für Hyundai nach starkem Speed

Das Hyundai-Camp wird beim Abbau viele "Hätte, wäre, wenn..."-Gedanken haben. Thierry Neuville fuhr eine starke Rallye, hatte aber am Samstag Pech: Am Ende der elften Prüfung verlor der Hyundai-Pilot die Bremsen und musste sich anschließend durch die 28 Kilometer lange "Monte Lerno" hindurchschleppen. Die eine Minute Rückstand, die er sich einfing, kostete ihn am Ende den Sieg. "Insgesamt trotzdem eine positive Rallye", ist der Belgier mit dem Ergebnis im Reinen. "Das war natürlich großes Pech mit dem kleinen Problem. Eine unglaubliche Performance vom Auto und dem Team."

Richtig verärgert wird Hayden Paddon nach Hause fahren. Der Neuseeländer führte nach dem ersten Tag, warf danach das Auto aber gleich zweimal weg. Am Samstag war der Sieg beim Teufel. "Ein verdammter Amateurfehler!", verfluchte er sich selbst. Die Hoffnung auf Punkte in der Powerstage zerschlug sich am Sonntag, als er auf WP18 erneut abflog. Die Prüfung musste daraufhin abgebrochen werden. Dani Sordo gewann den Shakedown und war Zweitbester auf der Powerstage, doch seine Rallye war schon am Freitag mit einem Turboproblem gelaufen. Er wurde mit 17 Minuten Rückstand Elfter.

Ogier müht sich auf Rang fünf

Weltmeister Sebastien Ogier erlebte eine äußerst harzige Sardinien-Rallye. Beim Straßenfegen am Freitag fing er sich bereits mit 40 Sekunden einen größeren Rückstand ein als erhofft. Auch am Samstag kam er nicht zurecht. Er klagte über Untersteuern und mangelnde Traktion. Ein Reifenschaden verbaute ihm endgültig alle Chancen aufs Podium. Am Schlusstag biss er aber noch einmal zu und entriss Hänninen noch Rang fünf, dazu gibt es drei Punkte für Rang drei in der Powerstage. "Nicht unser bestes Wochenende, aber was sollen wir machen?", fasst er zusammen.

Gänzlich schweigen sollte man über das Resultat von Citroen bei der Rallye Italien 2016. Schon am Freitag war alles gelaufen, als Craig Breen einen Getriebeschaden hatte. Kris Meeke verbuchte einen erneuten Unfall und beschädigte sich den Überrollbügel, sodass er nicht einmal unter Rally2 weiterfahren konnte. Diskussionen, ob es am Fahrer oder einem zu schwierig zu fahrenden Auto liegt, sind im Gange. Damit blieb alles an Neuzugang Andreas Mikkelsen hängen, der mit nur einem einzigen Testtag im Citroen C3 WRC nicht konkurrenzfähig war. Dazu musste er am Samstag zeitweise mit Heckantrieb fahren. doch er biss sich durch und holte Rang acht hinter Mads Östberg (Adapta-Ford).

Die Rallye-Weltmeisterschaft pausiert nun drei Wochen, bevor es am 29. Juni mit der Rallye Polen weitergeht.

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