Marcel Schrötter fuhr beim Großen Preis von San Marino auf den dritten Rang
Marcel Schrötter fuhr beim Großen Preis von San Marino auf den dritten Rang © Imago

München - Am Wochenende fuhr Marcel Schrötter erstmals aufs Podest in der Moto 2. Im Interview mit SPORT1 spricht er über seinen Erfolg, Druck und Ziele für die Zukunft.

von Franziska Wendler

Während Skandal-Pilot Romano Fenati mit seiner Brems-Attacke für den Eklat des Wochenendes gesorgt hat, feierte der Deutsche Marcel Schrötter beim Großen Preis von Italien in Misano einen riesigen Erfolg. Erstmals in seiner Karriere fuhr er aufs Podest in der Moto2.

Bis dahin war es ein langer und steiniger Weg für den 25-Jährigen. Bereits seit 2012 startet er in der zweithöchsten Motorrad-Klasse und musste seitdem 151 Rennen darauf warten, endlich auf dem Treppchen zu stehen.

Mit Platz drei beim Großen Preis von Italien konnte er seine beinah endlos erscheinende Serie endlich durchbrechen und hatte dabei sogar Chancen auf ein noch besseres Ergebnis. Am Ende trennten ihn nur wenige Sekunden von Platz zwei.

Entsprechend heiß wird der Bayer in die nächsten Rennen gehen. Im Interview mit SPORT1 spricht er über die Erleichterung nach dem ersten Podiumsplatz, dem Druck, der auf ihm lastet und seinen Traum von der MotoGP.

SPORT1: Nach 151 Rennen in der Moto2 standen Sie am Wochenende erstmalig auf dem Podest. Wie groß ist die Erleichterung, die von Ihnen abgefallen ist?

Marcel Schrötter: Die Freude war natürlich sehr groß, aber ich bin niemand, der total ausflippt und aus sich herrauskommt. Die Erleichterung war aber sehr groß, weil so viele Menschen darauf gewartet haben, ich natürlich noch viel mehr. Ich habe schon seit so vielen Jahren versucht, aufs Podest zu fahren, aber irgendetwas hat immer nicht gepasst. Es waren manchmal sehr schwere Zeiten in meiner Karriere. Aber nicht nur ich, auch das Team ist erleichtert. Die Freude war aber nicht nur bei uns, sondern auch im Fahrerlager groß. Viele andere Teams haben uns gratuliert. Selbst unsere Gegner haben sich mit uns gefreut, weil sie wissen, wie viel Arbeit unser Team reinsteckt. Wir sind ein Team, das gute Arbeit leistet und nie negativ auffällt. Deswegen ist der dritte Platz besonders schön.

SPORT1: Sie waren relativ nahe an ihrem Vordermann dran. Sind Sie enttäuscht, dass sie den zweiten Platz verfehlt haben, oder freuen Sie sich, endlich den ersten Podestplatz geschafft zu haben?

Schrötter: Natürlich überwiegt die Freude über den Podestplatz, aber ich war innerlich schon ein wenig enttäuscht. Ich habe mir selbst ein bisschen mehr ausgerechnet, weil wir am ganzen Wochenende extrem schnell und gut waren. Insofern hatte ich mir eher die Plätze eins und zwei anstelle des dritten Platzes vorgenommen. Ich war aber in den ersten zwei bis drei Runden des Rennens einfach nicht schnell genug. In dieser Zeit ist der Erste bereits davon gefahren. Den Zweitplatzierten, der zwischenzeitlich sogar schon weg war, habe ich wieder eingeholt und wir sind hintereinander hergefahren. Eigentlich war ich der Schnellere. In der letzten Runde habe ich noch einmal versucht, ihn zu attackieren, aber ich war nicht direkt dran. Ich wollte es aber noch einmal versuchen, um mir selbst im Nachhinein nicht vorwerfen zu müssen, dass ich es nicht versucht habe. Jeder hat gesehen, dass ich es wollte und beim nächsten Mal versuchen wir es noch ein bisschen besser zu machen.

SPORT1: Glauben Sie, dass nun der Bann gebrochen ist und Sie weitere Podestplätze erringen?

Schrötter: Natürlich hoffe ich das, von alleine passiert deswegen trotzdem nichts. Wir müssen genauso hart weiterarbeiten und auch die nächsten Renn-Wochenenden genauso angehen wie bisher. Ich hoffe aber, dass es mir mental für das nächste Rennen hilft. Dass ich weiß, dass ich das erste Podium endlich geschafft habe. Vor dem Podestplatz war es schwierig für mich. Auf der einen Seite wollte ich sicher fahren, weil selbst ein vierter Platz sehr wichtig ist für uns, auf der anderen Seite sagt einem aber jeder, dass das erste Podium jetzt endlich kommen muss. Man wusste nie genau, ob man in gewissen Situationen noch mehr riskieren soll, um endlich auf das Podium zu fahren. Bei mehr Risiko ist aber auch die Gefahr höher, dass man ausfällt und dann mit leeren Händen dasteht. Aber jetzt ist das erste Podium da und ich kann befreiter fahren. Wenn ich im nächsten Rennen dann nur Vierter werde, dann ist das so, dann redet aber auch niemand mehr davon, dass doch endlich der erste Podestplatz kommen müsste.

SPORT1: Haben Sie sich bisher mental viel Druck gemacht?

Schrötter: Ich persönlich habe keinen riesigen Druck gespürt, aber es hat niemand mehr etwas anderes gesagt, als dass ich doch endlich auf das Podium fahren müsste. Aber ich selbst wollte es ja am meisten, insofern macht es mir nichts aus, wenn Presse, Team, Freunde und Fans nur von einem Podiumsplatz reden. Ich selbst habe es als Ansporn gesehen, Sachen besser zu machen. Jetzt fällt das alles von mir ab, aber jetzt werden die Leute erwarten, dass ich noch mehr Podiumsplätze einfahre, dies ist aber auch mein Ziel.

SPORT1: Bekommen Sie von Presse und Fans den größten Druck?

Schrötter: Ja. Mein Team hält mir den Rücken frei und weiß genau, worum es geht. Sie stärken mir den Rücken und sagen mir, dass sie im Training sehen, dass ich es kann. Wenn ich am Wochenende drei bis viermal in verschiedenen Trainings Erster bin, dann muss mir niemand Druck machen, denn dann weiß ich selbst, was zu tun ist. Mein Team gibt mir die nötige Motivation. Von Außen ist der Druck deutlich größer, weil jeder sagt, dass es mindestens ein Podestplatz, wenn nicht ein Sieg werden muss. Wenn ich am Wochenende schnell bin, und im Rennen nicht, dann höre ich Kommentare wie: "Er packt es einfach nicht." Von Außen lassen sich solche Dinge aber leicht sagen. Mit dem Bierchen in der Hand auf dem Sofa am Sonntagnachmittag lässt es sich leicht reden. Wenn wir auf der Strecke um unser Leben fahren, dann ist die Situation komplett anders.

SPORT1: Ist nach dem ersten Podestplatz auch der erste Sieg zum Greifen nahe?

Schrötter: Auf jeden Fall. Am Sonntag bin ich in den ersten drei Runden nicht gut gefahren, alles andere war super. Ich war genauso schnell wie der Sieger und zwischenzeitlich konnten wir auf ihn sogar ein bisschen aufholen. Es gibt keinen Grund, warum ich nicht auch ein Rennen gewinnen kann. Wir müssen noch an den entscheidenden Details arbeiten, vor allem in den ersten Runden, aber dann können wir vorne mitkämpfen.

SPORT1: Was sind ihre langfristigen Ziele, wollen Sie in der MotoGP fahren?

Schrötter: Das Ziel jedes Piloten ist die oberste Klasse, die Königsklasse seiner Disziplin. Das ist der Traum aller Rennfahrer. Mir ist aber klar, dass ich nichts geschenkt bekomme, wir müssen uns alles hart erarbeiten. Mit guten Ergebnissen bekommt man aber mit Sicherheit die Chance aufzusteigen.

SPORT1: Kommt es dann auch darauf an, konstanter auf das Podest zu fahren?

Schrötter: Mit Sicherheit. Generell fehlt es uns eigentlich nicht an Konstanz. Ich kann an jedem Wochenende meine Leistungen abrufen. Das war auch in der Vergangenheit schon so. Vielleicht habe ich nicht immer um die Plätze eins bis vier, sondern um die Plätze fünf bis acht gekämpft. In Zukunft will ich aber konstant auf das Podium fahren.

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