Auch BMW schaut sich das Regelwerk für die WEC-Topklasse ab 2020/21 genau an: Und wenn ab 2024 die Brennstoffzelle in den Rennsport kommt ...

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Mit einem neuen Reglement wollen ACO und FIA ab 2020/21 wieder mehr Hersteller in die Topklasse der Langstrecken-Weltmeisterschaft (WEC) locken. Nach der Vorstellung der Kernpunkte des neuen Regelwerkes scheint das Interesse groß zu sein. Aston Martin, McLaren, Ford und einige weitere Werke prüfen derzeit einen entsprechenden Schritt in Richtung Kampf um Gesamtsiege unter anderem bei den 24 Stunden von Le Mans.

"Ein Reglement mit Autos, bei dem ein Hersteller zeigen kann, was einen Hersteller ausmacht, beispielsweise über Markenidentität, ist grundsätzlich kein schlechter Ansatz", sagt BMW-Motorsportdirektor Jens Marquardt. "Die Frage wird sein: Wie bekomme ich alles unter einen Hut, dass es vergleichbar ist? In der Beziehung ist es sicherlich sinnvoll, ein Einheitschassis mit Einheitsboden zu machen." Die DTM mit ihren zahlreichen Einheitsbauteilen biete ein gutes Beispiel für engen Wettbewerb bei überschaubaren Kosten.

"Je mehr Einheitsteile es gibt, desto weniger große Variationen gibt es. Beim Kostenthema muss man schauen, wie man es in den Griff bekommt", so Marquardt. "Für FIA und ACO wird es eine große Herausforderung sein, einen breiten Blumenstrauß zusammen zu fächern. Dann wäre es auch ideal, wenn es keiner nachträglichen Anpassungen bedarf. Wenn es wieder zu einer Art BoP-System kommt, wird es schwierig. Das muss - wenn es geht - von vornherein über das Reglement abgefedert werden."

Die Verantwortlichen von ACO und FIA haben einen Plan: Ein Engagement in der neuen Topklasse - deren Name noch gefunden werden muss - soll mit zwei Autos pro Jahr maximal 30 Millionen Euro kosten. Ob sich dieses Ziel erreichen lässt, ist derzeit noch fraglich. Sollte dies jedoch gelingen, dann dürften noch mehr Hersteller angelockt werden. Auch BMW? "Ich würde lügen, wenn ich nicht sage, dass wir uns natürlich alle Regeln immer anschauen für die Zukunft", so der BMW-Rennleiter.

"Ich würde auch etwas Falsches sagen, wenn ich behaupten würde, wir sind kurz davor zu sagen, wir machen was in der Prototypen-Klasse", sagt Marquardt, dessen Mannschaft erst in diesem Jahr ein neues GTE-Programm mit dem M8 auf die Bahn gebracht hat. "Wir haben immer gesagt, dass es für uns wichtig ist, dass das, was wir machen, Relevanz für unsere Serienaktivitäten hat. Zum Beispiel technologisch wie die Formel E als Entwicklungslabor für High-Performance-E-Antriebe."

Die Serienrelevanz ist im zukünftigen Reglement der Le-Mans-Topkategorie in Ansätzen über die Verwendung "milder Hybridsysteme" gegeben. Für BMW vermutlich zu wenig. Man wartet eher auf das Regelwerk 2024, das endlich der Brennstoffzelle den Weg in den Motorsport ebnen soll. "Beim Thema Brennstoffzellen-Technologie müssen wir schauen, ob so etwas im Rennsport Anwendung finden kann", sagt Marquardt. BMW hat in diesem Bereich bereits umfassende Forschung betrieben.

"Eine Brennstoffzelle kann das Thema Reichweite bei größeren Autos in Zukunft beantworten. Die Brennstoffzelle ist eine absolut wertvolle Alternative", so der BMW-Verantwortliche. "Wenn sie die Reichweite liefert, sind wir schnell beim Thema Endurance Racing. Denn hier geht es um Reichweite. Deshalb kann man sich das Thema Brennstoffzellen-Technologien durchaus mal anschauen. Denn wir müssen uns alle Gedanken machen, wo die Zukunft im Motorsport liegt."

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