Fernando Alonso ist aktuell nicht für das diesjährige Indy 500 qualifiziert
Fernando Alonso ist aktuell nicht für das diesjährige Indy 500 qualifiziert © LAT
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Spencer Pigot führt Samstags-Qualifying zum 103. Indy 500 an - Fernando Alonso muss ins Shootout um die letzte Startreihe - Heftiger Crash von James Hinchcliffe

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Der erste von zwei Qualifying-Tagen zur 103. Auflage der 500 Meilen von Indianapolis, dem Höhepunkt der IndyCar-Saison 2019, ist absolviert. Er hatte, wie schon die vier Trainingstage zuvor, erneut einen heftigen Crash parat. Zudem gab es positive wie negative Überraschungen.

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An diesem ersten Qualifying-Tag ging es für die 36 gemeldeten Piloten zunächst darum, im Einzelzeitfahren über vier Runden möglichst den Sprung in die Top 30 zu schaffen. Denn die Top 9 vom Samstag sind direkt für das Top-9-Shootout am Sonntag qualifiziert. Die Plätze 10 bis 30 hingegen gehen dank des in diesem Jahr neuen Qualifying-Modus direkt anhand der Samstagszeiten in die Startaufstellung ein.

Tagesschnellster im Einzelzeitfahren über jeweils vier Runden am Samstag war Spencer Pigot (Carpenter-Chevrolet) mit einer Durchschnittsgeschwindigkeit von 230,083 Meilen pro Stunde.

Als Teamkollege von Ed Carpenter und Ed Jones, die beide bereits an den Trainingstagen überzeugt hatten, ging Pigot gemäß Auslosung der Startreihenfolge bereits als Zweiter auf die Bahn. Bei den zu diesem Zeitpunkt noch vergleichsweise kühlen Bedingungen setzte er sich an die Spitze und behielt diese bis zum Ende der 6:50 Stunden dauernden Session.

Rookie Colton Herta in den Top 9

Neben Spencer Pigot haben sich folgende acht weiteren Piloten in die Top 9 gefahren und sind damit für das Top-9-Shootout am Sonntag qualifiziert: Will Power (Penske-Chevrolet), Simon Pagenaud (Penske-Chevrolet), Josef Newgarden (Penske-Chevrolet), Colton Herta (Harding-Honda), Ed Jones (Carpenter-Chevrolet), Ed Carpenter (Carpenter-Chevrolet), Alexander Rossi (Andretti-Honda), und Sebastien Bourdais (Coyne-Honda).

Colton Herta, 19-jähriger Sohn von Bryan Herta und dank seines Austin-Sieges im März der jüngste IndyCar-Sieger aller Zeiten, hat somit bei seinem ersten Indy-500-Auftritt auf Anhieb den Einzug ins Top-9-Shootout für Sonntag geschafft.

Verpasst haben den Top-9-Einzug allen voran Marco Andretti (Herta/Andretti-Honda; 10.), Conor Daly (Andretti-Honda; 11.) und Helio Castroneves (Penske-Chevrolet; 12.). Das heißt: Dank des neuen Qualifying-Modus beim 2019er Indy 500 stehen diese drei Piloten schon jetzt als diejenigen der vierten Startreihe im Rennen fest. Die Startplätze 13 bis 30 werden am 26. Mai ebenfalls anhand des Q1-Ergebnisses eingenommen. Die Startplätze 1 bis 9 sowie 31 bis 33 stehen hingegen noch nicht fest.

Exakt vier Jahre nach Horrorcrash: James Hinchcliffe crasht erneut

Nach vier Crashs während der vier Freien Trainings von Dienstag bis Freitag krachte es auch im Qualifying. James Hinchcliffe (Schmidt-Honda) verlor sein Auto auf seiner zweiten Runde in Turn 2 aus der Kontrolle, schlug nach Dreher heftig mit der linken Seite in die äußere Streckenbegrenzung ein. Das Auto bekam Unterluft und setzte zum Überschlag an. Ein eben solcher wurde zwar wieder einmal knapp vermieden, aber bis Hinchcliffe aus dem Cockpit stieg, vergingen bange Sekunden.

Nach Untersuchung im streckeneigenen Medical-Center gab der unverletzt gebliebene Hinchcliffe nur wenige Minuten später Auskunft zum Crash, der sich auf den Tag genau vier Jahre nach seinem lebensbedrohlichen Unfall an gleicher Stelle zutrug.

"Das Auto war [von der Abstimmung her] an der Grenze", so Hinchcliffe. "In den Turns 3 und 4 hatte ich etwas Übersteuern, aber in den Turns 1 und 2 war es eigentlich okay. Ich weiß nicht, was passierte. Vielleicht hat mich eine Windböe erwischt. Die Abstimmung war schon aggressiv, klar. Das Ganze ist jetzt jedenfalls ein ziemlicher Albtraum."

Damit spielte Hinchcliffe auf die Tatsache an, dass er zu diesem Zeitpunkt als einziger aller 36 Piloten kein Q1-Ergebnis vorweisen konnte. Doch keine vier Stunden nach dem Crash saß der 32-jährige Kanadier wieder im Cockpit - diesmal im Ersatzauto, das von Schmidt Peterson Motorsports inzwischen fertig vorbereitet worden war.

Seinen zweiten Anlauf für vier fliegende Runden brachte Hinchcliffe zwar zu Ende, für die Top 30 und damit die direkte Qualifikation für das Rennen reichte dieser Versuch aber ebenso wenig wie in sein dritter, den er 15 Minuten vor Ablauf der Zeit unternahm. "Es war eine großartige Anstrengung, die vom Team unternommen wurde, denn das Ersatzauto war von der Basis her ein Rundkurs-Auto. Noch ist es aber nicht vorbei", bemerkt "Hinch".

Hinchcliffe, der die erfolgreiche Qualifikation zum Indy 500 vor einem Jahr knapp verpasst hatte, muss somit weiter zittern. Am Sonntag hat er die letzte Chance, eine zweite aufeinanderfolgende Nicht-Qualifikation für das größte und wichtigste IndyCar-Rennen doch noch abzuwenden.

Fernando Alonso muss um Qualifikation für das Rennen zittern

Um die Qualifikation für das Rennen zittern muss nicht nur Hinchcliffe, sondern auch Fernando Alonso (McLaren-Chevrolet). Der Spanier ging anhand der Auslosung der Startreihenfolge als 20. auf die Piste. Nachdem er seine vier Runden absolvierte hatte, wurde er im zu diesem Zeitpunkt aktuellen Zwischenklassement an 20. und damit letzter Stelle geführt.

Die Onboard-Aufnahmen zeigten, wie Alonso mit Handlingsproblemen zu kämpfen hatte. Nachdem er an der Box ausgestiegen war, gab der Indianapolis-Rückkehrer gegenüber 'NBC' zu Protokoll: "Wir haben gerade gesehen, dass der rechte Hinterreifen Luft verliert. Das hat bei den Schwierigkeiten, die wir hatten, vielleicht eine Rolle gespielt. Vom normalen Tempo her waren wir schon nicht ultra-konkurrenzfähig."

"Jetzt kam noch der Platten hinzu. Und auch das Ergebnis der Auslosung war nicht ideal, wenn man sich diesen 'Hurrikan', den wir gerade haben, vor Augen führt." Damit meint Alonso den starken Wind, der zur Mittagszeit über dem Indianapolis Motor Speedway blies.

Zwar war Alonso, nachdem alle Piloten ihre ersten vier fliegenden Runden absolviert (Hinchcliffe nur begonnen) hatten, einer derjenigen, die für einen zweiten Vier-Runden-Versuch auf die Strecke gingen und damit ihren zuvor gesetzten Rundenschnitt aufgaben. Doch auch dieser reichte nicht für die Top 30. Alonso unternahm daraufhin einen dritten Vier-Runden-Versuch. Mit diesem fuhr er sich gerade so auf P30 und musste fortan zittern.

Alonso unternahm einen vierten Anlauf, aber dieser war langsamer. Eine halbe Stunde vor Ablauf der Zeit rückte der McLaren-Pilot sogar zu einem fünften Vier-Runden-Anlauf aus. Mit diesem fuhr er sich auf P29, musste wieder zittern, hatte aber zumindest noch einen Puffer in Person von Felix Rosenqvist (Ganassi-Honda) hinter sich.

Doch Rosenqvist legte direkt nach Alonso seinerseits nach und fuhr sich von P30 auf P28 nach vorn. Somit war Alonso abermals der Wackelkandidat in Bezug auf die direkte Qualifikation für das Rennen. Die nachfolgenden James Hinchcliffe und Sage Karam (Dreyer/Reinbold-Chevrolet) konnten den McLaren-Piloten nicht verdrängen.

Hildebrand verdrängt Alonso aus Top 30

Dann aber legten J.R. Hildebrand im zweiten Dreyer/Reinbold-Chevrolet und Graham Rahal (Rahal-Honda) jeweils ihren zweiten Versuch nach und gaben damit ihren ersten auf. Sowohl der Indy-500-Pechvogel von 2011 (damals in der letzten Kurve des Rennens in Führung liegend gecrasht) als auch der Sohn des dreimaligen IndyCar-Champions Bobby Rahal verdrängten Alonso locker. Weil Hildebrand inzwischen aus den Top 30 herausgefallen war, war es letzten Endes derjenige, der Alonso aus eben diesen verdrängte.

Alonso, der unterm Strich auf P31 notiert wurde, hat es somit im Gegensatz zu beispielsweise Rookie Ben Hanley, dessen Arbeitgeber DragonSpeed ebenfalls 2019er Neuling in der IndyCar-Szene ist, auch nach wiederholtem Anlauf nicht geschafft, sich in die Top 30 zu fahren und vor allem auch dort zu halten.

Damit muss Alonso nun ernsthaft um die Qualifikation für das diesjährige Indy 500 zittern. "Wir waren einfach nicht schnell genug. Hoffentlich klappt es morgen. Wenn es nicht klappt, dann deshalb, weil wir es nicht verdient haben", so der Ex-Formel-1-Weltmeister, der am Sonntag im ersten von zwei Shootouts um einen Platz in der letzten Startreihe fährt. In diesem ersten von zwei Shootouts des zweiten Qualifying-Tages trifft er auf fünf Konkurrenten - unter anderem James Hinchcliffe.

Kyle Kaiser nach Crash vom Freitag wieder auf der Strecke

Im 90-minütigen Aufwärmtraining, das am Samstagmorgen dem Qualifying 1 voranging, war Alonso zunächst der Schnellste gewesen. Allerdings sah diese Session lediglich sechs Teilnehmer. Dazu gehörte Kyle Kaiser, dessen kleines Team Juncos Racing es tatsächlich geschafft hat, nach dem heftigen Crash vom Freitag rechtzeitig für das Training am Samstagmorgen das Ersatzauto aufzubauen.

Mit 32 Runden drehte Kaiser in Reihen der sechs Piloten im Aufwärmtraining die meisten Runden. Für die vorzeitige Qualifikation, das heißt, einen Platz in den Top 30 von Qualifying 1 hat es aber auch für Kaiser nicht gereicht. Auch der Juncos-Pilot muss beziehungsweise darf am Sonntag im Shootout um die letzte Startreihe erneut ran.

Schlechte Wettervorhersage für Quali-Shootouts

Am Sonntag geht es im zweiten Teil des Qualifyings um die Entscheidungen. Zunächst fahren die Piloten auf den Positionen 31 bis 36 des Samstags-Qualifyings - Fernando Alonso, James Hinchcliffe, Sage Karam, Max Chilton, Patricio O'Ward und Kyle Kaiser - die letzte Startreihe (P31 bis P33) unter sich aus. Danach stehen die drei diesjährigen Nicht-Qualifikanten endgültig fest.

Anschließend geht es im Top-9-Shootouot zwischen den neun schnellsten Piloten des Samstags-Qualifyings - Spencer Pigot, Will Power, Simon Pagenaud, Josef Newgarden, Colton Herta, Ed Jones, Ed Carpenter, Alexander Rossi und Sebastien Bourdais - um die Startplätze in den ersten drei Startreihen, das heißt Pole-Position bis P9.

Soweit allerdings nur die Theorie, denn ob der Zeitplan gehalten werden kann, ist offen. Die aktuelle Wettervorhersage für Sonntag ist alles andere als gut. Einen zweistufigen Alternativplan gibt es aber bereits. Sollte das Top-9-Shootout am Sonntag nicht gefahren werden können, werden direkt P1 bis P9 des Samstags-Qualifyings für die ersten drei Startreihen herangezogen. Spencer Pigot wäre in diesem Fall der Polesetter.

Sollte aber das Shootout um die letzte Startreihe am Sonntag nicht gefahren werden können, findet dieses am nächstmöglichen Tag statt. Die sechs derzeit nicht sicher für das Rennen qualifizierten Piloten - darunter Fernando Alonso und James Hinchcliffe - bekommen also auf jeden Fall ihre letzte Chance.

© Motorsport-Total.com