Maximilian Götz (vorne) wurde von Dries Vanthoor abgeräumt
Maximilian Götz (vorne) wurde von Dries Vanthoor abgeräumt © ADAC Motorsport

Dries Vanthoor erhält für den Abschuss eines Titelkandidaten in der ersten Kurve beim ADAC-GT-Masters-Finale in Hockenheim eine bemerkenswerte Strafe

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Einen Titelkandidaten im letzten Rennen des Jahres rauszuschießen, ist normalerweise keine gute Idee. Dries Vanthoor begab sich beim ADAC-GT-Masters-Finale in Hockenheim auf die Spuren eines gewissen Michael Schumachers (DTM-Finale 1991), indem er in der ersten Kurve einen Titelkandidaten über den Haufen fuhr und bekam dafür eine ungewöhnliche Strafe

Der Audi-Pilot wird 2019 bei einem Lauf zur Deutschen Kart Meisterschaft inklusive seines Autos reisen müssen und "erklären, warum er mit seinem Fahrzeug dort sein muss." Was für den Deutschen Motor Sport Bund (DMSB) als gut gemeinte erzieherische Maßnahme für angehende Rennfahrer gemeint sein dürfte, sorgt in den sozialen Medien nicht zuletzt aufgrund des Wortlauts im Englischen ("He has to explain why he has to be there with his car") für reichlich Belustigung.

Weniger belustigt sind Maximilian Götz und Markus Pommer: Die beiden Mercedes-Piloten vom Team HTP Motorsport waren mit Titelhoffnungen in ein spannendes Finale gegangen. Die Tabellenführer und späteren Meister Robert Renauer und Mathieu Jaminet auf dem Herberth-Porsche gingen mit zehn Punkten Vorsprung auf die punktgleichen Paarungen Götz/Pommer und Daniel Keilwitz/Marvin Kirchhöfer (Callaway-Corvette) ins Finale. Theoretische Chancen hatten auch noch Kelvin und Sheldon an der Linde im Land-Audi mit 16 Punkten Rückstand.

Götz hatte im feuchten Qualifying die Pole-Position geholt, während Renauer/Jaminet nur von Startplatz zehn ins Rennen gingen. Die Corvette musste gar von Startplatz 27 losfahren. Bei einem Sieg der HTP-Mannschaft hätte der Herberth-Porsche mindestens auf Rang drei kommen müssen, um den Titel zu sichern, was im stark umkämpften ADAC-GT-Masters eine schwere Aufgabe ist.

Vanthoors Erklärung: Bremse durchgefallen

Doch Vanthoor durchkreuzte die Pläne von Götz gleich in der ersten Kurve, als er sich von extrem weit hinten kommend innen über die Randsteine neben den Mercedes-AMG GT3 drängte und ihn dabei umdrehte. Für die Aktion wurde Vanthoor von zahlreichen Zuschauern in den sozialen Medien kritisiert, Götz war außer sich vor Wut. "Wir sind nun in drei der letzten vier Rennen abgeschossen worden. Dazu fällt mir nichts mehr ein", schimpft er in einer Presseaussendung des Teams.

Es folgten dramatische Szenen: Vanthoor, der ebenfalls durch die Kollision ausschied, stürmte ganz aufgepumpt direkt in die HTP-Box, um sich zu erklären: "Ich habe gebremst, aber mein Pedal ist durchgefallen. Ich hatte keinerlei Verzögerung. Dann habe ich nach rechts gelenkt, weil ich dich nicht erwischen wollte. Ich war auf der Bremse, bis ich den Randstein erwischt habe und habe alles versucht, um dir auszuweichen. Ich wollte mich nicht einmischen, wirklich." Götz entgegnete nur: "Wir sind im Eimer." Vanthoor: "Ja, ich weiß." Wenn es stimmt, was Vanthoor sagte, hatte er die Bremse in der Aufwärmrunde wohl nicht korrekt ausgewärmt.

Götz bekräftigt in der Presseaussendung weiter, dass sich Vanthoor bei ihm korrekt entschuldigt habe. "Aber Fakt ist einfach, dass er uns durch die unnötige Aktion alle Meisterschaftschancen genommen hat. Das ist extrem bitter, denn ich bin sicher, wir hätten heute die Pace gehabt, um das Rennen und damit eventuell auch die Meisterschaft zu gewinnen." Für weitere Statements war er nicht zu erreichen.

Die Meisterschaftsentscheidung endete in einem Thriller: Kelvin und Sheldon van der Linde gewannen das Rennen, doch Renauer/Jaminet fuhren genau jenen fünften Platz ein, der ihnen mit einem Punkt Vorsprung den Meistertitel bescherte. Kirchhöfer/Keilwitz machten 20 Plätze gut, doch Platz sieben reichte bei weitem nicht. Es war die wohl denkwürdigste Titelentscheidung in der Geschichte des ADAC GT Masters. HTP Motorsport kann sich mit dem Teamtitel trösten, den man schon beim Samstagsrennen geholt hatte.

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