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Kamui Kobayashi fordert nach dem Austin-Rennen die WEC zum Handeln auf - So könne es nicht mehr weitergehen

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Toyota-Fahrer Kamui Kobayashi verlangt von der Langstrecken-Weltmeisterschaft (WEC), dringend das Erfolgsballast-System zu überdenken. Nach dem völlig einsamen Rennen auf der dritten Position beim Lone Star Le Mans spricht er von einem "Witz".

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"Ich verstehe das nicht", sagt er gegenüber 'Motorsport-Total.com'. "Sie sagen, es sei ein Handicap, aber in Wirklichkeit entscheidet es darüber, wer gewinnt. Wir wussten es schon vor dem Rennen. Es war das schlimmste Rennen, das ich je gehabt habe."

Der Toyota #7 von Mike Conway, Kobayashi und Jose-Maria Lopez hatte mit einem Handicap von 2,77 Sekunden pro Runde keine Chance, mit dem Schwesterfahrzeug #8 (Buemi/Nakajima/Hartley; 2,21 Sek./Runde) mitzuhalten, geschweige denn mit dem siegreichen Rebellion #1 (Senna/Menezes/Nato; 0,55).

"Wenn wir diese EoT [Equivalance of Technologies; gemeint ist das System mit dem Erfolgsballast] behalten, wird keiner mehr zu diesen Rennen kommen", so Kobayashi weiter. "Hier soll Hochtechnologie zur schau gestellt werden. Niemand findet den EoT-Kram spannend."

"Wenn man sich unser Auto ansieht, sieht es einfach langsam aus. Was denkt sich der Zuschauer dabei? Das sieht doch total dämlich aus. Mir ist es egal, ob wir langsam sind. Aber man muss einen größeren Blickwinkel einnehmen. Warum finden Leute diese Meisterschaft spannend?"

"Es ist in jedem Fall eine dumme Idee. Rebellion mag das Rennen gewonnen haben, aber wirklich glücklich werden sie auch nicht sein. Wer ist am Ende glücklich? Niemand. Jeder fährt frustriert nach Hause. Das ist doch ein Witz."

IMSA als Vorbild

Kobayashi, der mit Wayne Taylor Racing seinen Sieg bei den 24 Stunden von Daytona im Januar verteidigt hat, findet, dass die WEC sich die IMSA SportsCar Championship zum Vorbild nehmen solle: "Die IMSA macht einen guten Job. Ich habe Daytona genossen. Das war guter, enger Wettbewerb zwischen drei Marken. Sie versuchen, enge Abstände herzustellen."

"Das Problem in der WEC ist, dass die Fahrzeugkonzepte so sehr auseinanderliegen, dass das unmöglich ist. Natürlich versuchen die Leute, alles zu berechnen. Aber wir müssten eigentlich die EoT in dem Moment schon wieder anpassen, wenn das erste Freie Training beginnt."

"Wir sind hier, um die Leute zu unterhalten, sei es hier an der Strecke oder vor dem Fernseher. Bei einem so langweiligen Rennen werden die Leute doch den Fernseher nach einer halben Stunde ausgeschaltet haben. Warum machen wir so weiter? Wir wollen unterhalten. Aber wir machen das genaue Gegenteil."

In Sebring wieder chancenlos?

Die schlechte Nachricht: Es dürfte bei den 1.000 Meilen von Sebring kaum besser werden. Der Vorsprung in der Meisterschaft ist zwar von acht auf fünf Punkte geschrumpft. Mike Conway ist dennoch überzeugt, dass man in Sebring wieder nur hinterherfahren wird.

"Wenn es bloß ein paar Zehntelsekunden wären, dann könnte man das vielleicht noch irgendwie ausgleichen", sagt er. "Aber hier gab es einfach keine Chance - egal, was wir versucht haben. Der [wahre] Nachteil waren neun Zehntel pro Runde, aber im Verkehr ist es noch mehr, weil man weniger Boost zur Verfügung hat. Da ist es schwerer, die Reifen sauber zu bekommen."

"In Sebring werden wir wieder ein Defizit haben. Wir brauchen einen Sieg von Fahrzeug Nummer 8 für einen Reset. Wir haben gesehen, dass zwei Punkte [Vorsprung] in Bahrain zwei oder drei Zehntel pro Runde wert gewesen sind. Ich bin mir sicher, [fünf Punkte] werden in Sebring mindestens fünf Zehntel bedeuten."

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